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Firefly

Prostitution sei immer Missbrauch, argumentieren KritikerInnen. Aber Prostituierte per se zu Opfern zu erklären, stigmatisiert jene, denen geholfen werden soll.

19.11.13 >

Prostitution sei immer Missbrauch, argumentieren KritikerInnen. Aber Prostituierte per se zu Opfern zu erklären, stigmatisiert jene, denen geholfen werden soll.

Von Chris Köver, Stefanie Lohaus, Margarita Tsomou, Katrin Gottschalk

(Dieser Text ist eine Reaktion auf den Kommentar von Volker Zastrow in der FAS vom 17.11.2013 sowie auf den Appell gegen Prostitution der EMMA.)

„Firefly“ hieß eine amerikanische Fernsehserie über ein zerbeultes Raumschiff, das sich durch den weiten Weltraum bewegt, staatenlos, im Widerstand gegen eine fast allmächtige Allianz, die nach einem Bürgerkrieg das Universum kontrolliert. Die Serie von Joss Whedon spielt 500 Jahre in der Zukunft und wurde gefeiert, vor allem auch wegen ihres facettenreichen Frauenbildes, ihres Bildes aller Geschlechter im Grunde. Die Frauen in „Firefly“ sind Schiffsmechanikerinnen, Soldatinnen und Sexarbeiterinnen. Fast alles, was ihnen geschieht, zeugt von Ansehen. Man sieht in dieser Serie fast nur Frauen, die selbstbestimmt, kompetent und jenseits von stereotypen Geschlechterrollen handeln. Entsprechend wird auch über sie, ihre Kompetenzen, ihren Intellekt gesprochen. Sie werden respektiert – und dieser Respekt ist die Voraussetzung für einen gleichberechtigten Umgang miteinander. Wer einer Person auf Augenhöhe begegnen will, muss sie anerkennen und achten.

„Firefly“ ist nur eine Fernsehserie, das Raumschiff Serenity gab es nie wirklich. Aber so wie auf der Serenity Menschen ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihres Begehrens oder ihres Geschlechts ganz verschiedene Rollen annehmen können und für diese geachtet werden, könnte das auch andernorts passieren. Weil es an einer Gesellschaft selbst ist, sich die Regeln zu schaffen, nach denen sie ihr Zusammenleben gestalten will.

Ein erster Schritt in diese Richtung wurde in Deutschland im Jahr 2002 gemacht, als die rot-grüne Koalition ein Gesetz schuf, um die Arbeit von Prostituierten aufzuwerten, zu einer anerkannten Dienstleistung, für die sie sich anmelden, krankenversichern, Steuern zahlen können. Diese Reform hat sich leider als unzureichend erwiesen, weil das Stigma, mit dem der Handel mit Sex besetzt ist, nach wie vor stark ist. Viele Frauen, sie sich für Sexarbeit entscheiden, melden sich lieber als Masseurinnen oder Performance-Künstlerinnen an. Eine Familie, die sich nicht dafür schämen würde, dass die eigene Tochter oder der Sohn Sex verkauft, ist schwer vorstellbar. Vor einem Szenario wie in „Firefly“, eine Gilde angesehener, selbstbestimmter sexueller DienstleisterInnen, sind wir sehr weit entfernt.

Nun hat die Emma einen Appell gegen Prostitution gestartet, die für sie gleichbedeutend ist mit Menschenhandel, eine moderne Form der Sklaverei. Die Verschleppung von Menschen, Mädchen, Frauen zur sexuellen Ausbeutung ist furchtbar, und wir müssen alles dafür tun, um sie zu verhindern. Aber Prostitution mit Menschenhandel gleichzusetzen, wie die Emma dies tut, und so zu tun als sei der Tausch von Sex gegen Geld per se eine Misshandlung, ein Verstoß gegen die Menschenwürde von Frauen, ist der falsche Weg. Denn er stigmatisiert jene noch stärker, die ohnehin schon stigmatisiert sind. Er erklärt alle Frauen, die sich für die Sexarbeit entscheiden, zu Opfern. Dass sie sich noch so artikuliert und selbstbestimmt zu Wort melden und widersprechen, wird ausgeblendet, diese Frauen werden als die privilegierten Ausnahmen für nichtig erklärt. Auch die Behauptung, das neue Prostitutionsgesetz habe Deutschland zu einer „Drehscheibe“ für Menschenhandel gemacht und das Vorgehen dagegen erschwert, ist schwer zu belegen. Fachleute, die Gegenteiliges behaupten, werden in der Debatte nicht gerne gehört – sie stören mit ihrem Hinweis auf fehlende Beweise die Argumentation.

Um all das geht es in dieser Debatte aber ohnehin nicht – oder nur oberflächlich. Sondern um die Frage, ob Sex eine Ware sein kann, eine Dienstleistung wie andere. Die KritikerInnen sind – mal offen, mal verhohlen – der Ansicht: nein. Weil es per se gegen die Menschenwürde verstoße. Weil es Frauen immer entwerte. Und weil wir als Gesellschaft dafür zu sorgen haben, dass Menschen ihre Menschenwürde nicht aufgeben dürften – auch nicht freiwillig. Nur seit wann regelt die Menschenwürde unser Verhältnis zur Sexualität? Wer legt hier für wen fest, wo ihre vermeintlichen Grenzen verlaufen?

Und warum ausgerechnet entlang dieser Linie? Wenn wir uns um die Ausbeutung von Frauen sorgen: Warum verbieten wir nicht die Ausbeutung von Frauen im Niedriglohnsektor? Illegalisieren wir nicht Fernsehformate oder Medien, die Frauen erniedrigen? Warum gestatten wir es, dass öffentlich für Diäten, Schönheitsoperationen und andere Formen geworben wird, in denen Frauen Gewalt gegen ihre Körper ausüben? Oder verbieten es Frauen nicht, unbezahlt ihre alten Angehörigen und Kinder zu pflegen oder den Großteil der Hausarbeit zu verrichten und noch zusätzlich Vollzeit zu arbeiten?

Und wenn wir schon dabei sind: Warum sorgen wir nicht für Gesetze, die MigrantInnen besser schützen, ihnen mehr Recht und damit Optionen einräumen? Wir sprechen von Prostitution als Sonderfall statt allgemein über die Ungerechtigkeiten in einem globalen Arbeitsmarkt, der viele Menschen zwingt, Tätigkeiten in anderen Ländern aufzunehmen, die so unangenehm und gefährlich sind, dass niemand sonst sie ausüben will. Das tun wir, weil immer noch davon ausgegangen wird, dass Sex etwas Heiligeres sei, etwas, das zu verkaufen Frauen auf andere Weise „beschädigt“ als andere Formen von Ausbeutung und sie immer zum Opfer macht.

Niemand muss argumentieren, dass Sexarbeit ein begehrenswerter Beruf sei. Wie oft oder ob überhaupt Frauen und Männer in einer Situation, in der ihnen genug andere zureichende Optionen zur Verfügung stehen, sich für diese Tätigkeit entscheiden würden, das bleibt erst noch zu sehen. Denn dafür müssten wir erst eine Gesellschaftsordnung schaffen, die Menschen nicht aufgrund von Gender, Hautfarbe oder Nationalität marginalisiert. In einer Gesellschaft, die sich selbst respektiert, sollte das eigentlich Standard sein. So lange wir nicht in dieser Gesellschaft angekommen sind, wäre es vielleicht besser, jenen, die weniger privilegiert sind, als wir selbst zu überlassen, wo die Grenzen ihrer Menschenwürde verlaufen.

