Rechtlich sind wir Fremde

Nicht nur für die Liebe, sondern auch für die Ehe zu dritt kämpfen Andrés, Max und Oliver.

03.09.18 > Sex & Beziehung

Protokoll: Elena Kuss

Andrés, Max und Oliver leben seit elf Jahren in einer Dreierbeziehung. Oliver liebt Andrés und Max. Andrés liebt Max und Oliver. Und Max liebt Oliver und Andrés. Andere gibt es nicht. Die drei wollen heiraten. In Deutschland ist das jedoch nur Paaren vorbehalten.

„Wir haben uns ein Haus gekauft“, sagt Max. Jeder hat genau ein Drittel bezahlt. „Wir haben uns wirklich viele Gedanken über Geld, Tod der Partner und andere ernste Dinge machen müssen“, meint Andrés. Eine Ehe zu dritt würde alles leichter machen, da sind sie sich sicher. 

©Stefhany Y. Lozano

Oliver und Andrés leben in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft. „Sonst hätte ich nicht in Deutschland bleiben können“, ergänzt Andrés knapp. Der Chilene ist zum Studieren nach Deutschland gekommen. Damals gab es nicht nur die beiden. Sie verabredeten sich auch mit anderen Männern, waren in Online-Dating-Portalen aktiv und haben so Max kennengelernt. „In unserem Bekanntenkreis gibt es einige Paare, die sich mit Dritten treffen“, sagt Oliver. Die meisten verlieben sich nicht – aber es passiert. „In unserer Straße gibt es eine weitere Dreierbeziehung: auch drei Männer“, erzählt Andrés.

„Im Chat stellte sich ziemlich schnell heraus, dass Andrés und Oliver zu zweit sind“, erinnert sich Max. Die drei trafen sich, sie redeten und schliefen miteinander, und beides passte. Max war damals 19, Oliver 30 und Andrés 32 Jahre alt. „Max war wirklich noch ein kleiner Bub“, scherzt Andrés.

Jetzt gehört Max dazu, er ist Teil der Beziehung. Doch bei einem Notfall kann es sein, dass er keine Auskünfte bekommt, keine Entscheidungen treffen darf. Und auch Renten, Sozialleistungen, Ehegattensplitting und vieles mehr sind an die Ehe geknüpft. „Rechtlich bin ich eine komplett fremde Person für euch“, bringt es Max auf den Punkt. Es sei Zeit für eine Ehe, die für wirklich alle gilt. Und bis dahin? „Wir haben eine Lebensversicherung abgeschlossen und uns jeweils im Testament erwähnt“, so Oliver.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 04/18.

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