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Rosen und Wachpersonal

Der Verein „Women in Exile“ besuchte drei Unterkünfte für Geflüchtete in Brandenburg. Ein Bericht

27.03.16 > Inland

Von Women in Exile e.V.

„Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen!“ ist seit 2011 das Thema unserer Kampagne. Leider ist diese Forderung aktueller denn je.  Am 8. März zogen wir, 20 Frauen, deshalb los, um geflüchtete Frauen in drei Brandenburger Unterkünften zu besuchen. Anlässlich des Internationalen Frauen*tages wollten wir Frauen in den Flüchtlingslagern Rosen und Flyer mit Informationen bringen.

©Women in Exil
Aktivistinnen diskutieren mit einem Wachmann. ©Women in Exile

Zuerst besuchten wir das Flüchtlingsheim in Henningsdorf. Zutritt bekamen wir dort allerdings erst nach längeren Diskussionen mit dem Wachpersonal. Das Team des WDR, das uns begleitete, wurde nicht eingelassen.

Bei strahlendem Sonnenschein, in solidarischer Stimmung, fuhren wir anschließend weiter in Richtung Potsdam, Lerchensteig. Dort wohnen Geflüchtete in Containerunterkünften. Hier war das Personal des Trägers, der Arbeiterwohlfahrt, freundlicher. Sie wollten uns aber auch nicht hereinlassen. Die „Privatsphäre“ wird in solchen Fällen oft als Argument genannt. Doch wir ließen uns nicht aufhalten und sprachen mit einigen Frauen, die dort wohnen, und verteilten Blumen.

Weiter ging es zum nächsten Ziel in Potsdam: Die Erstaufnahmeeinrichtung in der Heinrich-Mann-Allee. Am Eingang sahen wir ein Schild: Freiwillige Helfer*innen bitte melden. Empfangen wurden wir allerdings von Sicherheitspersonal, das uns den Zutritt verwehrte. Nach langer Diskussion schickte man uns in den Container, der als Speiseraum dient. Auf dem Weg dorthin stellten sich uns wieder Männer des Wachpersonals und der Leiter des Lagers, das vom Deutschen Roten Kreuz betrieben wird, in den Weg.

Wir waren gekommen, um mit den Frauen zu sprechen und nicht, um uns von Männern des Wachpersonals schlecht behandeln zu lassen.

Wir fragen uns immer wieder: Welche Hausverwaltung erwartet von den Bewohner*innen eine Ankündigung, wenn sie Freund*innen zum Kaffee einladen? Und: Container sind für Waren und nicht für Menschen, oder?

Wir sagen: Nein! Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen! Unsere Forderung bleibt aktuell!

Während es in der Flüchtlingspolitik, vor allem bei der Unterbringung der Geflüchteten, zunehmend um Business und Profite geht – auf Kosten der Betroffenen – werden die Rechte der Menschen beschnitten.

Seit dem 17.3. ist das Asylpaket II rechtsgültig, posttraumatische Belastungsstörungen sind kein Abschiebehindernis mehr. Gleichzeitig traumatisiert dieses profitable Lagersystem weiterhin Menschen. Geflüchtete werden durch direkte Gewalt in den Lagern, die strukturelle Gewalt des Asylsystems und den in Deutschland sehr präsenten Rassismus traumatisiert.

Warum müssen Ehrenamtliche Essen austeilen, wenn stattdessen Bedingungen geschaffen werden könnten, die es Flüchtlingen ermöglichen, sich in würdiger Weise ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen?

Weil es das Asylsystem nicht vorsieht, Flüchtlinge zu integrieren, weil es darum geht, sie zu isolieren, von ihnen zu profitieren und einen großen Teil wieder abzuschieben. Auch wenn einige versuchen, das Leben im Lagersystem zu verbessern und versuchen Schutzräume für Frauen und LGBTI*-Personen zu schaffen, geschieht dies in einem Zwangssystem.

Einem Zwangssystem, in dem ich nicht frei wählen kann, wer mich besucht, was ich esse oder wann ich mit wem nach Hause komme, ein Leben auf sechs Quadratmetern, ein Leben im Container.

Wir fordern: Freie Wahl des Wohnortes und eine Wohnpolitik, die Wohnraum für alle schafft!

 

 

 

 


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