Popreferenz-Nachtrag:

Warum wurde „Firefly“ damals als feministische Serie gefeiert? Schließlich zeigte Joss Whedon Frauen darin nicht nur als Wissenschaftlerinnen oder Waffenspezialistinnen, sondern auch als Prostituierte. Vielleicht lag es daran, dass die „Companions“, wie SexarbeiterInnen in „Firefly“ heißen, keine unterdrückten und misshandelten Frauen waren. Sondern angesehene hochausgebildete Expertinnen, die unter anderem auch in Schwertkampf, Kalligraphie und Psychologie glänzen mussten. Die die Regeln ihrer Arbeit selbst bestimmten – etwa, welche Klienten sie annehmen wollten. Prostitution, wie sie auf der vormaligen Erde existierte, war längst abgeschafft, ersetzt von der staatlich anerkannten „Companion’s Guild“, die ihre eigenen Regeln schuf. So durfte kein Haus je von einem Mann geleitet werden, die Ausbildung in den einzelnen Häusern war umfassend geregelt und beinhaltete Tanz und musische Bildung ebenso wie akademische Fächer. Frauen wie Männer wurden hier ausgebildet, Frauen wie Männer bedienten KlientInnen beiden Geschlechts. Wer ein Mitglied der Gilde je respektlos behandelte, wurde für immer auf eine schwarze Liste gesetzt und könnte nie wieder die Dienste einer Companion in Anspruch nehmen. In Begleitung einer solchen Frau bei einer Party zu erscheinen, war nicht mit Stigma besetzt. Warum auch, die Companions galten als Elite ihrer Gesellschaft, in den Kreis ihrer Gunst vorgelassen zu werden, steigerte das Ansehen. Sex zu verkaufen verstößt immer gegen die Menschenwürde von Frauen, sagen KritikerInnen. Prostituierte sind immer Opfer. Aber Sexarbeit und Menschenhandel gleichzusetzen, stigmatisiert nur diejenigen weiter, denen geholfen werden soll.

  • Miss Nuke

    sorry liebes Missy Magazin,

    Ihr argumentiert hier von Schreibtischen und Laptops theoretisch darüber, wie und ob sich eine Frau in Rumänien die 100 € im Monat „toll“ findet etwas besseres vorstellen kann oder ob ihr evtl. ein Job, bei dem sie nicht nackte, fremde Männer über sich rutschen lassen muss, als Opfer fühlt oder nicht.

    Mir geht es leider auf den Keks wie die „theoretische“ Frauenemanzipation ein Opfer definiert oder nicht. Ihr habt null Lebenserfahrung. Und ich sage das ehrlich gesagt auch nur, weil ich vor 10 Jahren genauso argumentiert hätte.

    Das was eine Frauenbewegung nicht braucht sind Leute, die ihr ständig bei wichtigen gesetzesänderungen von einigen gut bezahlten und priviligierten Frauen Steine in den Weg legt.

    1. die Forderung eines Nachfrageverbots ist gut
    2. Forderungen stellt man so hoch (hat die Riege der Verhandelnden Frauen bei Gehältern immer noch nicht verstanden)
    3. Das geschäft auf Kosten vieler Frauen, die nicht so priviligiert sind wie ihr, muss aufhören

    Schöne Grüße,
    eine mittelalte Feministin

  • Regina Becker

    Liebe Missys,

    ihr schreibt es selbst: „Weil es an einer Gesellschaft selbst ist, sich die Regeln zu schaffen, nach denen sie ihr Zusammenleben gestalten will.“

    Ich will in einer Gesellschaft leben, in der Frauenkörper keine Ware sind und Sexualität nicht (ver)kaufbar ist. So einfach ist das.

    Es geht um etwas Grundsätzliches, eine tieferliegende Haltung, über den einzelnen Menschen hinaus: Auch wenn es einige Frauen gibt, die persönlich von ihrer „Sexarbeit“ profitieren, hat der Vorteil dieser wenigen Frauen Auswirkungen über deren Leben hinaus auf die ganze Gesellschaft: Der Blick der Männer auf alle Frauen verändert sich ebenso das grundsätzliche Verhältnis zwischen Männern und Frauen.

    Die Folgen des eigenen Handelns zu bedenken – auch über den eigenen Horizont hinaus. Das ist Feminismus.

    Deshalb bin ich übrigens auch für den Appell gegen Prostitution.

    Regi

  • Karin

    Ihr redet nicht für alle Feministinnen. Ich bin eine junge Feministin, und ich stimme voll und ganz mit Alice Schwarzer überein: Prostitution ist Gewalt gegen Frauen, Diskriminierung von Frauen und Unterdrückung von Frauen. Es ist absolut unverständlich, dass einige Feministinnen und Linke (in Deutschland, NICHT im Rest Europas) diese brutale Ausbeutung von Frauen (und es geht regelmäßig um die ärmsten und marginalisiertesten Frauen in der Gesellschaft) befürworten, verteidigen und verharmlosen.

    Hier ist ein sehr gutes Interview zum Thema:

    http://jungle-world.com/artikel/2011/22/43318.html

  • Elena

    Das hat Regi schön ausgedrückt, da kann ich mich komplett anschließen. Ich möchte sicher keiner verbieten, mit ihrem Körper das zu tun, was sie will (dabei wäre es aber sicher noch einmal eine Überlegung wert, wie es um den freien Willen unter ökonomischen Bedingungen bestellt ist).

    Aber mir persönlich liegt der Schutz derjenigen, die unter Menschenhandel und Prostitution leiden, dann doch mehr am Herzen. Die anderen, das schreibt Ihr selbst, können für sich selbst sprechen und tun das auch. Menschen, die verschleppt, verkauft, irgendwo eingesperrt und tagein, tagaus misshandelt werden, jedoch nicht.

    Davon abgesehen hat Volker Zastrow in seinem Artikel einleuchtend und klar argumentiert – ich brauche dann nicht eine andere Serie nacherzählt bekommen, um mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

  • Mafalda

    Warum verbieten wir nicht die Ausbeutung von Frauen im Niedriglohnsektor? Tun wir doch: Gerade wird ein gesetzlicher Mindestlohn verabschiedet, und zwar ausdrücklich auch mit der Begründung, dass das vor allem Frauen im Niedriglohnsektor hilft. Warum illegaliseren wir nicht Fernsehformate, die Frauen erniedrigen? Das sollten wir! Immerhin wird schon mal die eine oder andere Werbung aus dem Verkehr gezogen, die Frauen erniedrigt. Warum gestatten wir es, dass für Diäten und Schönheits-OPs geworben wird? Gute Frage! Immerhin gibt es inzwischen Initiativen gegen die Darstellung fotogeshoppter Models als Magerzombies. Will heißen: Für all diese sexistischen Grenzüberschreitungen gibt es Regeln, Grenzen oder es sollte sie geben und Frauen kämpfen dafür, dass das aufhört. Nur und ausgerechnet für die Prostitution soll das nicht gelten? Nur, weil das Label „Sex“ draufsteht? Ihr habt da einen blinden Fleck, liebe Missys. Pink Stinks und die anderen können lange dafür kämpfen, dass Mädchen keine rosa Prinzessinnen sein sollen, wenn eine Ecke weiter in Bordellen namens „Pascha“ oder „Airport-Muschis“ Frauen als „Tanja, devot“ für jeden Mann vögelbar zur Verfügung stehen. Das muss aufhören. Jawohl, das muss es.

  • MrsMister08

    Liebe Karin. Nein, wir reden nicht für alle Feministinnen. Das haben wir auch nie behaptet. Wir reden für uns. Und wie wir in dem Text darlegen, halten wir es eben für schädlich, Frauen die Sex gegen Geld tauschen per se zu Opfern zu erklären. Oder ein Urteil darüber zu fällen, wer vermeintlich unterdrückt ist und befreit werden muss. Diese Praxis der wohltätigen Frauenbefreiung durch Feministinnen entmündigt diejenigen, die wie du schon sagst, ohnehin schon marginalisiert sind, es spricht ihnen einen Status als Subjekte ab und marginalisiert sie noch weiter.

