Liebe Leser*innen,

wir haben bei Missy ein neues Prinzip für das Editorial: Wir Redakteur*innen schreiben es im Wechsel. Das Los hat entschieden, dass ich anfange. In unserem Team ist viel in Bewegung. Unsere liebe Kollegin Joanna hat sich verabschiedet. Alles Gute! Wir werden dich vermissen.

Auch diese Ausgabe ist wieder voll mit Entwicklungen, die uns umtreiben, und so geht es schon im Kulturteil um Faschismus. Zum Glück aber ebenso um die Frage, warum hetero Frauen schwule Liebesserien abfeiern. Unser Essay widmet sich Feminist*innen in Iran – heute, am 23. Februar, ist nicht klar, was dort in ein paar Wochen sein wird. Auf dem Cover zeigen wir TV-Star Minh-Khai Phan-Thi. Die Zusammenarbeit war für alle extrem schön! Danke <3

Ich will hier noch ein Thema aufgreifen, das in dieser Ausgabe sonst nicht vorkommt, aber doch so viele FLINTA dieser Tage quält: Die Bilder von Epstein sind überall in unseren Insta-Feeds. Das Verbrechen an Gisèle Pelicot ist dank ihres Buches wieder in der Presse. Ich lese von zwei Journalist*innen aus Kanada, die geprüft haben, ob der Fall auch bei ihnen möglich wäre: Sie posteten das Bild einer schlafenden Frau auf einer Dating-Plattform und gaben sich als ihr Partner aus, der sie betäubt hat und zur Vergewaltigung anbietet; innerhalb von 48 Stunden meldeten sich mehr als hundert Männer. In München steht gerade ein Student vor Gericht, der seine Freundin ebenfalls mehrfach betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt hat. Er ist Teil eines internationalen Netzwerks. Das alles ist zutiefst schockierend – aber es ist nicht überraschend.

Unsere vermeintlich aufgeklärte Kultur baut auf der Verdinglichung von Frauen auf. Trump wurde trotz Sprüchen wie „Grab them by the pussy“ gewählt. Mindestens jede vierte Frau in einer Hetero-Beziehung in Deutschland erlebt sexualisierte Gewalt durch den Partner. Fast jede dritte Frau wird auch heute noch am Arbeitsplatz belästigt – die wenigsten sprechen darüber, zu oft wird ihnen nicht geglaubt.

Diese Vergewaltigungskultur passt in ein kapitalistisches System, in dem all das abgewertet und ausgebeutet wird, was als weiblich gilt: Tätigkeiten der Fürsorge, Emotionalität.

Nur eines macht Hoffnung: Patriarchale Gewalt ist heute sichtbarer denn je und das liegt an den feministischen Kämpfen.

Lasst uns noch wütender werden.

Eure Carolin

Aufschlag

Inklusiver Journalismus. Menschen mit Behinderung sind im Journalismus stark unterrepräsentiert. Das Wiener Magazin „Andererseits“ will das mit einer inklusiven Redaktion ändern und Journalismus gerechter machen.

Lieblingsstreberin: Ulana Khomyuk. Die Physikerin Ulana Khomyuk aus der Miniserie „Chernobyl“ ist fiktiv, steht aber für sowjetische Wissenschaftler*innen, die zur Aufklärung und Eindämmung der Katastrophe beitrugen.

Work Work Work: Fahrradmeisterin. Die Fahrradmeisterin Lana Weisbach gründete eine FLINTA-Fahrradwerkstatt und ist Teil des RADau-Kollektivs in Marburg. Was ihr Lieblingswerkzeug ist und was sie macht, wenn sie nicht schraubt.

Kultur & Gesellschaft

Hä? Was heißt denn Agender? Unser Glossar gegen die Panik vor Wörtern. Diesmal: Agender.

Hype um „Heated Rivalry“. Die queere Serie „Heated Rivalry“ über zwei Hockeyspieler hat einen Boys-Love-Hype ausgelöst – vor allem bei hetero Frauen. Was macht schwule Romanzen für sie so attraktiv?

Interview mit Eva von Redecker. Die politische Rechte eignet sich Begriffe an, die ihr nie gehörten. Ein Interview mit der Philosophin über den Begriff des Faschismus, historische Vergleiche und ihr neues Buch „Dieser Drang nach Härte“.

Kinderwunschpanik. Was, wenn die Zeit abläuft? Yade Yasemin Önder schreibt in ihrem neuen Roman „Anti-Müller“ eindringlich, lustig und aufwühlend über eine Frau, die für den Wunsch nach einem Kind über Grenzen geht.

Das neue Graphic Novel „Kaputt“ von Alison Bechdel. Die Namensgeberin des Bechdel-Tests zeichnet mit „Kaputt“ einen humorvollen Comic über queeres Überleben im Kapitalismus, spezifisch in den USA unter Trump.

Von der Schönheit Faschisten zu töten. Kann Selbstjustiz die Antwort auf totalitäre Gewalt sein? Die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik sucht in „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ am Schauspielhaus Bochum nach Antworten.

All Eyes On: Arang Choi. Die Künstlerin Arang Choi erschafft surreale Traumwelten und vermischt Menschen, Tiere, Pflanzen und andere Wesen.

Politik & Protest

Staatsfeind*in Nr. 1. Antifaschist*in Maja T. sitzt seit über 600 Tagen in Budapest in Isolationshaft. Ohne Beweise zu acht Jahren Haft verurteilt, begleitet Meriém Strupler den ungarischen Schauprozess und den deutschen Justizskandal.

