Es ist eine Woche vor dem Karneval der Kulturen in Berlin. Mein Hype steigt mit jedem Event, das mir mein Kumpel auf Instagram zuschickt. Zu Afrobeats, Shatta und Dancehall lässt sich der im Winter eingerostete Popo endlich wieder shaken. Auch meine For-You-Page ist überflutet von Veranstaltungen, meist promoted von weißen Frauen. Am besten tanzen sie noch die 08/15-Amapiano-Moves, die sie von TikTok kennen und stolz vor der Kamera demonstrieren. Ein Ort von Schwarzen Menschen für Schwarze Menschen wird von weißen Frauen mit Braids vermarktet. Props an @blacktigermama, die dazu ein sehr wichtiges Video gemacht hat. 

Aber kurze Geschichtsstunde: Der nigerianische Musiker Fela Kuti gilt als Begründer des Afrobeats, eines Genres, das dazu diente, Themen wie Unterdrückung, das kapitalistische System, Korruption und die Auswirkungen von White Supremacy sowie der kolonialen Vergangenheit Nigerias zu benennen und zu kritisieren. Es verband Musik mit Aktivismus und schuf neue em­powernde Perspektiven auf kulturelle Identität. Es war somit nicht nur ein Musikgenre, sondern eine Stimme des Widerstands. Heute ist es ein Sammelbegriff für aktuelle Tanz- und Popmusik aus Westafrika. Nigerianische Superstars dominieren internationale Charts, ein neues afrikanisches Selbstbewusstsein ist entstanden. Was früher in der Diaspora oft nicht selbstverständlich war, ist heute klar: It’s cool to be African.

Schön, oder? Der weltweite Erfolg von Afrobeats hat das kulturelle Selbstwertgefühl von Afrikaner*innen grundlegend verändert, indem er das Image des Kontinents in der globalen Popkul…