Fotografie : erkaltende Lava.
© Patrycja Makowska

Chopped ist hot

Hast du dich jemals so „chopped“ gefühlt, dass du einen echten Flow State erreicht hast? Online kursiert „chopped“ als Begriff für „hässlich“, geprägt von Meme-Kulturen. Ursprünglich aus dem AAVE (­African American Vernacular English) hat sich das Wort online als Teil eines wachsenden Vokabulars über das Aussehen etabliert, besonders jetzt, da Selbstoptimierung ihren Höhepunkt erreicht. Chopped zu sein,

klingt wie eine Beleidigung und ist auch so gemeint. Aber was, wenn es uns guttäte, uns kollektiv ein bisschen gehen zu lassen? Dass Schönheitsstandards eng mit rassistischen, kapitalistischen und klassistischen Strukturen verwoben sind, ist kein Geheimnis. Sie sind nicht nur unerreichbar, sondern auch an zutiefst konservative Körperbilder gebunden und gehen mit Hyperindividualisierung einher.
Genau hier könnte eine Gegenstrategie ansetzen: sich gehen lassen, chopped sein als eigene Ästhetik. Nicht als bloße Verweigerung von Schönheitsidealen, sondern als Widerstand gegen den Zwang, dass jede*r zu jedem Zeitpunkt maximal optimiert sein muss. Gebt euer Geld lieber für einen Kaffee mit Freund*innen aus statt für Protein­shakes, die eure Fürze nach faulen Eiern stinken lassen. Lasst eure Gelnägel eine Woche länger rauswachsen. Vielleicht bricht sogar einer ab. Wo bleibt der Spaß, wenn der Kalender voller Waxing-­Termine und Hyrox-Kurse ist, die – nebenbei bemerkt – extrem nerven?