Magazin 01/2022

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Liebe*r Leser*in!

Viele Gespenster gehen derzeit um in Europa – eines davon ist der Kommunismus. Nachdem fast ein halbes Jahrhundert der neoliberalen Abrissbirne zu einer depressiven Akzeptanz eines kapitalistischen Realismus geführt hat, werden immer mehr Inseln des Widerstands sichtbar: nicht nur bei einer erfolgreichen Kampagne wie „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“, gegen die jetzt schon die ganz großen juristischen Geschütze aufgefahren werden, sondern auch in einer kleinen Kommune wie Graz. Die steirische Landeshauptstadt, die einst als „Stadt der Volkserhebung“ düstere Bekanntheit erlangte, wird seit November von einer kommunistischen Bürgermeisterin regiert. In unserem Dossier zeigen wir, was die alte Tante Kommunismus seit ihren Anfangstagen dazu- gelernt hat, was sie mit transpositiven Anliegen verbindet und welche Utopien sie für uns bereithält. Geschmückt wird das Ganze von den fantastischen Torten von Commie Cakes – unwiderstehlich!

Und wo wir schon von Geistern und Kommunismus sprechen, beschwört unser Titelstar Fatma Aydemir in ihrem neuen Roman „Dschinns“ auch die der Gastarbeit. In ihrer Reportage zu Post-Ost-Identitäten spürt Silvia Silko den Phantomen ihrer Familie in Polen nach, und eine Austellung im Brücke-Museum beschäftigt sich mit den düsteren Schemen deutscher Kolonialvergangenheit. Neben dem Blick zurück schauen wir auch in die nahe Zukunft: Unsere Chefredakteurin Dominique Haensell verabschiedet sich in die Elternzeit, alles Liebe für dich und euch! Vertreten wird sie von unserer Kollegin Jennifer Beck. Wir freuen uns und hoffen, das neue Jahr fängt auch bei dir gut an!

Aufschlag


Banden Bilden:
Zeit für Ja. Das in Berlin ansässige olala-Kollektiv bietet Workshops für Erwachsene an, um Konsens in allen Lebensbereichen selbstverständlich zu machen. – S. 12

Lieblingsstreberin: Vivi Overbeck – S. 13

Work Work Work: Die Keramikerin – S. 14

Hä? Was heißt denn … White Passing? – S. 15

Kultur & Gesellschaft


Das Gojlaber unterbrechen:
Judith Coffey und Vivien Laumann blicken in ihrem Buch „Gojnormativität“ auf nicht-jüdische (gojische) Dominanzen und Ausschlüsse. Sie liefern damit dringend notwendige Perspektiven im Diskurs um Antisemitismus. Ein Gespräch – S. 17

The Message continues: Londons Jazz-Shootingstar Nubya Garcia über eine Szene, die keine ist, Familienamalgam und ihr „unfeminines“ Instrument. – S. 20

Keine Absolution: Der kolonialismuskritische Leseraum C& Center setzt auf eine Kooperation von Kunst und Wissenserarbeitung. – S. 22

Rolle Vorwärts: Die Befreiung. Schauspielerin Sina Martens und Regisseurin Lena Brasch widmen sich in „It’s Britney, Bitch!“ patriarchalen Beziehungen in Kernfamilie und Showbiz. – 24

Politik & Protest

 

Real Talk „Der Himmel ist blau“: Nicht mehr das, was sie mal waren: Die Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl beobachtet eine Radikalisierung konservativer Parteien. Ein Gespräch über die Krise der CDU, „geistige Bürgerkriege“ und bröckelnde Hegemonie. – S. 33

Reportage: Pierogi, Sehnsucht, Espelkamp. Post-Ost: Als Aussiedler*innenkind weiß unsere Autorin immer noch nicht genau, was Fremdsein eigentlich bedeutet. In ihrer Heimatstadt und ihrem Umfeld hat sie sich auf die Suche gemacht. – S. 36

Titel

 

Keinewahl-Familie: Fünf Jahre sind seit dem Romandebüt der Schriftstellerin und Journalistin Fatma Aydemir vergangen. Nun erscheint ihr Zweitling „Dschinns“: ein Familiendrama über Geheimnisse, Sprachlosigkeit und das Patriarchat. Ein Interview – 45

