Illustration: Weiblich gelesene Person schreit durch ein Mikro gegen eine Wand . An der Rückseite der Mauer sitzt miut dem Rücken zur Wand, eine übergroße männlich gelesene Person, die Kopfohrer trägt.
© Cocln

Eigentlich hätte es mir klar sein müssen. Ich nehme in Kauf, dass ihr den Kopf über mich schüttelt, weil ich vor ein paar Monaten ganz kurz gedacht habe, jetzt ändert sich etwas. Jetzt, nach Collien Fernandes’ Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen, ist männliche Gewalt endlich kein reines Frauenthema mehr, dachte ich.

Jetzt stehen wir nicht mehr allein da mit der Aufgabe, darüber aufzuklären, wie viele von uns sexualisierten Missbrauch oder andere Formen von Gewalt erleben, mit welchen Strategien die Täter vorgehen und dass es eben oft nicht die breitbeinigen Chauvis sind, sondern vermeintlich freundliche, korrekte, reflektierte Typen. Es gab einen Zeitpunkt, da dachte ich, jetzt erheben endlich alle ihre Stimme. Was passierte dann? Mitte Mai versammelten sich ein paar Tausend Leute zu einer „Männerdemo gegen Gewalt“ in Berlin. Das Justizministerium beschleunigte die Einführung eines Straftatbestands, zu der sie EU-rechtlich sowieso verpflichtet war. 

Und sonst? Nahezu alles, was sonst passierte, war das Werk von Frauen. Unglaublich viele befassen sich weiter mit dem Fall und seinem gesellschaftlichen Kontext. Recherchieren als Journalistinnen zu weiteren Fällen, stellen als Aktivistinnen Forderungen auf, sprechen als Lehrerinnen in der Klasse darüber, diskutiere…