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Revolution Girl Style 2.0

Unverblümt, politisch und kompromisslos: Skinny Girl Diet eignet sich negativ besetzten (digitalen) Raum an.

16.08.16 > Musik

Von Ann-Kathrin Mogge

Skinny Girl Diet Weight Loss. Skinny Girl Diet Results. Healthy Skinny Girl Diet. Google ist mit der Suchanfrage nach der Londoner Punkband Skinny Girl Diet auch zwei Jahre nach dem Release von „Girl Gang State Of Mind“ noch ziemlich überfordert und versucht stattdessen lieber, mir ein „rrrr“ für ein „o“ zu verkaufen. Genau so, so die Band in unzähligen Interviews, ist die Namenspolitik aber begründet: sich den negativ besetzten (digitalen) Ort aneignen, der schlanke Frauen und nicht-binäre Personen zum Hungern aufruft, und ihn mit eigenen Inhalten und neuen Diskursen füllen.

© Fiascore Recordings
© Fiascore Recordings

Das kam zuletzt auch bei der britischen „Vogue“ an, die SGD im Mai mit einer Handvoll weiterer Bands ins Heft holte, deren einzige Gemeinsamkeit darin besteht, dass Frauen gemeinsam musizieren. Zum Elend des Rezensionszusammenhangs, zur Fremdverortung in der Medienlandschaft, zum Framing von Bands wie SGD im Narrativ zeitgenössischer Musik ist damit erst mal alles gesagt.

„Girl Gang State Of Mind“ also. Diesem Mindset der reziproken Gangmentalität, des „Take No Shit“, huldigt auch ihr Video zu „Silver Spoons“ aus dem letzten Jahr, das zugleich ein visuelles Klassenstatement ist und klarstellt, wie/wo SGD sich selbst positionieren.
Musikalisch ist nicht zu leugnen, dass Skinny Girl Diet (die ursprünglich als Typical Girls starteten und als Opener von Viv Albertine begannen, Slits olé!) die US-amerikanischen Riot-Grrrl- und Grunge-Platten der frühen 90er mit ihren Eltern als Kids hoch und runter gehört haben. Aber auch die Rezeption von X-Ray Spex, The Raincoats und Strawberry Switchblade hat Spuren hinterlassen.

Anachronistisch kommen Skinny Girl Diet trotzdem nicht rüber, ihre Musik ist kein verkitschter Eskapismus in die 1990er, als alles irgendwie noch „besser“ und „relevanter“ schien. Vor allem, und das macht den Reiz der Band aus, ist ihr audiovisuelles Auftreten, ihre offenkundige Rezeption von Genreheld*innen (und ihr Fandom!) kein inhaltsleerer, bloß noch stilrelevanter Ausbruch, sondern dient als Tableau zur Benennung und Verhandlung all jener Missstände, die sich auch in den 25 Jahren seit der Veröffentlichung von „Revolution Girl Style Now!“ nicht abstellen ließen.

So sind die spannendsten Momente in der Beschäftigung mit der Band ebenjene, in der sie nicht zum vierhundertsten Mal die Genese ihres Sounds und ihr Verwandtschaftsverhältnis erläutern, sondern politisch klare Stellung beziehen. Zum Brexit, Generationengerechtigkeit, Rassismen, Sexismen. Diese kompromisslose Haltung ist auch deshalb möglich, weil die Band bis heute ihre Musik selbst veröffentlicht – die Produktion der im September erscheinenden neuen Platte haben SGD durch Touring finanziert.

© Fiascore RecordingsSkinny Girl Diet
„Heavyflow“
erscheint am 21. September
Am 1. September spielen sie im Rahmen des Pop-Kultur Festivals im KELLER in Berlin.

„We are lacking bands to unite behind“, monieren SGD in ihrem Interview mit der britischen Website Nightmare Digital. Skinny Girl Diet schicken sich an, so eine Band zu sein. Am 1. September spielen sie ihre erste Deutschlandshow im Rahmen des Festivals Pop-Kultur Berlin in der Kultstätte KELLER, am 21. September erscheint das neue Album „Heavyflow“. Also, why diet when you could riot?


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