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Team Märchentanten: Jorinde und Joringel im Genderbender-Remix

Es war einmal ein altes Schloss, das mitten in einem großen und dichten Wald stand. Darin wohnte ganz alleine eine alte Zauberin. Tagsüber verwandelte sie sich in eine Katze oder in eine Eule, aber nachts nahm sie ihre menschliche Gestalt an. Wenn jemand näher als 100 Schritte zu dem Schloss kam, erstarrte er und konnte sich nicht mehr bewegen, bis sie ihn lossprach.

09.06.13 >

Hier ist nun meine Version von „Jorinde und Joringel“ mit vertauschten Rollen. Das Original wurde von den Gebrüdern Grimm niedergeschrieben. Ich habe mich an die Version gehalten, die man unter folgendem Link online finden kann: http://www.maerchen.com/grimm/jorinde-und-joringel.php. Zum Teil ist es wörtlich übernommen und zum Teil habe ich mir erlaubt, Passagen zu kürzen oder umzuformulieren und an die aktuell gültige Rechtschreibung anzupassen.

Es war einmal ein altes Schloss, das mitten in einem großen und dichten Wald stand. Darin wohnte ganz alleine eine alte Zauberin. Tagsüber verwandelte sie sich in eine Katze oder in eine Eule, aber nachts nahm sie ihre menschliche Gestalt an. Wenn jemand näher als 100 Schritte zu dem Schloss kam, erstarrte er und konnte sich nicht mehr bewegen, bis sie ihn lossprach. Wenn aber ein keuscher Jüngling in diesen Kreis kam, so verwandelte sie denselben in einen Vogel, sperrte ihn dann in einen Korb ein und trug ihn ins Schloss, wo sie wohl an die siebentausend solcher Körbe mit Vögeln drin hatte.

Nun war einmal ein Jüngling, der hieß Joringel. Er war schöner als alle anderen Jungen. Er und eine gar schöne Jungfrau namens Jorinde hatten sich einander versprochen. Damit sie vertraut miteinander reden konnten, gingen sie im Wald spazieren.“Hüte dich“, sagte Jorinde, „dass du nicht so nahe ans Schloss kommst“. Es war ein schöner Abend, aber sie verliefen sich und Joringel weinte. Auch Jorinde klagte. Sie sahen sich um, aber sie wussten nicht, wohin sie nach Hause gehen sollten. Jorinde sah durchs Gebüsch und sah die alte Mauer des Schlosses nah bei sich. Sie erschrak und ihr wurde Angst und Bange. Sie hörte Joringel singen, doch der Gesang verwandelte sich alsbald in Gezwitscher. Joringel war in eine Nachtigall verwandelt. Eine Nachteule mit glühenden Augen flog um sie herum. Jorinde konnte sich nicht regen. Sie stand da wie ein Stein, konnte nicht weinen und nicht reden. Die Sonne ging unter und die Eule flog hinter einen Strauch. Gleich darauf kam eine alte krumme Frau aus diesem hervor. Sie murmelte etwas, fing die Nachtigall ein und trug sie auf der Hand fort. Jorinde konnte nichts sagen, nicht von der Stelle kommen und die Nachtigall war fort. Endlich kam das Weib wieder und sagte mit dumpfer Stimme einen Zauberspruch. Jorinde konnte sich wieder bewegen. Sie fiel vor dem Weib auf die Knie und bat, sie möchte ihr ihren Joringel wieder geben. Aber die Zauberin sagte, dass sie ihn nie wieder haben würde und ging weg. Jorinde rief, sie weinte, sie jammerte, aber alles umsonst.

Schließlich ging sie fort und kam in ein fremdes Dorf, wo sie blieb und fortan die Schafe hütete. Oft ging sie um das Schloss herum, aber nie zu nahe heran. Eines Nachts träumte sie, dass sie eine blutrote Blume mit einer schönen, großen Perle in der Mitte fand. Sie brach die Blume ab und ging damit zum Schloss. Alles, was sie mit ihr berührte, wurde von der Zauberei befreit. Sie träumte, dass sie dadurch Joringel wieder bekommen hätte. Als sie am Morgen erwachte, fing sie sofort an, nach dieser Blume zu suchen. Sie suchte acht Tage und Nächte lang. Am neunten Morgen fand sie die rote Blüte. In der Mitte war ein großer Tautropfen, der aussah wie die schönste Perle. Sie pflückte sie und trug sie bis zum Schloss. Obwohl sie schon näher als 100 Schritte war, wurde sie nicht versteinert. Die Pforte öffnete sich durch die Berührung mit der Blume. Jorinde ging hinein, durch den Hof und horchte dem Gezwitscher der Vögel. Sie führten sie in den Saal, in dem die alte Zauberin ihre siebentausend, in Körben sitzenden, Vögel fütterte. Sie wurde sehr böse, als sie Jorinde erblickte, spie Gift und Galle gegen sie aus, aber sie konnte nicht näher als zwei Schritte an sie ran kommen. Jorinde beachtete sie nicht und besah sich die vielen Nachtigallen. Wie sollte sie nur ihren Joringel erkennen? Aus dem Augenwinkel sah sie, wie die Alte heimlich versuchte, ein Körbchen nahm und damit Richtung Tür ging. Flugs sprang sie hinzu und berührte das Körbchen und das Weib mit der Blume. Die Zauberin konnte nicht mehr zaubern und Joringel war wieder ein Mensch, so schön wie er ehemals war und fiel Jorinde um den Hals. Sie verwandelte alle anderen Vögel wieder zu Jünglingen und ging mit ihrem Joringel nach Hause und sie lebten lange vergnügt zusammen.

Schneeweißchen