    Und nein, es liegt uns fern, Prostitution zu verharmlosen oder per se zu einem tollen Job erklären zu wollen. Schon gar nicht wollen wir Menschenhandel verharmlosen, das ist ein Verbrechen. Nur finden wir es ebenso problematisch zu behaupten, Prostitution und Menschenhandel sei ein und dasselbe, und jede Form von Prostitution Misshandlung derjenigen, die sie ausüben – unter Ausblendung all der Stimmen von SexarbeiterInnen, die anders denken und sprechen.

    Hier ein anderes sehr gutes Interview zu dem Thema: http://www.lauraagustin.com/nicht-alle-empfinden-das-gleiche-uber-sex

  • MrsMister08

    „Ich will in einer Gesellschaft leben, in der Frauenkörper keine Ware sind und Sexualität nicht (ver)kaufbar ist. So einfach ist das.“

    Liebe Regi. Das ist schön für dich. Was ist aber mit denjenigen, die darauf angewiesen sind, Sex zu verkaufen, um ihren Lebenunterhalt zu sichern?

    Ja, unsere Gesellschaft ist sexistisch. Aber dieser Sexismus wird unserer Meinung nach nicht dadurch verschwinden, dass wir Prostitution illegalisieren. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wenn wir uns um die Abwertung und Niedrigschätzung von Frauen in unserer Gesellschaft sorgen, dann sollten wir diese anprangern – und nicht Prostitution als Thema vorschieben. Die Ausbeutung und Selbstausbeutung von Frauen geschieht auf sehr vielfältige Weise, wie wir versucht haben darzuslegen.

  • MrsMister08

    Miss Nuke: Wir finden, was eine Frauenbewegung braucht, ist die Fähigkeit zur Reibung und Auseinandersetzung. Was eine Frauenbewegung braucht, sind viele verschiedene Stimmen und die Fähigkeit, diese verschiedenen Stimmen und Haltungen zu einem Thema auszuhalten zu können und darüber zu diskutieren, mit Argumenten, statt sich gegenseitig den Mund zu verbieten. Nicht alle FeministInnen auf der Welt sind einer Meinung. Das musste die Frauenbewegung schon immer aushalten.

  • Miss Nuke

    „Wir finden, was eine Frauenbewegung braucht, ist die Fähigkeit zur Reibung und Auseinandersetzung. “

    Um was geht es euch wirklich?
    Um Profilierung gegen Schwarzer oder um Menschenhandel und Prostitution.

    Ich habe inzwischen das Gefühl, dass das meiste nur noch um metadiskussionen geht, statt um die Sache an sich:

    da geht es Leuten beschissen.

    Denen kann die theoretische Feministendiskussion völlig egal sein. Hier scheint es nur mehr um Profilierung zu gehen. Zurück zu meinem Argument:

    Wer etwas erreichen will muss mehr fordern als er später bekommt. Mit lieb lächeln und ein paar blogs und „hyperdifferenzialität“ bis zur Unkenntlichkeit der Sache ist es nicht getan.

  • Karin

    Ihr ignoriert beharrlich, dass Prostitution ein Ausdruck patriarchaler, frauenverachtender, sexistischer Machtverhältnisse ist. Diese Machtstrukturen gilt es anzugreifen und zu bekämpfen – und genau das tut ihr NICHT, wenn ihr die Prostitution als „Sexarbeit“ verharmlost (ja, dieser Begriff IST eine Verharmlosung) und quasi als „schicksalhafte Naturerscheinung“ hinstellt. Des Weiteren negiert IHR die Stimmen von Überlebenden der Prostitution (sie nennen sich selbst so), die von einer Legalisierung dieses so genannten „Gewerbes“ nichts wissen wollen. Außerdem hat die Prostitution schädliche Auswirkungen auf alle Frauen in einer Gesellschaft – sie zementiert die üble Sichtweise, dass es sich bei Frauen um käufliche Sexobjekte handelt. Damit solltet ihr als Feministinnen schon ein Problem haben.

  • Julia

    neu wegen seltsamen Tippern

    Liebe Missys,

    wollt Ihr demnächst auch den Ankauf von Organen zulassen, die jemand meint verticken zu müssen,um die Familie durchzufüttern?
    Und was spricht Eurer Meinung nach dagegen, Sklaverei wieder zuzulassen, wenn es doch “freiwillig” oder aus Armut geschieht und es Geld dafür gibt?
    Wollt ihr eine solche Gesellschaft?

    Hier in unserem Land kann jeder Mann, der gerade Lust darauf hat, in eins der “schicken” Bordelle marschieren und sich zu unter all den Frauen, fast alle aus Osteuropa, eine auszugucken. Die attraktive Blonde oder die zierliche Brunette? Dünn oder kurvig, große Brüste, oder kleine? Freie Wahl auf dem Frauenmarkt. Alles kein Thema, einfach so, wie er will. Sie wird ihm einen blasen ohne Gummi, er kann sie f****. Was er will. Das ganze für ein Taschengeld.
    Das finden Kerle so geil, dass sie mitllerweile mit Bussen aus dem Ausland herangekarrt werden.

    Den Frauen kann niemand einen Vorwurf machen. Macht auch niemand. Alice Schwarzer plädiert dafür, die Frauen keinesfalls zu kriminalisieren.
    Den Männern, die meinen, es wäre ihr gutes Recht, das Angebot zu nutzen, schon. Warum denn selber Hand anlegen, wenn sie es sich von einer jungen Frau für ein paar Euronen machen lassen können?
    Das ist Deutschland 2013. Es ist unsagbar menschenverachtend.

    Und Ihr Missys seid mit Eurer zynischen Argumentation gerade dabei, dieses abstoßende System zu stützen.

  • Svenja

    Karin, meinst Du wirklich, dass in einer Gesellschaft ohne Patriarchat keine Sexarbeit mehr stattfinden würde? Es gibt Escorts in der Schwulenszene, Stripper auf Junggesellinnenabschieden, die Chippendales. Das ist alles auch Sexarbeit vom feinsten.

    Die Gleichung Sexarbeit = Unterdrückung, Menschenhandel, Sexismus, was auch immer geht halt nicht einfach so auf. Man muss es differenzierter betrachten.

