Magazin 06/20

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Liebe:r Leser:in,

während wir dies schreiben, herrscht große Unsicherheit, wie sich die nächsten Wochen, geschweige denn dieser lange Winter gestalten werden. Wir schicken die letzte Ausgabe des Jahres also in eine gar nicht so ferne, dafür umso ungewissere Zukunft und hoffen, sie trifft euch so gut vorbereitet und gelaunt wie möglich an. Denn ganz neu fühlt sich dieser Moment nicht an, eher wie ein Vorbote von etwas, das wir schon kennen.

Ganz ähnlich funktioniert auch der Sinn, dem wir uns in unserem Duft-Dossier widmen. Düfte kündigen Dinge oft an, bevor wir sie sehen. Das kann auf Anhieb gute Gefühle hervor- rufen, aber genauso schnell auch schlechte. Eben deshalb macht es Sinn, Geruchsvorurteile zu hinterfragen. Unser Motto: Wir halten die Nase in den Wind und bleiben offen für Neues! Mit Maske, klar.

Wir wissen nicht, wie 2021 wird. Aber feministisch wird’s bestimmt! Unterstützt uns dabei mit einem Abo oder sichert euch einen Missy-Kalender.

Kommt gut ins neue Jahr! Eure Missys

Dossier: Der Nase nach!

Warum „stinkt“ grellpinke Flüssigseife aus dem Discounter angeblich aufdringlich, aber blasser Schaum im teuren Apothekenlook „duftet“ dezent? Wie kann so etwas banales wie Bratwurstgeruch Zugehörigkeit markieren? Verändert sich Körpergeruch während der Einnahme von Hormonen? Was hat der Eisprung mit der Nase zu tun? Und wieso nur riecht auf einmal das ganze Jahr nach Weihnachten? In unserem Duft-Dossier gehen wir dem vermeintlich Flüchtigen nach.

Klassismus stinkt! Der Geruch des Geldes möchte möglichst neutral sein, während Arbeiter*innendüfte grellbunt und peinlich sind? Das stinkt zum Himmel, findet unsere Autorin. – S. 52

Pheromona trifft Testosteronny: Unsere Autorin wagt den Blick in die cisnormative Mottenkiste der Populärwissenschaft und erfährt dort: Es gibt Tage im Zyklus, an denen Frauen animalisch gut riechen. Mythisch! – S. 55

Deutsche Würstchen: Auf der Suche nach prägenden biografischen Gerüchen landet unsere Autorin nicht bei den frischen Poğaca ihrer Oma, sondern in einem Schnellimbiss in Köln und fragt sich: Wieso riecht das Versprechen von sozialer Teilhabe nach Bratfett? – S. 57

Ebergeruch: Wenn sich im Laufe einer Transition der eigene Geruch verändert, kann das irritieren. Gerade Körpergeruch und Körperpflege sind stark gegendert. Aber was heißt das eigentlich? – S. 61

365 Tage: Zimt, Kardamom, Nelken: Die Klassiker unter den Weihnachtsdüften haben sich mittlerweile auch im Globalen Norden ganzjährig etabliert – das Weihnachtsgeruchsmonopol wird langsam, aber sicher zersetzt. Und das ist gut so!

Titel: SHYGIRL – Morpht den Dancefloor!

Im Inneren der Lavalampe: Die Multimediamusikerin Shygirl morpht sich ungehemmt durch Genres und Identitäten: Sie ist mal Mean Girl, mal Animal Crossing Avatar, und in Musikvideos mit Sex- Club-Atmo erinnert sie uns an Zeiten, in denen Aneinanderkleben ein Gebot war. – 46

Aufschlag:

Banden bilden: Wissen Teilen! Das Gynformation-Kollektiv sammelt Empfehlungen für Gynäkolog*innen, die ihre Patient*innen im Wunsch nach medizinischer Selbstbestimmung unterstützen. – S.12

Lieblingsstreberin Devi Vishwahkumar – S. 13

Konsumfail Billo-Mens-Slip – S. 13

Work Work Work Die Programmiererin – S. 14

Hä? Was heißt den Flint? – S. 15

Kultur & Gesellschaft:

Zärtlichkeit im Detail: Im Kinofilm „Neubau“ spielt Tucké Royale einen jungen trans Mann, der sich zwischen der brandenburgischen Uckermark und Berlin nicht entscheiden kann: klischee- und konfliktfrei und ganz selbstverständlich. – S. 17