Organisiert gegen Gewalt. Feminizide, Folter, Ausbeutung – die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez ist bekannt für Gewalt. Doch gerade hier betreiben Sexarbeiter*innen ein selbstverwaltetes Haus, um sicher arbeiten und leben zu können.

Feministische Bewegung in Iran. Schon in den 1970er-Jahren stellten sich Frauen in Iran mutig gegen systematische Unterdrückung. Trotz der immer tödlicheren Gewalt des Regimes lassen sie sich auch heute nicht zum Schweigen bringen.

Titelstory

Von Viva bis „Doppelhaushälfte“ – Schauspielerin Minh-Khai Phan-Thi im Missy-Interview. Missy-Autorin Nhi Le und unser Titelstar Minh-Khai Phan-Thi kennen sich aus der vietnamesisch-deutschen Community. Ein Interview über politisches Engagement, deutsches Fernsehen und die Erfolgsserie „Doppelhaushälfte“.

Themenschwerpunkt: Menopause

Vom Tabu- zum Trendthema: Es wird immer mehr über die Wechseljahre geredet. Aber wie? Und warum gibt es zwar zig Produkte, aber trotzdem so viel Unwissen und so viele Stereotype, die sich hartnäckig halten? Ist die Menopause Erfindung, Verfall, Erlösung oder einfach eine Phase? Auf den folgenden Seiten geht es um all diese Fragen, aus soziohistorischer, medizinischer und persönlicher Perspektive.

Die Menopause als erfundene Krise. Frauen in den Wechseljahren wurden früher als Hexen und Mangelwesen gesehen, ihre Lebensphase als „kritisches Alter“. Wie kehren alte Feindbilder in neuen Menopause-Narrativen wieder und wem nützen sie? Eine soziohistorische Einordnung der Narrative.

Die Wechseljahre kommen selten allein. Endometriose, Transition, spätes Gebären, chronische Erkrankung: Die Menopause bedeutet nicht für alle dasselbe. Missy-Autor*innen berichten von ihren Erfahrungen.

Wie die Medizin die Menopause übersieht. Individuelle Menopause-Beratung müsste endlich ­Standard sein, sagt die Gynäkologin und Podcasterin Mandy Mangler. Ein Gespräch über patriarchale Medizin, Hormontherapie und Sex im Alter.

Doppelkinn und Schweißgeruch. Niemand spricht über die Menopause. Außer die ultrakapitalistischen Influencerinnen, die Frauen über vierzig alles Mögliche andrehen wollen. Jacinta Nandi fragt: Wie würden die Reels aussehen, wenn Wechseljahre wirklich kein Tabu mehr wären?

Sex, Körper & Style

Über Trauer und Eskapismus. Der plötzliche Tod ihrer Mutter reißt unsere Autorin aus dem Alltag. In ihrer Trauer sucht sie anonymen Sex.

Fibromyalgie – der rätselhafte Faser-Muskel-Schmerz. Unsere Autorin hat Fibromyalgie. Sie erzählt von ihrer jahrelangen Suche nach einer Diagnose – und fragt sich, als es ihr besser geht, ob sie die oft verkannte Krankheit geknackt hat.

Styleneid: diehuepsche. Creator*in diehuepsche trägt am liebsten nur Schwarz und feiert Handtaschen, die wie Baguettes und Frösche aussehen. Was ist ihr Style-Geheimnis?

Genderneutrale Skin Care. Immer mehr Kosmektikprodukte setzen auf Nonbinarität. Werden wir dadurch gleichberechtigter oder noch gestresster?

Edutainment

Queerfeministischer Punk. Deutsche Laichen liefern mit ihrem neuen Album queerfeministischen Punk und zeigen dem Mackergehabe aus der Szene den Mittelfinger.

Musiktipps 02/2026. Neue Musik für das Missyverse.

Kristen Stewarts Regiedebüt. Mit „The Chronology Of Water“ verfilmt die berühmte Schauspielerin das Memoir der Schriftstellerin Lidia Yuknavitch und macht Trauma, Begehren und Selbstermächtigung spürbar.

Filmtipps 02/26. Die aktuellen Kinostarts von Missy rezensiert.

Das Leben vor dem Tod. „Long Story Short“ von Bojack Horseman-Macher Raphael Bob-Waksberg begleitet eine jüdisch-amerikanische Familie über drei Generationen: durch komische wie tragische Situationen und die Corona-Pandemie.

xoxo, the Missy CEO. In jeder Ausgabe gibt Ulla Heinrich, Geschäftsführer*in, einen Einblick hinter die Kulissen: Was bewegt uns gerade?

Das große Schweigen. Muri Daridas Debütroman „King Cobra“ erzählt von einer Familie zwischen Deutschland und Ungarn – vor allem aber von den Geheimnissen der Vergangenheit, die über der Gegenwart schweben.

Literaturtipps 02/26. Unsere aktuellen Leseempfehlungen.

Comictipps 02/26. Unsere aktuellen Leseempfehlungen.

Musik, die brennt. Klasse, Rassismus, Polizeigewalt – die Musik der Rap-Crew RAPK aus Berlin- Kreuzberg geht dahin, wo es wehtut.

Giulia Andreanis „Sabotage“ im Hamburger Bahnhof. Sie malt die vergessenen Fabrikarbeiterinnen, Wäscherinnen, alleinerziehende Mütter der Geschichte in nur einer Farbe – in präzisem Grau.

Boyfriend Testing. Heterofatalistischer Content hat die Timeline von Missy-Kolumnistin Özge İnan erreicht. Taugt er etwas?

Weitere Hefte

  1. Magazin 01/2026

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