  • Juliana P

    Der größte Feind der Zuhälter und Menschenhändler sind selbstbestimmte Prostituierte. Was soll ein Verbot bewirken? Dass bislang normale selbstbestimmte Frauen auf einen Schlag kriminalisiert werden? Daß Lohn nicht mehr einklagbar ist, daß Du nicht mehr zur Polizei kannst, ohne gleich selbst mit hopsgenommen zu werden? Das ist dann auf einen Schlag besser? Ich bezweifle das. Wer denkt, daß das Frauenbild von Männer sich durch Sexarbeit zum Schlechten verändert, hat die Geschichte der Menschheit wohl nicht genau studiert. Der Blick der Männer auf Frauen war von Verbot oder Erlaubnis der Prostitution stets sehr untangiert. Ich finde es sowieso kurios, daß ich mich was drum scheren soll, wie mich ein Mann ansieht, was er von mir hält. Was giert ihr nach dem Blick der Männer? Seit wann ist das wichtig? Wenn ich nicht käuflich bin, dann bin ich es nicht. Da muß dann vielleicht am eigenen Selbstbewußtsein gearbeitet werden, anstatt die Sexarbeit als Grund auszumachen, von Männern angemacht zu werden (oder nicht angemacht) zu werden. Sexualität ist ein Deal zwischen zwei Menschen die auf Augenhöre sind, gegen alles andere müssen Gesetze härter angewandt werden. Die meisten die Prostitution ablehnen fürchten, dass die eigene Beziehung durch Prostitution gefährdet werden würde. Diese Angst ist so alt wie die Kulturgeschichte. Die Angst läßt sich auf alle Frauen ausbreiten, von denen gefürchtet wird, daß sie die eigene Person, sei es durch Schönheit, Jugend oder was auch immer, überstrahlen und ist erzkonservativ, denn sie sucht die Schuld am Scheitern aussen und nicht in der eigenen Person und der Beziehung. Das ist der eigentliche Grund, die tiefe Angst vor der Prostituierten . So eine Frau kann und darf nicht anerkannt werden: Eine Frau die eine a.) nicht einem Partner zugeordnete Sexualität lebt und b.) auch noch Geld daran verdient und c.) normal ist. Jegliche „normale“ Frau fühlt sich da unterlegen. Jede die zeit ihres Lebens brav dem Dogma gefolgt ist, daß sich frau niemals sittlich was zu schulden kommen lassen darf, da sie ja sonst eine „Hure“ ist und „Huren“ sind böse! Was für eine Verarsche, wenn diese Frauen dann auftreten und ganz normal scheinen! Da muß sich jede „normale“ Frau fragen, ob das bisher gelebte Weltbild nicht von Anfang an für die Tonne war! Da besser lieber zu Alice Schwarzer flüchten und dem schwarzweissen Weltbild, dass eine Sexualtität nur in einer Partnerschaft stattzufinden hat und sonst nicht! Ein Weltbild übrigens, daß (surprise, surprise) auch der Vatikan seit Jahrtausenden predigt! Die Spaltung von Hure und Heilige! Jungfrau und Ehefrau, ausserhalb dem nichts Gutes existieren kann, ja darf! Das ist Partriarchat at its best! At its very best!
    Sexarbeiterinnen haben ihren Körper und machen mit dem was ihnen passt, so wie jeder selbstbestimmte Mensch – und das ist auch gut so. Und nein – nicht das Argument der Zwangsprostituierten hier mißbrauchen, das ist nur ein weitere Mißbrauch einer Gruppe, die andere Hilfen braucht, als solche fruchtlosen Diskussionen von oben herab von selbsternannten Feministinnen, denen es gar nicht um diese geht, sondern um den eigenen Lebensentwurf, der gerade massiv in Frage gestellt wird.

  • Sabine Arnolds

    Liebe Missys,

    danke für diese Replik und für den mutigen Versuch, dem deutsch-feministischen Mainstream eine andere Facette des Themas aufzuzeigen. Jede Bewegung braucht in der Tat die Fähigkeit, sich auseinanderzusetzen und Argumente auszutauschen. Leider kommen im Medienwald vor allem lautstark die Argumente der Prostitutions-Gegner_innen zu Gehör. Dass diejenigen, um die es eigentlich geht (Sexarbeiterinnen, aber auch Freier) dabei marginalisiert werden, ist schade und der Debatte abträglich.

    „Das was eine Frauenbewegung nicht braucht sind Leute, die ihr ständig bei wichtigen gesetzesänderungen von einigen gut bezahlten und priviligierten Frauen Steine in den Weg legt.“ Dieses Argument mutet mir besonders seltsam an, angesichts der Tatsache, dass wohl weder Frau Schwarzer noch die von ihr eingespannten prominenten Erstunterzeichner_innen des Appells zu den schlecht bezahlten und unter-priviligierten Menschen in diesem Land gehören.

    Sehr bedauernswert finde ich im Sinne einer Debatte, dass Expertinnen, wie etwa verschiedene Sozialarbeiterinnen, zu deren Klient_innen seit Jahren Sexarbeiterinnen gehören, nicht zu Wort kommen. Ausgenommen die einzige, die das Placet hat, im Sinne der Prostitutions-Gegnerinnen zu sprechen, die Stuttgarterin Sabine Constabel. Ihre Meinung ist aber nur eine einzelne neben vielen, die in eine andere Richtung argumentieren.

    Herrn Zastrow würde ich persönlich raten, Deadwood (und damit auch gleich andere mysogyne Serien wie etwas Boardwalk Empire) zu vergessen und lieber dafür zu sorgen, dass eine geniale feministische Serie wie Firefly mehr Medienaufmerksamkeit bekommt. Erstaunlich, dass gerade die Ausführungen eines Journalisten als „einleuchtend und klar“ formulierend herangezogen werden, der wiederholt durch homo- und lesbophobe Artikel bekannt wurde und auch nicht gerade als Freund des Feminismus und der Gleichberechtigung bekannt ist (s. unter anderem http://www.faz.net/aktuell/politik/gender-mainstreaming-politische-geschlechtsumwandlung-1327841.html).

  • Jennay

    Hey Missies,

    einerseits finde ich es gut, dass die Missy-Autor*innen sich nun auch endlich offen zu dem Thema Prostitution in D positionieren. Ich bin mit dem Fazit allerdings nicht einverstanden.

    Ich finde, dass hier und in der Diskussion selbst vieles über einen Kamm geschert wird, das getrennt gehört. Freiwillige Sex-Arbeit und Zwangsprostitution sind zwei verschiedene Paar Schuhe (das wird in dem Statement ja auch erwähnt). Für mich sind aber auch ein Verbot von Prostitution und die Stigmatisierung von Sex-Arbeiter*innen zwei unterschiedliche Dinge. Seien wir doch ehrlich, egal ob Prostitution nun erlaubt ist oder nicht, sie ist in unserer Gesellschaft einem Stigma unterworfen. Das wird sie wohl erst dann nicht mehr sein, wenn tatsächlich alle gleichberechtigt sind und noch das letzte Vorurteil aus den Köpfen getilgt werden konnte. Und wenn das Stigma eh vorhanden ist, wieso ist es dann für Sex-Arbeiter*innen noch zusätzlich stigmatisierend, wenn die Freier*innen belangt werden? Wenn Prostitution für deren Nutzer*innen zur Strafe steht, nicht aber für die Frauen/Männer/Andere, die sie ausüben? Dieser Perspektivenwandel soll ja eben gerade die Arbeiter*innen vor weiteren Repressalien schützen.

    Noch ein anderer Gedanke: Sicher gibt es Sex-Arbeiter*innen, die diese Arbeit freiwillig tun und daraus auch Freude/Befriedigung und monetäre Vorteile für sich ziehen und bei denen keinerlei psychische Probleme vorliegen (wie häufig unterstellt wird). Dennoch müssen wir doch davon ausgehen, dass diese unter den Sex-Arbeiter*innen die Minderheit darstellen und dass der Massenkonsum von Sex nicht durch Freiwilligkeit bedient werden kann (so wie der Massenkonsum von Fleisch auch nicht durch bio und klimafreundlich gedeckt werden kann). Und für die Zwangsprostituierten und diejenigen, die zwar freiwillig mitmachen, aber eher in einem selbstverletzenden Sinne freiwillig, für diese kann die Sex-Arbeit eben doch hohe Folgekosten haben und zerstörte Leben/Seelen bedeuten. Wenn ich also davon ausgehe, dass die Zerstörung der Person bei einem Großteil der Arbeiter*innen ein Preis für die Normalisierung der Prostitution in der Gesellschaft ist, dann ist mir, ehrlich gesagt, deren Verbot zum Schutze derer, die existentiell durch sie bedroht werden, wichtiger. Lieber die Prostitution verbieten und damit mehr in der Hand haben, um ihre Opfer zu schützen, als sie erlauben, damit ein paar, denen es gefällt, weitermachen können. Denn was wiegt eurer Meinung nach mehr, seinen Job frei wählen können oder die psychische Gesundheit, Leib und Leben derer, die es eben nicht/nur oberflächlich/aus Gründen der freiwilligen Selbstzerstörung machen (müssen). Für mich persönlich wiegt Zweites mehr und solange wir noch nicht soweit sind, dass alle gleichberechtigt und tatsächlich frei entscheiden können wird das für mich auch so bleiben. Daher hoffe ich inbrünstig, dass die Prostitution in D verboten wird, auch wenn sich dann einige freiwillige Sex-Arbeiter*innen davon benachteiligt fühlen (wobei sie das Gewerbe dann ja im Grunde immernoch ausüben können).

