Seitennavigation Katze Satire
Seitennavigation Menu IconMENU
Seitennavigation Search Icon

Neptun nimmt sie unerschrocken

Frauenzeitschriften sind voller Horoskope. Männer müssen allerdings darauf verzichten. Müssen sie?

25.02.16 > Satire

Von Ella Carina Werner

Ob in „Tina“ oder „Brigitte“, Horoskope treiben in Frauenzeitschriften immer tollere Blüten. Doch warum nicht in Männerzeitschriften? Die Antworten dazu blühen ebenso, vor allem in Internetforen. „Durch die Regelmäßigkeit ihrer Periode haben Frauen weniger Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass bestimmte Dinge im Leben in bestimmten Abständen wiederkehren“, schreibt jemand auf „gutefrage.de“.

@ Diane Haefner
Der Appell: Orakel für alle! Je nach Zielgruppe anders formuiert. @ Diane Haefner

Andere argumentieren, nur Frauen favorisierten das Übersinnliche, liebten den „Hauch des Geheimnisvollen“, deshalb stünde in Frauenzeitschriften so viel irrationaler Blödsinn. Doch wer das glaubt, hat noch nie das Männermagazin „Beef“ („Eier aus Stahl“) gelesen oder „Men’s Health“ („Effektive Penisvergrößerung“).

Mein liebstes Argument stammt aber von meiner Tante Amelie: „Weißt du, diese metaphysischen Sachen sind einfach nichts für Männer. Für Fische-Männer vielleicht, aber für Widder- und Skorpion-Männer? Niemals!“

Liegt es dann vielleicht am Vokabular, von dem sich Männer ausgeschlossen fühlen („Sie müssen einen Fehler ausbügeln“, „knüpfen Sie ein Band der Freundschaft“), oder an diesem ewig Zügelnden in Horoskopen? Andauernd ist in den Orakeln „Vorsicht geboten“, soll man „kürzer treten“ oder „abwarten“. „Im Grunde geht es um Mäßigung“, schreibt Horoskopforscherin Dr. Katja Furthmann in der „SZ“.

Früher war das alles anders. Wie die Farbe Rosa oder Leggins galt Astrologie einst als Männerding. Aus dem Sternenbild wollte man vor Jahrtausenden vor allem erfahren, ob man siegreich aus der nächsten Schlacht heimkehrt.

Aber genau das wollen doch alle wissen, auch heute, ob Mann, Frau oder nicht-binär, ob Hooligan, Gotteskrieger oder Mitglied des Deutschen Bundestags. Deshalb der Appell: Orakel für alle! Getrost je nach Zielgruppe anders formuliert, denn „Horoskope in Zeitschriften sind oft exakt auf ihre Leserschaft zugeschnitten“, schreibt Furthmann.

Sprich, ob zähmend oder anstachelnd („Neptun stimmt Sie unerschrocken!“), ob im Outdoor-Männermagazin „Walden“ („privat gibt’s Rückenwind: Stärke 7!“), „ADAC Motorwelt“ („nehmen Sie sich Zeit für einen stressfreien Nachmittag mit einem heißen Kakao über der Motorhaube“) oder dem neoliberalen „Fokus“ („Sie werden über Leichen gehen und dabei stinkreich werden!“), wäre doch für jeden etwas dabei.


Beitragsnavigation