Gamechanger: Starke, unbequeme Frauen, lesbische Liebe und ein trans Charakter: Das Spiel „The Last Of Us II“ ist der Albtraum reaktionärer Gamer. – S.20

Knäuel auf Gewohnheiten: In Paulina Stulins „Bei mir zuhause“ geht es ums Alltägliche – und doch erzählt ihre Graphic Novel von mehr als der Wiederholung eingefahrener Routinen. – 22

Rolle vorwärts: Atmen, Schwitzen, Spucken. In Mette Ingvartsens neuer Performance tanzen Nackte mit LED-Lampen und hinterfragen dabei, wie Technologie und Kapitalismus unsere Körper beeinflussen. – S. 24

Politik & Arbeit:

Die Vögel singen: Saubere Luft für alle! Unsere Autorin weiß, warum die Verkehrswende auch ein queerfeministisches Anliegen und bitter nötig ist – und wie eine Zukunft danach aussehen könnte. – S. 33

Girls in the yard: Vom Trainbombing bis zur legalen Wandmalerei und Straßenkunst: So vielfältig wie die Ausdrucksformen ist die Genderrepräsentation in der Graffitiszene leider nicht. Dabei waren Frauen von Anfang an dabei. – 36

Dröhnende Stille: Nach der verheerenden Explosion in Beirut waren es vor allem Frauen, die unter den Folgen litten. Aber es sind auch maßgeblich Frauen, die in dem krisen­ geschüttelten Land Hilfe für sich und andere organisieren. – 40

Mode & Machen:

Styleneid: Michaela Dudley – S. 65

Nur ein paar bunte Pixel? Was klingt wie ein futuristischer Marketing-Gag, ist in der Mode längst Realität: Kleidung, die sich nur virtuell tragen lässt. Ist Digital-Only-Mode die Lösung aller Fast-Fashion-Probleme? – S. 66

Sex & Körper:

Think before you kink: Unsere Autorin ist Schwarz und Sexworkerin, die auch BDSM- Services anbietet. Dass Kund*innen dabei regelmäßig Sklav*innen sein wollen, ist Standard. Die Reflexion über den Zusammenhang mit Ausbeutung nicht. – 71

Weitergehen: Kein Allheilmittel und mit Privilegien verbunden: Für unsere Autorin ist Wandern trotzdem die beste Möglichkeit, um bei einer Depression zu sich zu finden. – 72

Edutainment:

Musik: Honig-Salz-Popcorn. Die Berlinerin Albertine Sarges ist als Musikerin in diversen
Bands Vollprofi auf Live-Bühnen. Pandemiebedingt hatte sie nun Zeit, ihr Soloprojekt anzuschieben – mit Beat und Querflöte. – S. 75

Musikrezensionen – S. 76

Now & Then: Rosa Anschütz über Sioxsie Sioux. – S. 79

Typenparade: Im Sturm erobert. Tokio Hotel waren schon bei ihrem Durchbruch vor 15 Jahren zu camp für die Normalo-Jugend. Jetzt haben sie ihren Hit „Durch den Monsun“ neu produziert. – S. 80

Film: Mongolia’s Got Gold. Im Familiendrama „Die Adern der Welt“ schildert Regisseurin Byambasuren Davaa, wie internationaler Rohstoffabbau lokale Gesellschaften zerstört. – S. 83

Serien: Zerstörend. Gut. Zur Erstausstrahlung überschlugen sich Kritiker*innen vor Lob: Die Dramedy „I May Destroy You“ über Konsens und Trauma wurde einstimmig zur Serie der Stunde gekürt. – S. 84

Literatur: Archäologischer Supercoup. Was passiert, wenn Israelis auf einmal Tunnel in die palästinensischen Gebiete graben statt umgekehrt? Antworten liefert Rutu Modan in ihrer verblüffend unterhaltsamen Graphic Novel. – S. 89

Typenparade: Der richtige Name In seinem Memoir berichtet der Aktivist Linus Giese von

Kunst: Enttäuschung als Neuanfang. Anna Jehle und Juliane Schickedanz leiten seit Januar die Kunsthalle in Osnabrück – als Doppelspitze mit feministischem Anspruch. – S. 95

Kolumne: Mehr ist mehr. Unsere Autorin plädiert für Maximalismus: Nippes und Tand sind in schwierigen Zeiten die Seelentröster schlechthin. – S. 98