3D-Rendering aus glasartigem, milchig-violettem Material: mehrere weibliche Figuren bilden eine Gruppe, teils liegend, teils kniend, verbunden durch gespannte Seile; unter ihnen läuft die Masse in eine Pfütze aus.
© Jae Yeon Kim

„Darf ich?“, fragt er, während er von meinem Balkonsofa zu mir in die Küche schaut, wo ich gerade ein Glas Weißweinschorle einschenke. Ich drehe mich um: „Was darfst du?“ „Na, dich anschauen?“

Irritiert setze ich den Flaschenhals vom Weinglas ab. „Hast du gerade gefragt, ob du mich anschauen darfst?“, frage ich ungläubig nach. Er nickt und lächelt schüchtern. „Ja klar darfst du schauen“, lache ich und weiß nicht, was ich denken soll. Denn genau an dieser Stelle, wo ich gerade stehe, hat vor zwei Wochen mein anderes Date weder gefragt noch gezögert, sondern mich statt einer Begrüßung einfach an die Wand gedrückt und meine Unterhose durch die Küche geworfen. Daran denke ich gerne zurück, obwohl ich noch nicht genau weiß, weshalb diese Rigorosität mich anmacht.

 Denn eigentlich hasse ich jede Form von Autorität – auch im Bett, da bin ich Anarchistin. Ich will die Kontrolle behalten – und trotzdem fühlt es sich viel vertrauter und absurderweise sicherer an, sich in die Hände einer Person zu begeben, die ganz klar die Führung übernimmt. Besonders, wenn man noch nicht so oft miteinander geschlafen hat. Denn wenn ich so zurückdenke, dann hat es eher zu Verwunderung geführt, wenn ich Ansagen gemacht habe. Es hat mich häufig zu viel Energie gekostet, sodass ich lieber im bewährten Sub-Modus geblieben bin. 

„Na, dann bist du eben Switch“, sagt mein aktuelles Date nach unserem ersten Sex. Wir liegen noch nackt im Bett, legen uns Katzen-Tarotkarten und ich bin etwas fassungslos, dass er der erste Mann in meinem Bett ist, der sich für jeden nächsten Schritt mein Einverständnis einholt. Es ist bitter, wie selbstverständlich ich meine Grenzen und Bedürfnisse nie im Blick hatte und mir dabei eingeredet …