Der Kampf gegen Polizeigewalt
Von

Einen Tag nachdem Lorenz A. in der Nacht vom 20. April 2025 durch einen Polizisten in Oldenburg getötet worden war, erhielt Suraj Mailitafi von einem gemeinsamen Freund die tragische Nachricht: „Mein Bruder wurde erschossen.“ Damit begann für den 25-Jährigen ein Kampf gegen ein System, das sich nicht verändern will.
Mailitafi organisierte gemeinsam mit Lorenz’ Mutter und weiteren Angehörigen die erste Demonstration, zu der rund 15.000 Menschen kamen. Inzwischen ist er Sprecher der Initiative Gerechtigkeit für Lorenz, die sich für die lückenlose Aufklärung rassistischer Polizeigewalt einsetzt. Außerdem gehört er dem Aktionsbündnis Widersetzen an, das u. a. bundesweit zur Blockade des AfD-Parteitags im Juli in Erfurt mobilisiert hatte. Zuletzt hatte er eine Spendenaktion für den Verein EOTO gestartet, dessen Schwimmnachmittag für Schwarze Kinder und Jugendliche an der Berliner Volksbühne wegen einer rechten Hetzkampagne abgesagt wurde. Kurz darauf wurde er mit rassis-tischen Einschüchterungsversuchen belästigt.
Noch bevor Mailitafi mit politischer Aufklärungsarbeit im Internet sichtbar wurde, war er in der Kommunalpolitik seiner Stadt Bersenbrück in Niedersachsen aktiv. Mit neun Jahren und damals als Analphabet war er in die Kleinstadt gekommen. Dort sollte er später als die erste Schwarze und die jüngste Person im Stadtrat bekannt werden. In einer Sphäre, die tendenziell eher mit weißen, älteren cis Männern besetzt ist, überrascht das kaum. Inzwischen hat er sein Amt im Stadtrat niedergelegt.
Mailitafi studiert außerdem in Oldenburg, der Heimatstadt von Lorenz A., Chemie. Für dieses Fach entschied er sich auch aus politischen Gründen, die eng mit seinem Geburtsland Ghana verbunden sind: In Agbogbloshie liegt die größte Elektroschrottdeponie Afrikas – einer der giftigsten Orte der Welt. Wertstoffe aus Europa, den USA und anderen Teilen der Welt werden dorthin verschifft. Die etwa 40.000 dort lebenden Menschen atmen beim Recyceln teilweise hochgiftige…