    Danke für`s Lesen,
    Jennay

  • Susanne Dumont

    Bei der ganzen Diskussion wird immer ausgeblendet, dass der Anstieg der Prostitution primär Armutsprostitution ist. Ein generelles Prostitutionsverbot, so wie es Alice Schwarzer fordert, zielt völlig daneben. Denn die mehrheitlich aus Osteuropa stammenden Frauen einfach abzuschieben, verschiebt (ins nächste Land?)im wahrsten Sinn des Wortes nur das Problem. Ganz nach dem Motto: aus den Augen aus dem Sinn. Es ist ein europäisches Problem. Und das benennt Schwarzer nämlich nicht: dass die bittere Armut in Ungarn, Rumänien, Bulgaren usw. die Frauen in die Prostitution treibt. Wenn Alice Schwarzer es ehrlich meinen würde, dann würde sie eine Brandrede in Brüssel halten, wo sie die ökonomische Situation in diesen osteuropäischen Ländern anprangert, in denen beispielsweise Menschen in Rumänien für € 168.- im Monat für VW arbeiten müssen. Schwarzer unterschlägt laufend die wirtschaftliche Not in Osteuropa, während sie durch sämtliche Talkshows schlendert. Erst wenn die wirtschaftliche Situation nicht mehr bittere Armut heißt, dann haben die osteuropäischen Frauen eine echte Wahlfreiheit wie sie ihr Leben gestalten wollen. Alleine durch ein generelles Verbot in Deutschland, kann Schwarzer mir nicht als Lösung des Gesamtproblems verkaufen. Denn es ist kein deutsches Problem, sondern ein europäisches.

  • anke

    gibt es in dieser klasse tv-serie, auf dem raumschiff auch real amtierende männliche sexarbeiter?
    werden die nicht nur erwähnt, sondern kommen vor?

  • Stefanie Lohaus

    Um einmal der Dolchstoß-Legende Einhalt zu gebieten, dass wir nur Alice an die Wäsche wollen, um selber den Thron zu erklimmen:

    Es gibt Punkte, die wir mit der Emma teilen, und welche, die wir nicht teilen. Wir äußern uns hier kritisch zu ihrem Aufruf Prostitution zu Illegalisieren. Wir wollen einen vielstimmigen Feminismus.

    Wir haben die Gegenargumente zur Emma-Kampagne nicht am Schreibtisch selbst erfunden, sondern folgen einer langen Linie innerfeministischer Kritik, die es schon seit Beginn der Frauenbewegung gibt und die sehr sehr praktisch ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob wir aus einer priviligierten weißen Mittelschichtsposition heraus Politik betreiben können, in dem wir marginalisierte Gruppen von Debatten ausschließen und damit ihre Bedürfnisse missachten, weil diese Bedürfnisse unter Umständen unseren Anliegen oder Moralvorstellungen widersprechen. Wir sagen: Nein, das können wir nicht. Wir sagen, diese Personen können für sich selbst sprechen und ihre Bedürfnisse äußern.
    Die Emma bzw. Schwarzer sagt, sie muss für diese Frauen sprechen, weil sie es selbst nicht können. Das gilt nicht nur für Prostitution, sondern auch für die sogenannte Kopftuchdebatte, etc.

    Wir würden sagen, dass das was sie zu sagen haben, nicht immer unbedingt dass, was die weiße Mittelschicht hören mag, oder sogar schmerzhaft ist, deswegen sind wir um so mehr in der Pflicht, ihre Stimme hörbar zu machen. Die Konsequenz ist dann unter Umständen eine andere Politik zu machen.
    Beides nennt man feministisch.

    Ein Ultra-ultra vereinfachender Crashkurs dazu:

    Die Emma bezieht sich bei den ganzen Debatte um Sex und Frauen im Großen und Ganzen auf den Feminismus von http://de.wikipedia.org/wiki/Andrea_Dworkin oder http://de.wikipedia.org/wiki/Catharine_MacKinnon

    Das ist schon immer Schwarzers Position, siehe der Kleine Unterschied, etc. Es geht hier nicht darum, diese Position sei per se schlecht.

    Das Problem und die Kritik an ihr beginnt hier:

    In einem Interview äußerte sich MacKinnon wie folgt über sadomasochistische Lesben:

    „Wenn Pornographie Teil ihrer Sexualität ist, dann haben sie kein Recht auf ihre Sexualität.“

    Das führte dann hierzu:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Feminist_Sex_Wars

    Womit wir dann hier landeten:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Queer-Theorie
    http://de.wikipedia.org/wiki/Postfeminismus

  • Maria

    Wenn man sich für ein Verbot von Sexkauf ausspricht, d.h. für eine Bestrafung der Konsumenten von Prostitution, dann geht es doch zuallererst auch um die symbolische Wirkung dessen. Es fördert eine Gesellschaft zutage, in der es verpönt ist, Menschen, vor allem Frauen, auf eine Stufe mit einer abgepackten Wurst im Supermarkt zu stellen, sie also als käuflich zu betrachten. Damit einhergehen sollten Verbote von sexistischer Werbung, entwürdigender und gewaltverherrlichender Pornografie bzw. ein Schutz davor , vor allem für Kinder und Jugendliche im Internet. In Sachen Geschlechtergerechtigkeit gilt es viele gesellschaftliche Diskurse zu verändern und die sprachliche Deutungshoheit zu gewinnen, nicht nur im Bereich Prostitution und Pornografie. Gerade in Sachen ‚gender mainstreaming‘ gilt es Regelungen und Entscheidungsprozesse auf ihre Wirkung in Sachen Gleichstellung zu betrachten. Wie sollen die heranwachsenden Mädchen und Jungen zu einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis finden, wenn sie mit den Symbolen und Signalen unserer heutigen Gesellschaft aufwachsen? Mit an Tyrannisierung grenzende Bombardierung sexistischer Werbung, überall zusammenhangslos präsentierter nackter Frauen- und Mädchenkörper, nonstop verfügbarer Pornografie im Internet, Salonfähigkeit von Table und Pole Dance, Werbung für Sexkauf (das führt ja legale Prostitution mit sich), eine Spielzeugindustrie, die besessen und militant die Geschlechter aufteilt, männlichen Standpunkten wie diesen
    http://daserstedate.de/allgemein/warum-deutsche-frauen-nachteile-beim-dating-haben… Das hängt doch alles miteinander zusammen! All das beschreibt, prägt und diktiert das Bild von Weiblich- aber auch Männlichsein! Prostitution mit all seinen Facetten und Konsequenzen findet doch nicht in einem machtleeren Raum statt. Wir haben auch eine Verantwortung für unsere Kinder. Sie müssen all diese Erscheinungen völlig unreflektiert aufnehmen, sie haben kein Verständnis von Ironie, Unterwerfung, Widerstand, gesellschaftlichen Zusammenhängen oder dergleichen. Sie sind in ihrem Aufwachsen auf der Suche nach Identitäten und das was wir ihnen anbieten ist deprimierend. Wer immer nur mit einem liberalen Politikverständnis argumentiert, kann niemanden schützen.

    Vielleicht würde der Missy-Redaktion ein bisschen mehr Heterogenität gut tun, gerade in Bezug auf verschiedene thematische Zugänge. Der Redakteurinnen-Darstellung scheint das Team in Sachen Jahrgang und Herkunft doch sehr homogen besetzt zu sein.

  • Marleen

    Hallo!
    Ich bin Sexarbeiterin und hab grad eigentlich echt genügend anderes zu tun, als Kommentare zu schreiben, aber es macht nicht echt sauer, dass auch hier ständig von neuem Sexismen seitens Feministinnen gegenüber uns Huren geäußert werden. Ich find den Mittelteil von dem Missy Artikel echt gelungen – die Einbettung in dieses durchaus süße Science Fiction Szenario über das man tatsächlich streiten kann, ist leider weniger gelungen.

