Was ist das „echte“ Leben?
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Gegen Ende des Romans ziehen sie ein vorläufiges Resümee: „Wenn man diese Liste betrachtete, wirkte es so, als hätten wir ein echtes Leben in der Stadt – es gab Orte, an die wir gehen konnten, Menschen, die wir treffen konnten.“ Haben sie es also „geschafft“, in dieser Stadt, in ihrem Alter? Seit etlichen Jahren wohnen Asya und Manu in einer beliebten, im Roman namenlos bleibenden Metropole. Beide kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken der Welt, haben sich den neuen Wohnort aber zur Heimat gemacht. Zumindest hofft Asya dies, die nicht aufhören kann, ihr eigenes Dasein unter die Lupe zu nehmen, es immer wieder auf seine Wahr- und Sinnhaftigkeit abzuklopfen. Eine gewisse Unwirklichkeit liegt in diesem Zustand zwischen zwei Lebensphasen.
Asya ist die Ich-Erzählerin in Ayşegül Savaş’ drittem Roman „Die Anthropologen“, in dem sie in kurzen Vignetten ihren Alltag schildert. Als Dokumentarfilmerin beschließt sie, in einem nahe liegenden Park die kleinen Momente, die Routinen der Menschen einzufangen, und macht somit auf gewisse Weise das, was Savaş auch tut – mit anthropologischer Neugier das „langsame Schwinden eines planlosen Tages“ festhalten. Der Charme des Buches besteht in diesen stillen Beobachtungen; kein leichtes Unterfangen, denn wie Asya weiß, ist es „ziemlich schwierig“, den Alltag zu erzählen.
Savaş, die 1986 in Istanbul geboren wurde, in der Türkei, England und Dänemark aufwuchs und in Paris lebt, weiß um die Fragilität von Zugehörigkeit, auch wenn der Lifestyle ihrer Expat-Figuren mit Privilegien verbunden ist. Asya vergleicht ihren Lebensentwurf mit denen anderer Menschen, um verschiedene Versionen einer möglichen Zukunft zu finden, die sich am Ende …