Die Unsichtbaren

In ihrem jüngsten Roman begleitet Lucía Puenzo drei Jugendliche durch ihren Alltag in Argentiniens Hauptstadt.

Von Isabella Caldart

„… weil von allem, was sie kannten, Adrenalin das war, das Glücksgefühlen am nächsten kam.“ Mehr als Adrenalin haben sie in ihrem Leben nicht, die beiden Teenager Ismael und Enana sowie der erst sechsjährige Ajo, die zusammen eine eingeschworene Diebesbande bilden. Ihr Revier: der Plaza Once in Buenos Aires. Hier sind sie aufgewachsen, hier kennen sie sich aus.

Lucía Puenzo ist Schriftstellerin, Regisseurin und Drehbuchautorin © Laura Ortego

Als sie von ihrem undurchsichtigen Auftraggeber illegal nach Uruguay und dort in eine Art Gated Community geschickt werden, um die Anwesen der oberen ein Prozent auszurauben, wendet sich das Glück des Dreierteams. Gefahr droht ihnen jetzt nicht nur durch den Patrón selbst, sondern auch von den argwöhnischen Reichen und den Wirrnissen eines Landes, das sie nicht kennen.

Lucía Puenzo „Die man nicht sieht“
Aus dem argentinischen Spanisch von Anja Lutter. Wagenbach, 208 S., 20 Euro

Die argentinische Schriftstellerin, Regisseurin („XXY“) und Drehbuchautorin Lucía Puenzo beschreibt in „Die man nicht sieht“ eine der essenziellsten wie tragischsten Facetten des lateinamerikanischen Alltags: das Leben von Kindern in den Slums, die Gewalt, Ausbeutung, Vergewaltigung und Armut schutzlos ausgesetzt sind und deren beste Wahl es ist, sich als Dieb*innen und Einbrecher*innen zu verdingen. So sind im Roman auch jene Stellen am spannendsten, die vom Leben auf den Straßen Argentiniens erzählen, und nicht die krimihafte Handlung selbst.

„Die man nicht sieht“ ist ein Buch, das auf nur 200 Seiten viele Aspekte berührt und durch wechselnde Perspektiven disparate Sichtweisen zulässt. Allein dem etwas zu abrupten Ende hätte weniger Dramatik keinen Abbruch getan.

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