Geister im Stahlwerk
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Die komplizierte Beziehung zwischen Mensch und Puppe war schon in früheren Stücken von Satoko Ichihara Thema, wie hier in „Yoroboshi: Der Schwächling“ beim Theater der Welt-Festival 2023 in Frankfurt. © Jörg Baumann
Viele Menschen außerhalb Japans denken beim Titel deines Stückes sofort an die Anime-Prinzessin Mononoke. Was war dein Bezug? In Japan wird das Wort „Mononoke“ als Bezeichnung für Geister, Gespenster oder übernatürliche Wesen verstanden. In der Antike konnte es auch „Fluch“ bedeuten. Ich habe mich dafür interessiert, welche Flüche die Menschen heute heimsuchen. Vielleicht unsere Erzählungen selbst? Denn wir können das Unbekannte nicht ertragen. Wir erschaffen Geschichten, um die Welt zu verstehen. Gleichzeitig werden wir von diesen Geschichten beherrscht. Wie Marionetten werden wir von den Erzählungen bewegt, an die wir glauben.
Takako, die Protagonistin deines neuen Werkes, folgt den Worten einer Wahrsagerin zu einer ehemaligen Stahlfabrik. Wie passen Geister und Stahl zusammen? Mein Vater hat selbst in einem Stahlwerk gearbeitet. Die Stahlproduktion spielte eine wichtige Rolle bei der Modernisierung Japans, mittlerweile befindet sich die Branche bekanntlich im Niedergang. Traditionell verehrten japanische Stahlfabriken eine Göttin namens Kanayago. Geschichten über eine Göttin, der an einem Ort gehuldigt wurde, zu dem Frauen historisch gesehen keinen Zutritt hatten, spiegeln die Werte wider, die diese patriarchale Gesellschaft stützen. Seit Langem interessiere ich mich dafür, klassische Mythen und Geschichten aus der Perspektive einer zeitgenössischen Frau neu zu kontextualisieren. Eine Geschichte zu erzählen, bedeutet auch, eine Form von Macht auszuüben. In dieser Arbeit ist Mononoke die Erzählung selbst – und hat kein Geschlecht. &…