Der Shoperfect

Mach mehr aus deinem Typ: Kuratiertes Online-Shopping verspricht Effizienz. Aber nur für Männer.

05.12.16 > Duales System

Von Ella Carina Werner

Wer kennt sie nicht: die rührigen „Mach mehr aus deinem Typ!“-Geschichten in zahlreichen Frauenzeitschriften. Präsentiert werden hilflose, graue Mäuschen, die nicht wissen, was sie mit sich anstellen sollen, bis endlich ein Beauty-Team vorbeikommt und ihnen einen neuen Look verpasst.

© Édith Carron
© Édith Carron

Was bisher belächelt wurde, ist jetzt salonfähig, ja steht sogar für Effizienz. Männliche Effizienz: kuratiertes Shoppen. Im Internet. Mithilfe von Algorithmen und menschlichen „Stil-Consultants“ lässt man sich Klamotten zusammenstellen, um den perfekten Style zu finden. Bisher richteten sich die Angebote fast auschließlich an Männer. Weil, so heißt es, Männer nicht gern shoppen, denn „zielloses Bummeln ist für den geborenen Jäger geradezu eine Tortur“ (www.wissen.de).

„Unsere Zielgruppe sind vielbeschäftigte Männer“, schreibt der Curated-Shopping-Gigant Outfittery und der Online-Erzrivale Modomoto erklärt, Männer seien „besonders gestresst“ und müssten daher überall Zeit sparen. Modomotos Slogan: „Gut gekleidet ohne Shopping“, denn Shopping ist bäh, igitt, Müßiggang und Weiberkram. Auch 8Select, dessen Kunden „kapitalstarke Männer“ sind, präsentiert statt schlunzigem Shoppen straightes ­„shoperfect with 8select“. Der Effizienz­gedanke durchtränkt auf dessen Website auch noch die letzte Zeile: „Growth! Lassen Sie Ihre Warenkörbe wachsen.“

Frauen hingegen sind nicht beschäftigt. Jedenfalls gibt es auf den wenigen Curated-Shopping-Seiten, die sich an Frauen richten, keine Hinweise darauf. „Stöbere ruhig!“, heißt es beschwörend auf Webseiten wie Kisura oder 3compliments, denn Stöberzeit bleibt zwischen Job, Kita und Kloputz allemal. Sogar „Spaß“ wird hier den Frauen versprochen, ein Terminus, den man auf den männlichen Seiten vergebens sucht.

Ein besonderes Merkmal der femininen Webseiten ist, dass sich die „sympathischen Stilberaterinnen“ in Kurztexten mit eigenen Modevorlieben vorstellen oder sie gar erzählen, mit welchem Promi sie am liebsten zu Abend essen würden. Das würde ich auch offline gern mal erleben – eine Verkäuferin bei Peek & Cloppenburg, die mich zwischen den Kleiderständern begrüßt: „Hallo! Ich bin Charlotte. Ich mag elegante, modische Looks und fühle mich in hochwertigen, zeitlosen Klassikern am wohlsten, die ich mit modischen Statement-Stücken zu aufregenden Outfits kombiniere. Und wenn ich mit einem Prominenten essen gehen dürfte, dann gern mit Michael Fassbender!“ Da Frauen ja endlos Zeit haben, könnte man dann stundenlang plauschen.


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