© Camille Soulat

Der Jahresbeginn ist klirrend kalt, aber gleich wird es heiß. Ich befinde mich auf einem modernisierten Bauernhof in der Nähe von Oldenburg. Der See nebenan ist zugefroren. Zwischen Äckern und Pferdewiesen findet hier im Januar das fünftägige Frauen Festival von Organisatorin Lenia Soley statt – inklusive einer Orgie.

Lenia Soley ist Sexarbeiterin und Sexualtherapeutin und bietet unterschiedliche sexpositive Formate für Frauen, cis und trans, und nicht-binäre Personen an, die sich auf dem weiblichen Spektrum verorten. Ich war schon auf einigen ihrer Events. 

Auf dem Festival gibt es Workshops zu den Themen Körper, Sexualität und Gemeinschaft. Fast achtzig Teilnehmer*innen jeden Alters strippen, schreien, tanzen und fesseln einander. Meine Lieblingssessions: Lap Dance und Selbstverteidigung. Mutige gehen morgens im See eisbaden. Ich gehe abends in die Sauna. 

Während draußen der Frost glitzert, steigt die Aufregung drinnen, denn am dritten Abend steht die Orgie von Host Beate Absalon an. Doch ausgerechnet dann fällt die Heizung in der Halle aus.

Beim Abendessen überlegen Lenia und ­Beate, ob sie trotzdem den ungeheizten großen Raum nutzen. Lenia sucht den Hofmanager. Er ist der einzige Mann, der während des Festivals hin und wieder auf dem Gelände gesichtet wird. Er zeigt sich empathisch: „Selbstverständlich, für eine Orgie braucht man es natürlich warm.“ Aber bald steht fest: Die Heizung kann heute nicht mehr repariert werden. Die Orgie wird also in den kleiner…