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Bildstrecke: Charlotte Yonga

Interview: Noémi Shirin Unkel

In ihren Porträts hält die Fotografin Charlotte Yonga Menschen fest, mit denen sie sich auf intime Weise verbunden fühlt.

Was möchtest du mit deiner Kunst zeigen?
Schwierig zu sagen, aber vielleicht eine Art der Universalität. Wenn ich es für meine Porträtfotografien in wenigen Worten zusammenfassen müsste, würde ich sagen: die Schönheit menschlicher Wesen in ihrer Singularität und Würde inmitten von Stärke und Verletzlichkeit.

Deine Fotoserie trägt den Namen „Naam Na La“. Was bedeutet dieser Ausdruck für dich?
Ein*e Freund*in und Model von mir aus Sénégal hat mir wörtlich den Wolof-Satz „Naam Na La“ als „J’ai la nostalgie de toi“ („Ich habe Nostalgie nach dir“) ins Französische übersetzt. Das könnte man als „Ich vermisse dich“ verstehen oder als „Ich sehne mich nach dir“. Das erinnert mich an das brasilianische Wort „Saudade“, das ich liebe, denn es ist so etwas wie eine Erinnerung an süße, gemeinsame, vergangene Zeiten. Es hat einen traurigen und gleichzeitig hoffnungsvollen Beiklang.

Visuelle Repräsentationen von Liebe gibt es im Überfluss – was ist besonders an den Ideen von Liebe, die deine Fotos repräsentieren?
Westliche Märchen für Kinder enden immer mit „und dann lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Aber wir sind der Geschichte nie ganz bis zum Ende gefolgt. Liebe wurde immer als ein Aufeinandertreffen zweier Protagonist*innen, ein Mann und eine Frau natürlich, repräsentiert, die aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten hatten, zueinanderzufinden. Der Höhepunkt der Geschichte war dann für gewöhnlich, dass sie endlich zueinanderfanden, wie bei Disney. Aber diese Erzählungen sind für Kinder! Langfristige Liebesbeziehungen sind viel komplizierter. Es braucht komplexere, realistischere visuelle Narrative über die Liebe. Harmonisch zu lieben, zu leben und zusammenzubleiben sind für mich nach wie vor schwierige Unterfangen. Mit diesem Projekt möchte ich Menschen und Liebessymbole festhalten, mit denen ich mich auf intime Art verbunden fühle, wie: unaufdringliche Schönheit, Gefühlsbezogenheit und Bescheidenheit, Empfindlichkeit und Stärke, alles zur selben Zeit. All dies sind Qualitäten, die die Menschen auf den Fotos – in diesem Falle meine Freund*innen und Bekannten aus Sénégal – schon haben.

Missy Magazine 06/22, Bildstrecke
© Alexis Olin

Die Bildstrecke erschien zuerst in der Missy 06/2022