Illustration in Rosa-, Orange- und Rottönen: links stapeln sich Gesichter mit unterschiedlichen Frisuren zwischen Sternen, rechts halten zwei große Hände ein Baby, daneben schwebt eine Schere.
© Sàra Král

„Wie gefällt euch meine neue Frisur?“, fragt meine Schwiegermutter und schickt ein Foto von ihrem frischen Wolf Cut. Die Inspiration: E. R. Fightmaster. Der Familienchat reagiert sofort mit Herzchen, Flammen-Emojis und begeisterten Kommentaren. 

Seit meine Frau und ich letzten Sommer geheiratet haben, habe ich vier Schwiegermütter. Unser Familienchat ist voller Lesben: meine Frau und ich, ihre Mutter, deren erste Ex, zweite Ex und deren heutige Partnerin. Wer wer ist, das müssen wir unseren hetero Freund*innen meist fünf bis sechs Mal erklären.

Während ich selbst lange keine lesbischen Vorbilder hatte und queere Community mit Mitte zwanzig fand, ist meine Frau damit aufgewachsen, dass auf Autofahrten die Musik von lesbischen Ikonen wie den Indigo Girls und Melissa Etheridge lief. Als Baby hielten Dragqueens sie auf dem Arm, als Kleinkind sprang sie auf Pride-Veranstaltungen herum. Sie ist second generation queer, eine Nepo-Lesbe sozusagen, und mit der Erfahrung groß geworden, dass sich Familie nicht über Biologie oder romantische Beziehungen definiert, sondern über Menschen, die füreinander Verantwortung übernehmen. 

Dass ich nun Teil dieser queeren Familie sein darf, hat einiges verändert: Plötzlich kann ich mir ausmalen, wie mein Leben als ältere Lesbe aussehen könnte. Wenn meine Frau und ich darüber sprechen, selbst Kinder zu bekommen, fühlt sich das heute greifbarer an. Nicht, weil der Weg unkompliziert wäre – schließlich ist Elternschaft für lesbische Paare in Deutschland weiter…