Dossier: Kommunismus

Liberté, Egalité, Communismé: Antirassistische und feministische Errungenschaften sind im Kapitalismus stets bedroht. Kommunist*innen streben deshalb eine Gesellschaft an, in der die Grundlagen für Rassismus und Patriarchat abgeschafft sind. – 50

Nicht nur Macker: Wir stellen sechs Kommunist*innen vor, die nicht so bekannt sind wie Rosa Luxemburg, es aber sein sollten. – 52

Inseln des Widerstands: Graz fiel schon in den letzten Jahren mit überraschenden Wahlergebnissen auf. Bei den letzten Kommunalwahlen im September wurde die KPÖ stärkste Kraft – und die Stadt bekam mit Elke Kahr ihre erste Kommunistische Bürgermeisterin. – 55

Glücksmaschinen bauen: Ist künstliche Intelligenz nur ein Monster kapitalistischen Wachstums, das uns auffrisst? Unsere Autorin über die kollektive menschliche Intelligenz hinter KI und über die Möglichkeit ihrer kommunistischen Nutzung. – 58

Was zusammengehört: Transgender Studies und marxistische Theorie – im Internet schon längst vereint und jetzt auch im Sammelband „Transgender Marxism“. Ein Gespräch mit den Herausgeberinnen Jules Joanne Gleeson und Elle O’Rourke. – 60

Staunen über das Licht: Stell dir vor, es wäre Acid-Kommunismus. Unsere Autorin begibt sich, inspiriert von Mark Fishers Textfragment, auf einen Trip in eine Welt, die den Kapitalismus überwunden hat. – 62

Sex, Körper& Style


Sex-Kommentar:
Missempfindungen sind eine mögliche Nebenwirkung von Chemotherapie. Wenn man wie unsere Autorin auf Schmerzen steht, eine besonders unerwünschte. – S. 65

Passt so: Unsere Autorin ist Single und findet das weder gut noch schlecht. Warum das Modell der Beziehungsneutralität so befreiend sein kann. – 66

Moodboard: Home Trip – S. 68

Styleneid: Lina Burcu – S. 69

Widerständige Quilts: Wie kann eine Textile Agency gegen sexualisierte Gewalt und Feminzide aussehen? Unsere Autorin spürt stofflichen Protestpotenzialen nach. – S. 70

Edutainment

 

Musik: Auf dem zweiten Album „Glitch Princess“ wagt sich yeule aus dem geschützten digitalen in einen ganz nahbaren Raum aus Shoegaze, Noise und hyperaktivem Pop – das kann wehtun. – S. 73

Musiktipps – S. 74

Now and Then: Schwesta Ebra über SXTN – S. 79

Podcast-Empfehlungen – S. 80

Film: In “Passing” gehen zwei Schwarze Frauen u.a. als weiß durch. Das Verbergen von Wahrheiten setzt dabei zerstörerische Kräfte frei. – S. 81

Serie: Der animierte Star-Trek-Comedy-Ableger „Lower Decks“ nimmt sich dem Sci-Fi-Klassiker hierarchiekritisch an. – S. 82

Filmtipps – S. 82

Literatur: Der Sammelband „Femizide“ bietet einen wichtigen Einstieg ins Thema. Die Aspekte Rassismus, Transmisogynie und Sexarbeiter*innenfeindlichkeit erhalten aber zu wenig Raum. – S. 87

Literatur- und Comictipps – S. 89

Typenparade: In den multimedialen Öl-Wrestling-Performances von Künstler*in caner teker werden hypermaskuline Ausdrucksformen dekonstruiert. – S. 93

Kunst: Evan Ifekoya schafft installative Resonanzräume und „Heilungsorte“ für marginalisierte Gruppen, die über Kunst zum Ansehen und Zuhören weit hinausreichen. – S. 95

Kolumne: Sich neben der Lohnarbeit selbst versorgen? Für unsere Kolumnistin ist das schon mehr Care-Arbeit, als ihr gut tut. – S.98