Copyright: © The Estate of Lee Lozano, Courtesy Hauser & Wirth Creditline: Privatsammlung. Courtesy Hauser & Wirth Collection Services
Fotocredit: 2026 Museum Tinguely, Basel; Pati Grabowicz

Im breit verglasten Gang, der einen direkten Blick auf den Rhein freigibt und den Auftakt zu „Labouring Bodies“ bildet, liegt ein Schlauch auf dem Boden. Als wäre er beim Aufbau der Ausstellung vergessen worden. Doch was durch diese lange, kompliziert vertüdelte Plastikröhre fließt, ist Milch. Nach der Geburt ihres Kindes produzierte Ani Lius Körper jeden Monat 22 Liter Milch – und genau diese Menge tuckert nun in einem ununterbrochenen Kreislauf durch ihre Installation. Juliana Huxtable zeigt einige Räume weiter mit „COW 3“ das Bild einer gefesselten Schwarzen Frau, der Milch aus den Brüsten gepumpt wird. Die Skizzen zu Niki de Saint Phalles „Hon“, die auf die überlebensgroße, begehbare „Nana“ verweisen, die sie 1966 für das Moderna Museet in Stockholm konstruierte, bilden das Herzstück der Ausstellung. Hier gibt es im Inneren der rundlichen Frauenfigur natürlich eine Milchbar. 

Das Stillen bzw. die Milchpumpe taugt perfekt als Metapher für die maschinelle Ausbeutung weiblicher Körper, um die die neue Sonderausstellung im Tinguely Museum in Basel kreist. Denn „Labouring Bodies“ sind nicht nur die, die „in labour“, also in den Wehen, sind, sondern auch die, die in Fabriken arbeitend Teil von Maschinen werden, um für andere Profit zu erzeugen. Die über zwei Meter hohe Terracotta-Skulptur „Akkordarbeiterin“ von Azade Köker erinnert an die doppelte Benachteiligung migrantischer Arbeiterinnen im westdeutschen Fabriksystem. Evelyn Richters Fotos zeigen den Arbeitsalltag junger vietnamesischer Vertragsarbeiterinnen in der DDR. Aber auch vermeintlich körperlose KI zeitigt Spuren an Lohnabhängigen, die als „Content Moderators“ traumatisierende digitale Inhalte filtern, wie Daniela Brugger in ihrer Serie „muddy codes & soft infrastructures“ seit 2024 erforscht.

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