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Widersetz dich dem System

Unter dem Titel „System.Lure“ fand zum vierten Mal das 3hd Festival statt.

03.12.18 > Kunst

Von Jesse R. Buendia

Dieses Jahr fand zum vierten Mal vom 23. bis 27. Oktober das 3hd Festival statt. Das Festival, das generell gesellschaftliche Machtbeziehungen untersucht, hinterfragte diesmal unter dem Motto „System. Lure“ die Beziehungen zwischen Mensch und Maschinen, Gesetz und Staat sowie Geld und Kapitalismus und veranschaulichte mit verschiedenen Events die Möglichkeiten von Widerstand und Kritik. So beschäftigten sich Künstler*innen wie Miriam Yammad, Salim Bayri oder Selin Davasse im Kunstquartier Bethanien mit den dominanten Strukturen in der Gesellschaft. Mit ihren Fotografien, Videos und Installationen kritisierten und hinterfragten sie anhand von Themen wie Beziehungen oder Identitätskonstrukten, was Systeme sind und wer daran teilnimmt bzw. überhaupt teilnehmen kann.

©Anastasia Muna

Während im Kunstquartier Bethanien Strukturen hinterfragt wurden, fanden im HAU Hebbel am Ufer die musikalischen Widerstände statt. So wurden dort einerseits ein Cross-Workshop angeboten, bei dem Autor*innen, Musiker*innen und Produzent*innen teilnehmen konnten, um kollektiv ein audiovisuelles Werk zu erschaffen, welches das Thema des Festivals visuell verkörpern sollte. Die Arbeit wurde später auf dem „999“ Event ausgestrahlt, das ebenfalls im HAU Hebbel am Ufer stattfand. Die Zahl 999 ist hierbei als himmlisches Symbol zu verstehen, die nicht die 1000 erreicht. Der kleine Raum zwischen 999 und 1000 gilt als Raum, in dem Ideen entstehen können, die außerhalb unseres Verständnisses liegen. Drei Künstler*innen sollten diese himmlische Zahl mit ihrem radikalen und dystopischen Sound ausdrücken: Fauna, Nadah El Shazy und STILL. Als Pendant fand einen Abend zuvor das „333“ Event statt. 333 ist als Engelsnummer von Macht und Energie zu verstehen. Die drei Engel an diesem Abend waren lo-fi psychedelic Produzent*in Yearning Kru, queer Underground-Pop-Queen MHYSA und HYD.

Widerstand leisten kostet viel Kraft. Unter dem Titel „Energy Exchange“ traten diverse Künstler*innen auf, die ihre Energie mit dem hippen Publikum in der Berghain Säule austauschten. Obwohl musikalisch einige Künstler*innen, wie z. B. Bob Vylan mit ihrer Punkmusik und QT mit ihrer positiven PC-Musik, nicht unterschiedlicher sein könnten, entstand dennoch aufgrund der Interaktion der Künstler*innen mit dem Publikum ein besonderer Vibe, der wichtig war, um eine solche Bandbreite an Musikgenres an einem Abend zuzulassen. Den absoluten Break-down gab es dann am letzten Abend des Festivals im OHM. Dem Titel der Veranstaltung entsprechend war aggressiver, unvorhersehbarer Breakbeat und Footwork zu hören, u. a. von DJ Paypal, Mitglied der besagten Teklife Crew.

Auch in diesem Jahr haben die Creamcake-Gründerinnen Anja Weigl und Daniela Seitz bewiesen, wie relevant ihr progressives, diverses Festival ist. So wurde das Festival nicht nur fast ausschließlich von Frauen organisiert und aufgebaut, sondern auch das  Programm zeugte von Diversität und Queerness. Die Möglichkeit zur Teilnahme am Workshop zeigte auf, dass wir alle von herrschenden Strukturen betroffen sind und Widerstand leisten müssen. Das 3hd Festival weist die nötige Radikalität auf, die vielleicht gerade im heutigen digitalen Zeitalter notwendig ist.

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