Missy rezensiert: Paulista – Geschichten aus São Paulo

Drei Stories hat dieser kleine, unspektakuläre Film zu erzählen – und alle drehen sich um nicht-heteronormative Liebesgeschichten.

12.03.13 > Film & Serien

Drei Stories hat dieser kleine, unspektakuläre Film zu erzählen – und alle drehen sich um nicht-heteronormative Liebesgeschichten. Der Regisseur Roberto Moreira schafft es dabei, einen einfühlsamen Blick auf die brasilianische Großstadt zu werfen und verschiedene Handlungsfäden unverkrampft miteinander zu verbinden.

Filmstill aus „Paulista“

Marina zieht von einer Kleinstadt nach São Paulo, um es dort als Schauspielerin zu schaffen und verliebt sich in eine auratische, aber selbstzerstörerische Sängerin. Ihre Mitbewohnerin Suzana, die als Scheidungsanwältin arbeitet und an ihrem Arbeitsplatz nicht als Transfrau geoutet ist, wird von ihrem Kollegen Gil umworben. Und dann ist da noch Jay, ein neurotischer Schriftsteller, der sich in die Sexarbeiterin Michele verliebt und mit ihr aus dem Tauschverhältnis ausbrechen will. Doch keine der drei Paarkonstellationen hat es einfach. Werden sie trotzdem zu ihrem Glück finden?

Moreira zeigt, mit welchen Widerständen seine HeldInnen umgehen müssen, um zum Glück zu gelangen. Dabei ist ihm ein sympathischer, leider etwas zu kurzer und zu pessimistischer Film gelungen, in dem die Potenziale für ein anderes Liebesleben zwar kurz aufblitzen, aber scheinbar kaum zu realisieren sind. Unprätentiöses Schauspiel und nicht zuletzt der Soundtrack von Radiohead versprechen einen Kino-Abend voller Großstadt-Sehnsucht. Ein Klassiker wird „Paulista“ sicher nicht werden, ein kleiner feiner Film bleibt er trotzdem.

Text: Tim Stüttgen

„Paulista“ BR 2009 Regie: Roberto Moreira. Mit: Ailton Graça, Gustavo Machado, Maria Clara Spinelli u.a., 82 Min., Start: 14.03.

  • YOYO

    Inwiefern sind denn die zweite und die dritte genannte Geschichte nicht „heteronomative Liebesgeschichten“?


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