All Eyes On: Alake Shilling
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Deine Skulpturen sind nicht perfekt: Ihre Oberflächen sind uneben, gleichzeitig sind sie glasiert und glänzen. Außerdem zeigen sie Konflikte und Verletzlichkeit. Warum bildest du diese Ambivalenzen ab? Ich versuche, meine eigenen Emotionen auszudrücken. In den Figuren sehe ich mich selbst wie in einem Spiegel. Durch sie kann ich zeigen, wer ich bin und wie ich andere Menschen sehe. Auch meine Liebsten sind in meinem Kopf süße kleine Figuren – dadurch kann ich sie und die Welt besser verstehen und Dinge weniger persönlich nehmen.
Was fasziniert dich an Comics und animierten Figuren? Für mich sind sie realistischer als das, was man in der Kunst als Realismus bezeichnet. Außerdem bin ich gerne die Person, die die Geschichte erzählt. Viele Menschen, zu denen ich aufschaue, sehen nicht so aus wie ich oder haben nicht dieselben Erfahrungen gemacht. In Animationsfilmen, der Popkultur und der westlichen Gesellschaft gibt es oft unterschwellige Botschaften, die sich über Frauen, People of Color oder arme Menschen lustig machen.



Du beschreibst deine Kunst selbst als Kitsch. Wie definierst du Kitsch? Kitsch ist für mich underground, etwas, das nicht wirklich akzeptiert wird, aber Spaß macht und mit dem man sich identifizieren kann. Ein Begriff, den vor allem queere Szenen verstehen. Ich glaube, dass auch People of Color viel dazu beitragen, die Kitsch-Bewegung am Leben zu erhalten. Viele halten Kitsch für kindisch oder unkultiviert – das sehe ich anders. Es ist mein Kampf für soziale Gerechtigkeit, Kitsch mit Stolz zu tragen.
Du hast deine Kunst einmal mit der Schriftart Comic Sans verglichen. Was meinst du damit? Comic Sans war für mich immer die Schrift für alles – schon in der Grundschule habe ich sie für jeden Aufsatz und jede Präsentation benutzt. Sie passte einfach zu mir. Später wurde sie in der Popkultur und Berufswelt verspottet. Ich liebe Comic Sans und weigere mich, sie abzulehnen, weil andere sie kitschig finden. Kein Trend soll mich jemals davon abhalten, das zu mögen, was mir Spaß macht. Für mich ist das eine Form von Protest: zu dem zu stehen, was mir gefällt, auch wenn andere es abwerten.
Alake Shilling (@sillyshilli) wurde 1993 in Los Angeles, USA, geboren und ist Malerin und Bildhauerin. Ihre Keramiken und Gemälde beschäftigen sich mit einer Vielfalt an Emotionen, mit Community und Einsamkeit, sind humorvoll sowie nostalgisch. Dabei verbindet Shilling eine Bubblegum-Pop-Ästhetik mit fantasievollen Erzählungen und erschafft eine eigene Welt aus cartoonhaften Tieren und Figuren.



Dieser Text erschien zuerst in Missy 05/26.