    1. Menschenhandel: Durch die Gleichsetzung von Menschenhandel mit Zwangsprostitution erscheint es so, als würden alle Betroffenen von Menschenhandel Opfer des Szenarios „jungem armen naiven Mädel wird gut bezahlter Job in Mitteleuropa versprochen, auf dem Weg dahin wird sie mehrfach vergewaltigt und der Pass angenommen. Dann muss sie eingesperrt in irgendwelche Hinterzimmer als Prostituierte arbeiten und Sex ohne Kondom anbieten.“ trifft so nur auf einen Teil der Betroffenen von Menschenhandel in die sexualisierte Ausbeutung zu. Gründe: a) Betroffene von Menschenhandel sind deutsche Frauen unter 18, bzw Frauen unter 21, weil sich Bordellbetreiber bei unter 18jährgen auf jeden Fall und bei unter 21jährigen sehr leicht des Menschenhandels strafbar machen. Da ist auch nicht zwingend ein Loverboy im Spiel. b) Die Gesetze wie leicht Leute aus anderen Ländern nach Deutschland einreisen können und dann hier auch arbeiten dürfen sind scheiße. Viele Frauen wissen bereits vor ihrer Abreise, dass sie in Deutschland als Prostituierte arbeiten werden und sind nicht selten schon in ihren Heimatländern der Prostitution nachgegangen. c) Der Begriff Zwangsprostitution verschleiert, dass es sich bei der oben geschilderten Systematik um Vergewaltigung handelt. Durch die begriffliche Vermischung wird aber eine diskursive Realität erzeugt, die den Anschein erweckt als würden alle Betroffenen von Menschenhandel vergewaltigt werden und eigentlich auch alle Prostituierten. d) Für wie dumm und naiv haltet ihr eigentlich meine Kolleginnen aus Rumänien, Bulgarien, Ukraine und vielen anderen Ländern?
    Für wie unsolidarisch gegenüber unseren Kolleginnen, die unter miesen Arbeitsbedingungen arbeiten, haltet ihr eigentlich uns „privilegierten Huren“?!
    Ihr habt kein einziges mal mit uns gesprochen und unterstellt uns, dass wir eine Hand voll egoistischer reicher (ha von wegen!) Nymphomaninnen sind, denen es am Arsch vorbei geht, wenn Kolleginnen in der Sexarbeit durch die Bank schlechte Erfahrungen machen und Frauen in unserer Branche seriell vergewaltigt werden, damit sich irgendwelche Idioten daran bereichern können und wir deswegen gegen diese ganzen sinnlosen repressiven Maßnahmen sind. Ich finde es unfassbar sexistisch welches Menschenbild ihr von uns zu haben scheint.

    2. Zu den Zahlen: Es gibt nur eine verlässliche Zahlengrundlage, und das ist der Bundeslagebericht Menschenhandel vom BKA, der zeigt, wie das hellfeld aussieht. Zum Rest kann man nichts sagen. Es stimmt also ebenso wenig, wenn Leute sagen nur 10 % machens freiwillig, wie wenn Leute sagen nur 10% werden vergewaltigt (in Alltagssprache übersetzt: werden gezwungen).

    3. Es ist Fakt, dass wir in einer kapitalistischen Gesellschaft leben, in der Menschen in Deutschland sich für nen mehr oder weniger geliebten Job oder für Hartz IV entscheiden müssen. Das gilt aber auch nur für diejenigen, die ein Recht auf Hartz IV haben, für ganz viele andere gilt das nämlich nicht. Die müssen arbeiten. Prostitution ist für Frauen eine sehr naheliegende Möglichkeit Geld zu verdienen, weil sie nämlich außer sich selbst erst mal keine Produktionsfaktoren brauchen (Steine für Maurer, Holz für Zimmerleute, Saatgut, Pflug und Boden für Landwirte, ein Jura/ Medizinstudium für Anwälte/ Ärzte). Wenn man jetzt Freier bestraft oder Prostitution verbietet (was Gott sei dank nur in schlechten Kommentaren so behauptet wird, schließlich würden damit vulnerable Prostituierte noch schlechtere Karten haben, weil sie eine Straftat begehen), dann führt dass dazu, dass v.a. Frauen die Möglichkeit genommen wird auf eine sehr zugangsflache Art und Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dass dieser flache Zugang sowohl Fluch als auch Segen sein kann, wird hier leider übersehen. Dabei wäre es sehr gut, wenn eine Lösung dafür gesucht werden würde, wie diejenigen, für die sich Prostitution als Fluch herausstellt/ herausstellen wird, nicht mit diesem Job anfangen, oder ihn zu einem frühest möglichen Zeitpunkt wieder verlassen. Keine der Maßnahmen die hier in dem Artikel, in den Kommentaren oder auch in dem letzten Gesetzesentwurf oder den Koalitionsverhandlungen diskutiert wird, nimmt das wirklich in den Blick. Zwar wird vor allem seitens Sexarbeiterinnen und deren Allys manchmal das Bedingungslose Grundeinkommen angesprochen, das wäre aber sehr wahrscheinlich wieder nur ausschließlich für die Leute, die heute schon ein Recht auf Hartz IV hätten. Wer bzgl Staatsangehörigkeit übrigens ein Recht auf Hartz IV hat, und wem es die Jobcenter tatsächlich zustehen ist auch noch mal ein Thema für sich. Vor allem interessant, wenn sich Prostituierte umorientieren wollen. Davon abgesehen möchte ich hier nicht nur Kapitalismuskritik üben. Ich bin der Meinung, dass in jeglicher Marktwirtschaft Menschen es nutzen würden durch sexuelle Dienstleistungen Güter zu tauschen.

    4. Freierbestrafung: Die Leute, die so laut danach rufen: Euch ist aber schon klar, dass grade oft Freier diejenigen sind, die die Polizei drauf aufmerksam machen, dass sie glauben dass in einem Bordell Menschenhandel stattfindend, oder?! Falls nicht, dann lasst euch das mal auf der Zunge zergehen und überlegt euch: Würden diese Freier weiterhin zur Polizei gehen, wo sie doch gerade eine Straftat begangen haben? Vergewaltigung ist schon strafbar. Damit ist das Thema eigentlich schon abgedeckt. Sogar die Polizei rät von Freierbestrafung ab.

    5. Ich empfinde es als höchst entmündigend und sexistisch, wenn mir Feministinnen – und ich betrachte mich sehr wohl selbst als Feministin und zwar seit ich denken kann, also mindestens seit dem Kindergarten – sagen, dass das was ich arbeite das Patriarchat unterstützt, allen anderen Frauen Gewalt antut, weil es dazu führt, dass Männer brutaler werden, und was sonst noch so in den Kommentaren hier steht. Wenn – und das ist meine Utopie – sowohl Männer*, Frauen*, Inter*, Trans* _ als Prostituierte gleichsam anerkannt arbeiten können, und alle Männer*, Frauen, Inter*, Trans* _ gleichsam anerkannt die Dienstleistungen von Prostituierten in Anspruch nehmen würden, dann sähe diese Debatte deutlich anders aus. Bzw. umgekehrt: Wenn in der patriarchalen Gesellschaft wie wir sie haben v.a. Männer als Prostituierte arbeiten würden und Frauen deren Kundinnen wären, dann würde die Debatte wohl auch Abschaffung fordern, weil Männer einseitig finanziell davon profitieren und Frauen leider Gottes nur dort Befriedigung erfahren, weil die restliche Gesellschaft Frauen gegenüber sehr sexualitätsfeindlich eingestellt ist: Ihr bekommt das nur, wenn ihr dafür zahlt! Gerade Prostitution hat es Frauen seit der Wende hin zu mehr Sittlichkeit und Schamhaftigkeit vor zwei bis drei hundert Jahren erlaubt sexuell aktiv zu sein, nicht nur um einen Erben zu zeugen.
    Noch was: Wieso sollten Ehefrauen, Freundinnen, Geliebte ihre Ehemänner, Freunde, Liebhaber nicht zu einer Prostituierten ihrer Wahl schicken, um den Herrschaften beizubringen, wie man ein guter Liebhaber ist, wie die Ehefrau, Freundin, Geliebte es eben möchte. Seien wir ehrlich: es ist eine leidige Aufgabe das während dem Sex didaktisch gut zu erklären und gerade wir Huren wissen, dass sehr viele Ehemänner,… nicht gerade die besten Liebhaber sind.

