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Ich habe einen Roman geschrieben. Es ist ein unglaublich intensiver Prozess, furchteinflößend und immer auch ein bisschen metaphysisch: auf der Idee herumdenken, eine Handlung aneinanderreihen, Figuren formen, zusehen, wie Stück für Stück eine Geschichte daraus wird. Und dann diese Geschichte aufschreiben. Ich zähle mich zu den Top Ten der weltweiten Glückspilze, weil ich das beruflich machen darf, so richtig mit Vertrag und Bezahlung und einer Kolleg*innenschaft voller Menschen, die ebenso klug wie herzlich, ebenso interessant wie interessiert sind. 

Aber genau hier liegt auch ein Problem. Und damit ich mich wieder voll und ganz auf die Schönheiten meines Berufs konzentrieren kann, möchte ich mich über dieses Problem an dieser Stelle ein für alle Mal ausgiebig beschweren. 

Literatur ist eine Kunst und gleichzeitig eine Sparte der Unterhaltungsindustrie. Das kann ich grundsätzlich akzeptieren. Ich denke nicht, dass sich diese Dinge gegenseitig ausschließen, und solange der Kapitalismus noch nicht Geschichte ist, müssen sich unsere Geschichten verkaufen. Womit ich aber überhaupt nicht gut leben kann, ist: Es müssen sich nicht einfach nur alle Geschichten einigermaßen gut verkaufen, damit wir alle halbwegs überleben. Damit ich diesen Beruf, den ich so sehr liebe, weiter ausüben kann, müssen sich meine Geschichten besser verkaufen als die von anderen. 

Das führt regelmäßig zu Momenten, in denen ich, wie die Kids sagen, Crashout gehe. Und da es eine schöne Tradition geworden ist, in dieser Kolumne mein Innerstes nach außen zu kehren, will ich diese Momente nicht verheimlichen. Ich will z. B. nicht verheimlichen, dass mein Roman in der gleichen Woche erschien wie das inbrünstig erwartete Zweitwerk einer unglaublich erfo…