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„Kämpfen wir für ein würdiges Leben für alle Geflüchteten oder versuchen wir, uns in den menschenverachtenden Strukturen zurecht zu finden?“

Women In Exile gehen im Sommer auf Bustour und sprechen sich weiterhin für die Abschaffung von Lagern aus.

01.06.16 > Inland

Von Women In Exile

„Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen!” ist seit 2011 das zentrale Thema der Kampagne von Women in Exile. Leider ist diese Forderung aktueller denn je. Angesichts der Tendenz, die Unterbringung in Geflüchtetenlagern als vermeintlich alternativlos hinzunehmen, fragen wir: Kämpfen wir für ein würdiges Leben für alle Geflüchteten oder versuchen wir, uns in den menschenverachtenden Strukturen zurecht zu finden? Wir sagen: Es ist unmöglich, unbeschadet von Schikane , Gewalt und Angriffen des Asylsystems und der Zwangsunterbringung durch die Zeit in den Lagern zu kommen.

© Verena Brüning
Women In Exile 2014 auf ihrer schwimmenden Demonstration auf dem Floß von Nürnberg nach Berlin © Verena Brüning

In diesem Sinne wird Women in Exile vom 24.07.- 14.08.2016 für drei Wochen auf Bustour gehen. Diesmal bundesweit. Von Magdeburg bis Köln, von Nürnberg bis Hamburg wollen wir die Frauen in den Lagern besuchen, sie kennenlernen und sie einladen, mit uns zu reisen. Uns geht es darum, mit geflüchteten Frauen und Freund*innen das zu tun, was bei ihnen vor Ort gerade an der Reihe ist. Wir bleiben bei unseren Forderungen, alle Lager abzuschaffen und fügen in jeder Stadt und Region, die wir besuchen, eine neue Forderung hinzu. Wir werden gemeinsam auf die Straße gehen, laut sein, zusammensitzen, Workshops abhalten, zusammen essen und feiern.

Viele Menschen, die sich kritisch gegenüber Rassismus positionieren, überlegen derzeit, wie sie Geflüchtete unterstützen können. Viele ehrenamtliche Helfer*innen sind in den letzten Monaten in die Heime gegangen. Zum Glück gab und gibt es sie, ihr Handeln ist eine wichtige Geste. Sie zeigt einen Gegenstandpunkt auf und stehen in Opposition zu jenen, die applaudieren, wenn Asylheime brennen.

Bei Podiumsdiskussionen sowie in Gesprächen mit Unterstützer*innen haben wir in den letzten Monaten immer wieder gehört, dass wir unsere Forderungen den neuen Umständen anpassen müssten. Wohnraum gäbe es in der Zeit, in der so viele Menschen hierher kämen, nicht für alle.

Wir sagen: Nein! Unsere Forderung ist zeitgemäß, sie passt besser denn je, sie wird immer aktueller. Geflüchtetenpolitik und vor allem die Unterbringung der Geflüchteten wird zunehmend zum lukrativen Geschäft, bei dem es um Profite geht – auf dem Rücken der Geflüchteten.

Für die Unterbringung einer geflüchteten Person zahlte der Berliner Senat im letzten Winter bis zu 50 Euro pro Nacht. Während die Besitzer*innen von Wohnungen und Hostels sowie die Betreiber*innen von Geflüchtetenlagern Profit einstreichen und Menschen dazu gezwungen werden, auf engstem Wohnraum zusammen zu leben, werden die Rechte von Geflüchteten beschnitten: Seit 17.3.2016 ist das Asylpaket II rechtsgültig. Posttraumatische Belastungsstörungen sind kein Abschiebehindernis mehr; derweil traumatisiert das Lagersystem die Menschen weiter. Sie werden traumatisiert durch die Zwangsunterbringung in den Lagern, durch die konkrete Gewalt, die sie in den Lagern erleben, und die strukturelle Gewalt des Asylsystems und den in Deutschland sehr präsenten Alltagsrassismus.

Das Asylsystem sieht nicht vor, Geflüchtete zu integrieren, weil es darum geht, sie stattdessen zu isolieren, von ihnen zu profitieren und einen großen Teil wieder abzuschieben. Auch wenn einige versuchen, das Leben im Lagersystem zu verbessern, zum Beispiel durch Schutzräume für Frauen, geschieht dies in einem Zwangssystem. Ein Zwangssystem, in dem ich nicht frei wählen kann, wer mich besucht, was ich esse und wann ich mit wem nach Hause komme, ein Leben oft auf sechs Quadratmetern und oft in einem Container.

Wir fordern: Freie Wahl des Wohnortes! Eine Wohnungspolitik die Wohnraum schafft, für alle!


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