    6. Bitte nicht von sich auf andere schließen: Nur weil du dir vorm Monitor nicht vorstellen kannst, dich dafür bezahlen zu lassen mit einem evtl wildfremden Mann Sex zu haben, heißt das nicht, dass sich das keine andere Frau vorstellen kann. Kannst du dir vorstellen einen One night Stand zu haben? Hattest du schon mal einen? Hast du dir hinterher vielleicht am nächsten Tag gedacht „Meine Güte war das jetzt schlecht“! Da ist es dann auch nicht mehr weit dazu zu denken: „Dafür hätte ich echt Geld für verlangen können.“ Schlechter Sex ist ungleich Vergewaltigung, und nicht jeder ONS garantiert schlechten Sex. Und die Bezahlung ist auch nicht Ausgleich zu schlechtem Sex, sondern für die Dienstleistung. Wenn man beim Friseur war und der die Frisur für sich selbst super ungelungen findet, berechnet er dir vermutlich trotzdem den Preis.

    7. @Mafalda: Scheinbar kennst Du dich nicht aus, was genau in der Prostitution bereits alles reguliert ist. Nämlich sehr vieles. Davon abgesehen sind auch Vergewaltigung und „Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung“ strafbar. Zu kritisieren wäre, dass Vergewaltigungen bei Anzeige kaum zur Verurteilung der Täter führen und was echt sehr krass ist, die Argumentation bei Prostituierten idR noch opferfeindlicher ist als sie es ohnehin schon ist.

    8. Ich bin für mehr Fort und Weiterbildungen in der Prostitution: Wenn Frauen die Möglichkeit haben im Bordell Deutsch zu lernen, wenn sie die Möglichkeit haben ihre Rechte kennen zu lernen und wie sie auf ihren Körper und ihre Seele aufpassen und Grenzen ziehen können, dann bringt das mehr als 10 Razzien im Jahr, die bestenfalls einschüchternd wirken. Wenn Huren mit Huren reden, dann vertraut man sich nach einer gewissen Zeit eher an, als wenn die exekutive Staatsmacht vor einem steht. Dann kann man zB auch eher über Umstiegsangebote reden und über den Wunsch eigentlich überhaupt nicht in dem Job arbeiten zu wollen, aber aus finanziellen Gründen, emotionaler Abhängigkeit,… keine andere Möglichkeit zu sehen. Für finanziell abgesicherte Fort- und Weiterbildungen und Professionalisierungsangebote von Huren für Huren.

  • Gan-Chan

    Ich bin zufällig gerade auf der Suche nach einem Schiff der Firefly-Klasse und der passenden Crew. Die Crew soll dann von einem Female Captain geführt werden. Ich selbst gebe mich dann auch mit dem Job als Deputy zufrieden. Eines der Shuttles (oder auch beide?) will ich dann auch an eine Companion vermieten. An ihren Einkünften bereichert sich natürlich niemand anders als sie selbst. Alleine ihre Anwesenheit auf dem Schiff bedeutet sowieso schon ein erhöhtes Prestige.
    Also, wer Interesse hat, meldet sich bei mir! :-)

    Als grösstes Hindernis hat sich erwiesen, dass wir ein paar hundert Jahre zurückgeblieben sind und immer noch in patriarchalen Zeiten leben. :-(
    Aber wir sind voll an Hoffnung, dass dieses Hindernis auch überwunden werden kann. Das Hoffen Wir Alle! :-)

    Heute ist es bedauerlicherweise so, dass sich jede Seite auf Kosten der Companions mit dem Thema Prostitution beschäftigt. Die Pro-Prostitution-Fraktion sagt schlicht, Menschenhandel und Zwangsprostitution ist ganz etwas anderes und hat nichts, aber auch gar nichts, mit der Prostitution zu tun. Die Contra-Prostitution-Gruppe verschlimmbessert im ungünstigsten Fall die Situation noch. Beide Seiten geben sich Feministisch und kämpfen, diskutieren mit der jeweils anderen Gruppe mehr als beispielsweise mit betroffenen Frauen oder der Politik, die bekanntlich die Gesetze macht. Am Ende wurde viel diskutiert, aber nichts zum Besseren verändert.

    Das eigentliche Problem sind die Pimps, Johns und andere Männer, die sich in Deutschland heutzutage lieber Vermieter, Barbetreiber, Freund/Partner … nennen mögen. Um diese Männer sollte sich die Diskussion drehen! Und da lässt sich einiges machen und verändern. Die Frauen stattdessen sollen tun und lassen wie oder was es ihnen beliebt.

  • Alexander

    Hi,
    endlich mal eine differenzierte, kluge Debatte zum Thema!
    Ich finde die Vorstellung verstörend, dass Hunderttausend oder mehr Männer sich täglich Sex mit Frauen kaufen. Was ist das denn für eine Sexualität? Wie kann denn Sex Spaß machen, wenn der eine an Sex denkt und die andere ans Geld???
    Als Psychotherapeut, der immer wieder mit Prostituierten arbeitet, muss ich berichten, dass Prostitution Leib und Seele beschädigt. Fast niemand hält diesen Job ohne heftigen Alkohol/Drogenkonsum aus. Und bei suchtkranken Prostituierten, die abstinent leben wollen und Suchttherapie gemacht haben, führt der Job früher oder später zu Rückfällen.
    Anders sind die Ekelgefühle und Selbstverleugnungen wohl nicht zu ertragen.
    Das kann ich aus meiner Arbeit berichten…
    LG Alex

  • Sven

    Liebe Missys,

    danke für den Beitrag. Ich finde ihn wohltuend, weil er eines nicht macht, was Kommentator_innen im folgenden fast alle gemacht haben, nämlich Zwangsprostituion und Menschenhandel in einem Atemzug mit Sexarbeit zu nennen und somit Sexarbeit immer als Zwang wahr zu nehmen. Wird es auch sein, aber nicht mehr oder weniger als normale Lohnarbeit auch. Denn ich mache mir folgende Überlegung: Die ganzen menschenverachtenden Dinge, Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung, passieren in den Kaschemmen, die heute schon verboten sind, die müssen nicht noch mal extra verboten werden. Ergo würden diese Bereiche auch nicht von einem Verbot tangiert werden, denn es ist ja davon auszugehen, dass ein Bordell, welches heute schon nach den Buchstaben des Gesetzes verboten ist, auch kein Problem damit hat, einfach weiter betrieben zu werden. Wer von dem Verbot betroffen würde, wären die ganzen Sexarbeiter_innen, die sich angemeldet haben, die Betriebe, die ihre Arbeiter_innen vernünftig behandeln. Die müssten schliessen, und wir wären wieder zurück auf vor 2002. Erinnert euch mal zurück, wie es davor gewesen ist, und sagt mal ehrlich, ob ihr das wieder wollt: Keinen Sozialversicherungsschutz, keinen Rechtsschutz, Prostitution anbieten an Strassenstrichen und windigen Häusern? Denn es ist klar, dass die Prostitution durch ein Verbot nicht aufhören wird zu existieren, aber die Bedingungen werden sich durch ein Verbot extrem verschlechtern. Ob dass dann richtig ist, wage ich zu bezweifeln. Feministisch ist es keinesfalls, die Frauen diesen Gefahren auszusetzen, es befriedigt einzig und allein die eigene Moral.

