Als Modetheoretikerin untersuchst du rechte Kleidungscodes. Als im Sommer eine Pressemeldung zu dem Forschungsprojekt des österreichischen Forschungsfonds, aus dem auch dieses Buch entstanden ist, online ging, gab es von rechten Parteien und Boulevardmedien sofort scharfe Angriffe. Ein Kultursprecher der FPÖ sprach von einer „linken Modepolizei“, einer dekadenten „Polohemd-Studie“ und „linksradikaler Pseudowissenschaft“. Sind diese Diffamierungen Teil der „Fashion Violence“, die du in deinem Buch skizzierst?

Ja, Fashion Violence beschreibt, dass Mode zum einen Mikroaggressionen aussenden kann und diese gleichzeitig verleugnet und bagatellisiert werden. Dass also gesagt wird: „Das ist doch nur ein Kleidungsstück, ein harmloses Poloshirt, was regt ihr euch so auf? Eine staatlich finanzierte Wissenschaftlerin forscht zu banaler Alltagskleidung, fass dir mal an den Kopf!“ All das ist Teil dieses Gaslightings, das auch mit der Mode selbst einhergeht. Da wir dezidiert rechtsextreme Modeproduzent*innen untersuchen, die Labels mit entsprechenden Codes und Hassbotschaften herstellen, ist es auch eine Diffamierungskampagne gegen Rechtsextremismusforschung.                         

Inwiefern kann rechte Mode – im Buch auch „Fascion“, als Verbindung von ­Fashion und Fascism – überhaupt Gewalt ausüben? Mode ist an sich schon historisch mit Gewalt und Ideologie verbunden, indem sie immer wieder Klassen und Geschlechter herstellt, Race formiert, In- und Outgroups voneinander abgrenzt etc. Schon 1973 erklärte der Vordenker der Neuen Rechten, Armin Mohler, in seinem Essay „Der faschistische Stil“ diesen zum ästhetischen Leitbild. Extrem rechte Mode basiert heute auf der Sprache von Jugend- und Subkulturen. Sie stellt Gesellschaft als ständige Kampfzone dar, für die man sich aus- und aufrüsten muss. Das funktioniert auf der einen Ebene durch „Street Battles“, für die die Grundgarderobe aus den eigentlich Schwarz und migrantisch geprägten Street Styles angeeignet wurde. Die andere Ebene rechten Powerdressings ist die des Klassenkampfs von oben, z. B. ein Maximilian Krah, der sich als Dandy mit Einstecktuch inszeniert.    &…