Jo Bannon lebt mit Albinismus – und setzt sich in einer Zauberperformance „The Dirty Work“ am Staatstheater Braunschweig mit den Reaktionen auf ihre eigene Sehbehinderung auseinander.
Inwiefern hat dein Leben mit Albinismus deine Performances beeinflusst? Ich selbst bin sehr sichtbar – weil mein Albinismus mich auffällig macht –, gleichzeitig ist mir die Welt aber weniger zugänglich – wegen meiner Sehbehinderung. Mich fasziniert die Spannung zwischen dem, wie wir sehen, und dem, wie wir gesehen werden, und wie subjektiv beides ist.
Was heißt das konkret?
Viele Menschen wissen nicht, dass eine der Hauptfolgen von Albinismus eine Sehbehinderung ist. Genau das interessiert mich: dass man mich nicht sofort als sehbehindert erkennt und ich daher bewusst oder unbewusst als sehend wahrgenommen werde. Das führt dazu, dass ich gelernt habe, Sehen zu performen, und mir diese merkwürdigen Tricks angeeignet habe, wie z. B. Augenkontakt vorzutäuschen, von der großen Tafel mit der Tageskarte zu bestellen, weil die Schrift auf der regulären Speisekarte zu klein ist, oder Personen zu grüßen, die mich offensichtlich erkennen, obwohl sie zu weit weg sind, als dass ich sie erkennen könnte. Das hat mich angeregt, über die Performanz von Behinderung nachzudenken und darüber, wie sie manchmal eine hochprofessionelle, unauffällige, aber scheinbar ganz normale Performance im Alltag ist. Es hat mich an Zauberkünstler*innen erinnert und wie sie ihre Tricks einstudieren, um sie überall mit Alltagsgegenständen – Karten, Münzen, Hüten – vorführen zu können…