  • Pingback: In der Presse: Appell für und gegen Prostitution | menschenhandel heute()

  • Katrin Gottschalk

    Liebe LeserInnen.

    Das war eine diskussionsreiche Woche! Sexarbeit ist ein sehr emotionales Thema – auch für uns. Wir bedanken uns bei euch für die vielen interessanten Beiträge, für neue Aspekte innerhalb der Debatte und auch für die unterstützenden Worte.

    In unserer nächsten Ausgabe, die am 17. Februar 2014 erscheint, werden wir ein Dossier dem Thema Sexarbeit widmen. Darin wollen wir vor allem diejenigen zu Wort kommen lassen, deren Stimmen in dieser Diskussion leider immer wieder übertönt werden – die SexarbeiterInnen selbst. Wir werden aber auch schauen, warum das Thema gerade unter Feministinnen so eine Explosionskraft hat. Wir reichen Fakten nach. Wir überprüfen allgemein als wahr befundene Aussagen. Kurz: Wir machen das, was wir am besten können – einen queer-feministischen, kritischen Blick riskieren.

    Das heißt nicht, dass hier keine/r mehr weiter diskutieren und Meinungen kundtun soll. Wir wollen nur sagen: Wir haben euch gehört. Und: Wir sind dran.

    Eure Redaktion

  • SisterSister

    Entschuldigt bitte, aber je mehr ich mich mit diesem und anderen feministischen Themen beschäftige, desto mehr drängt sich mir der Verdacht auf, dass es im Grunde doch nur um Verbote geht. Wir wollen das dies verboten wird, wir wollen das jenes verboten wird. Wir wollen natürlich, das Frauen nicht mehr benachteiligt werden, aber Männer dürfen das dann schon. So kommt es mir vor. Prostitution ist ein Thema das die Gemüter erhitzt. Ich bin nach wie vor dafür über die Freiwilligkeit bei diesem Thema zu reden. Wenn man sich freiwillig für diese Arbeit entscheidet, dann sollte diese Entscheidung auch bei jeder Person allein liegen. Wenn dies freiwillig geschieht! Über die Zwangsprostitution braucht man in dem Fall wohl kaum reden, dass ist das Allerletzte. Allerdings finde ich es unfassbar, dass man versucht allen weiblichen Prostituierten das Stigmata des Opfers aufzudrücken. Wie sieht es eigentlich mit den männlichen Prostituierten aus? Oder ist das in dem Fall [mal wieder] egal? Ich bin keine Feministin, ich bin nur ein Mensch der für die Gleichberechtigung beiderlei Geschlechts ist. Und ich habe den leisen Verdacht, das es vielen Feministinnen [nicht allen] grundsätzlich nur darum geht, ein System gegen das andere zu tauschen. Die Frage ist nur: wird es dadurch besser? Ist es denn in Ordnung Männer zu unterdrücken oder ihnen „heimzuzahlen“ was sie uns vor 50 Jahren noch „angetan“ haben? Ist das nicht ein bisschen arg unfair?
    Anyway, ich weiß darum geht es in dieser Debatte nicht, loswerden musste ich es dennoch.
    Nächste Frage. Was sollen die Menschen machen wenn es geschafft wurde sie wieder in das Dunkel der Illegalität zu schieben? Wie möchte man den Menschen helfen, ihnen eine Perspektive bieten? Sollen sie vielleicht putzen gehen und sich für einen mickrigen Lohn zum Löffel machen? Wurde darüber eigentlich schon weitreichend nachgedacht?

    Zum Thema Dienstleistung: wenn ich eine Dienstleistung anbiete, möchte ich dafür bezahlt werden. Egal ob ich putzen gehe, Sex verkaufe, Kinder einhüte oder für andere Unternehmen Rechnungen schreibe. Ebenso steht es mit als Frau auch frei, für Sex zu bezahlen. Natürlich.. meistens sind es noch die Männer, aber ich könnte es auch machen, wenn ich es wollte. Es ist ja nicht so das es keine männlichen Sexarbeiter gibt.
    Ich persönlich denke, das in dieser Debatte einfach viel zu viel pauschalisiert wird. Eine Medaille hat zwei Seiten und diese sollte man auch mit Bedacht ansehen/anhören.
    Ich finde es gut, das die Missy Redaktion genau dies versucht. Allerdings, liebe Redaktion wird euer Versuch im Februar vermutlich scheitern, denn dies wurde ja schon versucht und entweder wurden diese Stimmen einfach nicht gehört [sie passen nicht ins Konzept]oder – und das ist eigentlich noch viel besser – man sagt ihnen, das sie Opfer sind, nicht wissen was sie reden und unterstellt den Prostituierten, das sie unterdrückt werden und gezwungen wurden dies zu sagen. :/

    Mit freundlichen Grüßen

  • Jens

    Toll, das mit dem Dossier! Fragt dann doch bitte auch ein paar Sexarbeiter und deren Kundinnen, wie die das sehen. Prostituierte sind ja nicht nur Frauen und Kunden nicht nur Männer.

    Viele Grüße Jens

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  • Fritz!

    Unter Menschenhandel und miesen Arbeitsbedingungen leiden auch die Bauarbeiter & Hendlschlachter aus dem Osten! Das muss für alle Betroffenen durch Polizei und Gerichte abgestellt werden! Ich hätte seinerzeit mein Geld auch lieber im alten Hotel Adlon als Gigolo in seidenen Betten verdient als auf dem Land mit schwerer Arbeit gegen das Verhungern zu kämpfen! Es geht nicht um die Arbeitsbedingungen der Huren (WIKI: lieb, begehrlich), sondern um die missionarische Durchsetzung der eigenen Moral gegenüber den Huren, durch die man sich selbst beschmutzt fühlt. Da man dabei aber sein liberales Mäntelchen nicht anpatzen will, erlaubt man den verblendeten Huren ihre Arbeit, versperrt aber den Freiern den Weg zu ihnen. Das erinnert mich an die späten 60er Jahre, als die Studenten uns ausgebeutete Werktätige von der Arbeit befreien wollten. So lange jemand keinem Anderen auf die Zehen steigt, sollte man sich an Wilhelm Busch halten: [Doch der brave Bauersmann dachte: „Wat geiht meck dat an!“].

  • Jan

    Auch die Behauptung, das neue Prostitutionsgesetz habe Deutschland zu einer “Drehscheibe” für Menschenhandel gemacht und das Vorgehen dagegen erschwert, ist schwer zu belegen. Fachleute, die Gegenteiliges behaupten, werden in der Debatte nicht gerne gehört – sie stören mit ihrem Hinweis auf fehlende Beweise die Argumentation.

    – Liebe Dame! Sie wissen nichts von Ihrem Glück. Ihre Unwissenheit und Naivität sind grenzenlos. Googeln Sie doch mal Frauen- und Mädchenhandel in Deutschland, jede Presse, ob rechts oder links, hat schon gemerkt, daß es einen Zusammenhang zwischen der Legalisierung der Prostitution und Zwangsprostitution gibt. Zeitungen, Amnasty, Gewerkschaften, Polizei. Ich dachte, frau/ man sollte recherchieren, bevor man einen Artikel schreibt. Am Besten, Sie arbeiten mal zur Recherche ein paar Wochen in einem Bordell, da würde Ihnen schnell aufgehen, daß es da nicht so zugeht, wie in Ihrem lustigen Raumschiff. Ihr Jan

  • m.n.

    liebe redaktion,
    ich bin schon sehr gespannt auf euer dossier. wichtig fände ich es, dass sowohl prostituierte die in ihren herkunftsländern schon diesem beruf nachgingen, sowie menschen die erst hier dazugekommen sind zu wort kommen.
    ihre beweggründe dort und hier zu erfahren und wie sie den begriff „selbstbetimmung“ selbst interpretieren…
    besten dank
    m.n.

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