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Durch die verschlossene Tür

Die 10. Berlin Biennale markiert eine radikale Wende in der 20-jährigen – bis dato sehr weißen – Geschichte.

30.08.18 > , Kunst

Interview: Nine Yamamoto- Masson

Unter dem von Tina Turner geborgten Titel „We Don’t Need Another Hero“ zeigt die Ausstellung Werke von fast fünfzig herausragenden Künstler*innen, die aus komplexen, oft marginalisierten Perspektiven die Machtgefüge von dominanten (Geschichts-)Erzählungen beleuchten. Dabei wird besonders auf die Nachwirkungen des Kolonialismus eingegangen, die die Welt bis heute prägen, auch wenn die bewusste Erinnerung Deutschlands an die eigene Vergangenheit als Kolonialmacht äußerst selektiv ist. Diesem Spuk schaut die von der südafrikanischen Künstlerin und Forscherin Gabi Ngcobo und ihrem Team kuratierte Biennale im geschichtsträchtigen Berlin ins Auge.

Gabi, du hast einmal geäußert, dass du anstrebst, „weit über Kunst hinaus zu denken“. Wie war das gemeint?
Gabi Ngcobo: Bei unserer Arbeit an der Berlin Biennale wollten wir uns nicht auf die Sphäre der Kunst einschränken lassen. Dieser Ansatz hat unsere Recherchen und Reisen geleitet: Wir wollten natürlich Künstler*innen treffen, aber auch Menschen, die nicht professionelle Künstler*innen sind. Etwa Musiker*innen, Architekt*innen oder auch Leute, die finanzielle Mittel verwalten oder Politik machen. Wir wollten die Bedingungen verstehen, unter denen Künstler*innen arbeiten. Es ist wichtig, dieses Gespräch wirklich auszudehnen, damit Kunst nicht immer nur in Bezug auf sich selbst steht, sondern Verbindungen zu anderen Themen und Feldern erforschen kann. Das prägt auch den Katalog dieser Biennale: Statt für die genretypischen kunsthistorischen Aufsätze haben wir uns dafür entschieden, verschiedene Positionen von Menschen einzubringen, die aus ihrer jeweiligen akademischen Perspektive in historische Momente blicken. Sie zeigen uns unerwartete Denkweisen, z. B. die Dinge durch die sehr komplexe Figur der Grace Jones zu betrachten. Es ist sehr spannend, jenseits der wörtlich genommenen „Kunst“ zu denken; so öffnet sich ein Raum der Freiheit.

Ihr habt sehr viel vor Ort in Berlin recherchiert, über selbstorganisierte Bürger*innengruppen – nicht nur im Rahmen von Kunstprojekten, sondern auch in Grassroots-Community-Initiativen, die sich für Aufarbeitung von Geschichte und für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen. Bei dieser Recherche war die 

Zusammensetzung des Kurator*innenteams sicherlich wichtig: Während Yvette in Deutschland aufgewachsen ist, musste der Rest des kuratorischen Teams wohl in kurzer Zeit sehr viel über deutsche Kontexte lernen. Wie hat es eure kollaborative Arbeit beeinflusst, im Team langjährig lokales Wissen zu haben wie auch „frische“ Perspektiven?
G.N.: Dank Yvette kam die Verbindung zu EOTO e.V., einem Schwarzen Bildungsprojekt, das 2014 als Kiezbibliothek in Berlin-Wedding gegründet wurde, zustande. Es ist sehr wichtig, dass das öffentliche Programm der Biennale – also deren allererste Veranstaltungen im Sommer 2017 – mit der Zusammenarbeit mit EOTO eingeläutet wurde. Sie war für die gesamte Arbeit an der Biennale tonangebend. Yvette ist natürlich viel mehr als nur eine Insiderin, die uns lokales Wissen vermittelt – sie ist eine fantastische Intellektuelle! Wir haben schon vor der Bien…

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