© Julia Runggaldier

Würdest du einen Job machen, für den du dreitausend Euro „Aufwandsentschädigung“ bekommst, aber dafür drei Wochen lang für 24 Stunden pro Tag zur Verfügung und unter Beobachtung stehst, dich von der Welt isolieren musst und mit niemandem über das Erlebte sprechen darfst? „Das Geld war natürlich ein schönes Extra, aber ich habe das nicht als Job gesehen, sondern als coole Erfahrung“, erzählt eine Kandidatin einer deutschen Datingshow, die aus Vertragsgründen nicht mit echtem Namen gegenüber Missy auftreten kann.

Aber ist Reality-TV Arbeit? Nicht nur für diejenigen, die Sendungen produzieren, filmen, schneiden und vermarkten, sondern auch für die Teilnehmer*innen? Das ruft spontan Gegenfragen hervor: Machen die Leute nicht freiwillig mit? Um ihr Talent zu zeigen, sich zu beweisen, berühmt zu werden oder die Liebe zu finden? Und wer weiß heutzutage nicht, worauf er*sie sich bei einer solchen Show einlässt? „Also ich habe es auf jeden Fall unterschätzt, ich bin da viel zu naiv reingegangen“, erzählt die Kandidatin. „Gerade die Ausstrahlungszeit war hart. Da bin ich auch mental an meine Grenzen gekommen. Jede Woche sitzt man da und denkt sich, okay, wer bin ich diese Woche? Wie wird man diesmal dargestellt? Was werden die Leute über einen sagen?“

Aus marxistischer Perspektive ist die Sache klar: Fernsehsendungen sind eine Ware. Die Sender und Produktionsfirmen erstellen ein Produkt, das gewinnbringend verkauft wird. Entscheidend ist nicht, ob ein*e Teilnehmer*i…