© Julia Runggaldier

Lange war ich ein Reality-TV-Snob. Nach einem Schulreferat über ungerechte Arbeitsbedingungen in Formaten wie „Mitten im Leben“ empfand ich sogenanntes Trash-TV als ethisch verwerflich. Doch als Schwarzer Serien-Nerd sehne ich mich nach Geschichten, die nicht nur weiße Menschen in den Mittelpunkt stellen. Ein TikTok-Video, in dem ein Teilnehmer die Schwarze „Love Island“-Kandidatin Olandria Carthen umwarb, machte mich neugierig. Wir beide waren von ihr verzaubert.

In der Reality-TV-Datingshow „Love Island“ (LI) finden sich Heteropaare zusammen, die auf die große Liebe hoffen – oder auf 100.000 Dollar Preisgeld und Ruhm. In einer Gesellschaft, die die alleinstehende Cat Lady verteufelt, überrascht es kaum, dass Datingformate das Singledasein als größte Gefahr darstellen. Dabei ist im Patriarchat für Frauen die Paarbeziehung mit einem Mann das Bedrohlichste. In „Prominent getrennt“ schüttete der selbsternannte „maskuline Mann“ Aleks Petrović seiner Exfreundin Vanessa Nwattu Sekt ins Gesicht und warf eine Glasflasche vor ihre Füße. Sie erlitt Verletzungen und eine Panikattacke. Auch bei „LI USA“ führten zerbrechliche Männeregos zu abwertenden Kommentaren und emotionaler Manipulation. Ein Kandidat nannte seine Partnerin „Großmutter“, weil sie noch nicht zu körperlicher Intimität bereit war, und wertete zugleich Frauen auf, die Männern geben, was ihnen vermeintlich zustehe. Die Incel-Rhetorik der Mannosphäre macht auch vor solch…