Ein Foto gold-glänzender Patronenhülsen

Made in Germany“ gilt als Markenzeichen. Was symbolisiert dieses Label für dich? 

Die Widersprüchlichkeit deutscher Außenpolitik. Während das Label international mit Qualität, Zuverlässigkeit, technologischem Fortschritt und hohen ethischen Standards verbunden wird, genehmigt Deutschland Rüstungsexporte an Staaten, deren Rolle in Konflikten oder bezüglich Menschenrechtslagen kritisch diskutiert wird. Das Kriegswaffenkontrollgesetz sieht vor, dass deutsche Kriegswaffen nicht für friedensstörende Handlungen eingesetzt werden. Beispiele wie Saudi-Arabien, Israel oder Katar verdeutlichen die Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und tatsächlichen Entscheidungen. Fluchtursachen werden mitverantwortet, während gleichzeitig auf europäischer Ebene restriktivere Asylpolitiken, etwa durch die GEAS-Reform, unterstützt werden.

Gibt es Orte, die sich dir entzogen haben oder „unsichtbar“ blieben, obwohl sie zentral für die Idee waren? 

Viele der Orte, an denen Entscheidungen getroffen, Waffen produziert oder deren Folgen sichtbar werden, bleiben unzugänglich. Anstatt diese Leerstellen als Scheitern zu verstehen, habe ich versucht, sie als Teil der Arbeit sichtbar zu machen. Symbolbilder dienen dabei nicht nur als Ersatz für fehlende Aufnahmen, sondern ermöglichen es, Unzugänglichkeit zu thematisieren. Mich interessiert die Frage, was es bedeutet, wenn etwas politisch hoch relevant ist, gleichzeitig aber räumlich, bürokratisch und medial weitgehend entzogen bleibt. An der Grenze des Zugänglichen zu arbeiten, bedeutet für mich nicht, Vollständigkeit zu behaupten. Ich möchte sichtbar machen, wo Transparenz endet und welche Strukturen diese Unsichtbarkeit hervorbringt.                

Das Patronenfoto mit seinen Lichteffekten ist besonders catchy. Die goldenen Hülsen glänzen im Licht fast wie Schmuckobjekte. Was kann ästhetische Überhöhung für dich leisten?

Die Darstellung stammt direkt aus dem Marketing eines Rüstungsunternehmens. Indem ich sie in meine Arbeit übernehme, verschiebe ich ihren Kontext. Mich interessiert, wie Mittel der Gewalt mit Bildsprachen präsentiert werden, die wir eher aus der Konsumwelt kennen. Diese Irritation ist Teil der Arbeit.

Hannah Aders (*1993) wuchs teilweise in Brasilien auf, wo sie zwischen 2006 und 2011 die deutsche Schule in Rio de Janeiro besuchte. Nach einer Ausbildung zur Fotodesignerin am Berliner Lette Verein absolvierte sie einen B. A. in Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover. Sie lebt heute zwischen Hamburg und Rio und fotografiert u. a. für „Spiegel“, „Zeit“, „FAZ“ und „Freitag“. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Dokumentarischen sowie Langzeitprojekten. 

Dieser Text erschien zuerst in Missy 04/26.