„Es geht um die Pressefreiheit“
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Lena, wir lesen deine Recherchen zu sexualisierter Gewalt ja immer erst, wenn sie fertig sind. Aber wie beginnen sie eigentlich? Meistens schreibt mir jemand eine Nachricht, dann telefonieren wir. Idealerweise erzählt mir die Person am Telefon, worum es geht und um wen. Oft richten sich die Vorwürfe ja gegen bekannte Personen. Möglichst schnell vereinbare ich ein vertrauliches Treffen, oft das erste von vielen. Da frage ich, woran sie sich konkret erinnert, welche Belege es gibt, wem sie vielleicht damals vom Geschehen erzählt hat, ob ich diese Personen treffen kann. Dann schätze ich ein, ob ich es für realistisch halte, dass wir berichten.
Wovon hängt das ab? Zum einen davon, ob ich glaube, dass wir ein Vertrauensverhältnis aufbauen können. Zum anderen gelten strenge Regeln, wenn man über Vorwürfe berichtet, die noch nicht gerichtlich geklärt sind. Wir nennen das Verdachtsberichterstattung. Die Vorwürfe müssen öffentlich relevant sein, es muss ein gewisses Maß an Belegen geben und wir dürfen nicht vorverurteilend formulieren. Außerdem müssen wir die andere Seite konfrontieren und die Stellungnahme – wenn es eine gibt – in den Text aufnehmen.
Wie erlebst du die Menschen, die sich dir anvertrauen? Manche sind emotional noch total mitgenommen, gerade wenn es erst vor Kurzem passiert ist oder sie erstmals davon erzählen. Andere haben es schon besser verarbeitet, waren etwa in Therapie. In beiden Fällen wahre ich eine…