Collageartige Illustration mit überlagerten Gesichtern und Körperfragmenten mehrerer Frauen, umgeben von grellen Farben, Lichtreflexen, Feuer und zerbrochenem Glas. Unten links ist ein Smartphone mit einer Social-Media-Ansicht zu sehen. Die Bildkomposition wirkt chaotisch und emotional aufgeladen.
© Inés Maestre

Endlich reden die Menschen über digitale sexualisierte Gewalt; über Deepfakes, Fake-Bilder, die aussehen wie aus einem Porno. Aus einem Porno, den die vermeintlichen Darsteller*innen nie gedreht haben, in den ihre Gesichter ohne deren Einverständnis eingearbeitet wurden und den die Täter dann online verbreiten. 

Der Fall von Collien Fernandes und Christian Ulmen hat das Thema in die Schlagzeilen katapultiert. Bei ihnen geht es nicht um Deepfakes, sondern – nicht weniger schlimm – um mutmaßlich von Ulmen erstellte Fake-Accounts. In den Tagen, nachdem der „Spiegel“ Mitte März darüber berichtet, greift beinahe jede Zeitung in Deutschland das Phänomen digitaler Gewalt auf. Nicht einmal eine Woche nach der Veröffentlichung sammeln sich am Brandenburger Tor Tausende Menschen mit Schildern, auf denen es heißt „Wer Täter schützt, ist Mittäter“, „Scheiß Patriarchat! Elendiges!“ und „Wir sind alle Collien“. Als Ebow und Mariybu auftreten, singt die Menge: „Es sind nicht alle Männer, aber es ist immer ein Mann“. Ist das ein neuer #MeToo-Moment? Ein Momentum für den Feminismus?

„Mir ist das auch passiert“, sagt Luisa Neubauer auf der Bühne der Kundgebung in Berlin. „Mir auch“, erzählt Theresia Crone, eine weitere Klimaaktivistin, bei Caren Miosga. Schon in den vergangenen Jahren haben unzählige FLINTA von ihren Erfahrungen mit Deepfake-Bildern und -Videos berichtet, über ihre Ohnmacht und Verzweiflung gesprochen. Von dem Schock, der Panik, sich selbst augenscheinlich in einer Szene zu sehen, in der man nie war. Interessiert hat es kaum jemanden. Jetzt finden die Betroffenen endlich Gehör. 

Der Grund dafür ist nicht Fernandes’ Bekanntheit – auch sie hat schließlich schon viel früher über ihre Erfahrungen geredet –, sondern die des mutmaßlichen Täters: Christian Ulmen. Einer, den die Deutschen lieben. Dessen Macker-Humor das Fernsehpublikum abgeholt hat, ein bisschen derb, ein bisschen dumm und dabei immer lustig, schließlich waren die Freundinnen in Ulmens Serien ja noch dümmer. Wie bitter, wenn das Lachen j…