Magazin 04/20

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Liebe:r Leser:in,

so hatten wir das nicht gemeint, als wir uns wieder mehr Theater gewünschten! Was sich gewisse heimatverbundene Minister und Medien in den letzten Wochen an Diskursverrenkungen und -verschiebungen geleistet haben, ist zwar bühnenreif, aber nicht wirklich sehenswert. Viel wichtiger ist der eigentliche Kontext, in den sich die viel diskutierte „taz“ -Kolumne von Missy-Redakteur*in Hengameh Yaghoobifarah stellt: Weltweit wird die langjährige Kritik an rassistischer Polizeigewalt nun so laut, dass viele sie nicht mehr bequem ignorieren können. In diesem Sinne: Solidarität mit Hengameh! Bleiben wir ungemütlich.

Unsere aktuelle Ausgabe mit Coverstar Nura enthält einem großes Dossier über Sucht, Stigma und Sober-Sein, Texte über Literatur von Ronya Othman und Musik von Denai Moore, eine Reportage über Abtreibungsgegner:innen im Erzgebirge und vieles mehr.

Dossier: Drug the System!

Wie hältst du’s mit den Drogen? Eine weltweit repressive Drogenpolitik macht auch diese Frage zu einer politischen. Ein Dossier über Stigmata gegen konsumierende Frauen, trippy Klischees in der Popkultur, Racial Profiling und Sex – nüchtern oder high.

Achtung, Süchtige! Weltweit erfahren drogenabhängige Frauen viel Gewalt. Das liegt an der repressiven Drogenpolitik – aber auch an religiösen und kapitalistischen Idealen. Von Maike Brülls. S. 54

Nebelschwanger Rauchen in der Schwangerschaft gilt nach wie vor als Tabu. Doch wie umgehen mit der Sucht? Ein Erfahrungsbericht. Von Ayşe Çınar. S. 56

Sex, Drugs & Gangsterrap In der Popkultur spielen Drogen eine Schlüsselrolle. Dabei ist das Thema anfällig für Klischees, bietet aber auch Überraschungen, wie Beispiele aus der Missy Redaktion zeigen. S. 58

Kein Angebot ohne Nachfrage In der Drogenpolitik spielt die Verschränkung von Rassifizierung und Kriminalisierung eine große Rolle. Die Aktivistin Céline Barry wünscht sich mehr Solidarität – innerhalb der Schwarzen Community und im Kontext von Partykultur. Ein Interview von Dominique Haensell. S. 60

Just say no? Sex und Drogen gehören für manche einfach zusammen, andere praktizieren lieber Sober Sex: Nicht zuletzt wegen der Frage nach dem Konsens unter Drogeneinfluss scheiden sich bei diesem Thema die Geister. Von Bettina Wilpert. S. 63

Titel: Nura – es ist wieder Rap!

Die Stimme von unten Nura startete 2014 als Teil des Rap-Duos SXTN durch. Letztes Jahr veröffentlichte sie ihr erstes Soloalbum „Habibi“, das zweite ist in der Mache. Zwischendurch hat sie auch noch Zeit gefunden, eine Autobiografie zu schreiben. Auf den Spuren einer Rastlosen. Von Bahar Sheikh. S. 46

Aufschlag:

Banden Bilden Homo-Office. Unsere Autorin lebt (manchmal) in einem schwulen Paradies. Und auch während der Kontaktbeschränkungen achteten die Mitbewohner:innen auf individuelle Bedürfnisse. Von Merle Groneweg. S. 12

Lieblingsstreberin Eve Polastri, S. 13

Konsumfail Gleitgel, S. 13

Work Work Work Die Schmuckdesignerin, S. 14

Hä? Was heißt denn Hufeisentheorie? S. 15

Kultur & Gesellschaft:

Das Dorf in mir Ronya Othmanns Debütroman „Die Sommer“ spielt inmitten der kurdischen Landschaft in Nordostsyrien, Rojava. Sie erzählt darin eine Geshcichte von Zerissenheit, Ohnmacht und Identität. Von Azadê Peşmen. S. 17

„Nina Simone ist Gott“ Ijeoma Umebinyuos Lyrik erzählt von den Leben Schwarzer Mädchen und Frauen, von Traditionen und Trauma, Rassismus und Repräsentation. Ein Interview von Charlotte Milsch. S. 20

Die Wände einreissen“ Anlässlich ihres neuen Albums spricht die britisch-jamaikanische Musikerin Denai Moore über Weltschmerz, Genrelosigkeit und Strategien gegen Kontrollverlust. Von Lisa Tracy Michalik. S. 24

Rolle Vorwärts „Wir wollen nicht führen“. Ab Sommer 2020 leitet erstmals ein rein weibliches Kollektiv die Gessnerallee in Zürich. Im Interview sprechen die drei über ihre Visionen für den Theaterbetrieb von morgen. Ein Interview von Ulla Heinrich. S. 26

Politik & Arbeit:

Real Talk Schuften im Schweinestaat. Egal, ob in der Pflege, auf Schlachthören oder in der Landwirtschaft: Die Arbeitsbedingungen für Arbeitsmigrant:innen aus EU-Ländern sind in Deutschland durchweg schlecht. Von Hannah Schultes. S. 37

Feminist Wasteland Der Erzgebirgskreis besitzt kein Frauenhaus. Im „sächsischen Bible Belt“ werden Themen von evangelikalen Christen, Ultrakonservativen der CDU und rechten Bewegungen besetzt. Feministischer Aktivismus hingegen hat es schwer. Von Jessica Ramczik. S. 40

Mode & Machen:

Unfair Fashion Wegen der Corona-Krise haben viele Textilmarken ihre Bestellung storniert. Die Einstellung der Produktion, u.a. in Bangladesch und Sri Lanka, geht auf Kosten der bereits unterbezahlten Textilarbeiter:innen. Von Helena Buchholz. S. 68

Styleneid Merve Çelikyurt, S. 67

Sex & Körper:

Wer küsst wen Unsere Autorin beklagt, wie internalisierte Hetencodes das Lesbendating verwirren. Von Florine Pfleger. S. 73

Gesund machen, krank bleiben Mit der Pandemie wurde die Sorge vor Überbelastung im Gesundheitssystem laut. Dabei waren Burn-outs hier schon lange an der Tagesordnung. Von Sabina Schwachenwalde. S. 74

Edutainment:

Musik: Mutation als Superkraft Gebrochene Akkorde, ausgefranste HipHop-Beats und Björk: Die venezolanische Produzentin Arca vereint in ihrer Musik Extreme und zelebriert Nonbinarität als Lebenseinstellung. Von Sonja Ella Matuszczyk. S.77

Musikrezensionen, S. 78

Film: „Gaffer!“ Lucrecia Martels Film „Zama“ entlarvt das kolonial-männliche Herrschaftssystem als kuriose Farce, ohne dabei dessen Brutalität zu verharmlosen. Von Dominique Haensell. S. 83

Serien- und Filmrezensionen, S. 84

Serien: Wer will nicht beliebt sein? Die südafrikanische Serie „Blood&Water“ erzählt so eindrücklich von den Rivalitäten junger Mädchen, dass das Ausgangsthema untergeht: Menschenhandel. Von Josephine Papke. S. 84

Literatur: Frau in Nahaufnahme Jhumpa Lahiris erster italienischsprachiger Roman „Wo ich mich finde“ erzählt in minimalistischer Form über flüchtige Beziehungen und subtile Bindungen. Von Sabine Rohlf. S. 87

Literatur -, Comic -, Zinerezensionen

Now&Then Melanie Garanin über Selma Lagerlöf. Für die Comiczeichnerin war Selma Lagerlöf lange nur die „Nils Holgersson“-Autorin – bis sie ihr Mut machte, als sie ihn brauchte. S. 91

Typenparade: Provinz vollscheißen In seinem Debütroman schickt Sebastian Janata, auch bekannt als Teil der Band Ja, Panik, seinen Helden auf eine Entdeckungsreiche, die ihn lehrt: Das Matriarchat ist für alle Männer das Beste. Von Anna Mayrhauser. S. 93

Kunst: Narben in der Landschaft Soziale und topografische Veränderungne sind das Gerüst für die Werke der nigerianischen Künstlerin Otobong Nkanga – und Anlass, Machverhältnisse und Verteilungskämpfe zu reflektieren. Von Agata Hofrichter. S. 95

Kolumne: Nicht ohne mein Chlorwasser. Unsere Kolumnistin hat im Freibad gelernt zu machen was ihr guttut – das war nicht immer so. Von Nadia Shehadeh. S. 98