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Spanische Sexarbeiter*innen unter Druck

Um die Gewerkschaft zum Schutz von Sexarbeiter*innen zu verhindern, plant Spanien ein Verbot von Prostitution.

07.12.18 > Europa,

Von Carmela Negrete

Am Freitag wurde in Spanien ein neuer Gesetzesentwurf bekannt, der ein Verbot von Bordellen sowie eine Kriminalisierung von Freiern vorsieht. Die Tageszeitung El País veröffentlichte Auszüge aus dem 50 Seiten langen Text mit dem Titel „Entwurf für ein integrales Gesetz gegen den Menschenhandel insbesondere jener zum Zweck der sexuellen Ausbeutung“.  Geschrieben wurde er von einer Kommission gegen Menschenhandel und die sozialdemokratische Regierung von Pedro Sánchez erwägt, diesen Vorschlag nun zu übernehmen.

Spaniens Regierung will keinen Schutz für Prostituierte ©Nine Kopfer

Die Gewerkschaft der Sexarbeiter*innen OTRAS (Organización de Trabajadoras Sexuales) twitterte dazu: „Stell dir vor, dass an Stelle von Prostitution die Landwirtschaft oder die Textilindustrie stünde.“ Erst im August wurde die OTRAS offiziell anerkannt, was zu einer heftigen Debatte führte. Die Generaldirektorin für Arbeit, Concepción Pascual, die die Prostituierten-Gewerkschaft genehmigt hatte, musste zurücktreten, nachdem es in ihrer Partei Empörung über die Zulassung gab und angekündigt wurde, diese wieder rückgängig zu machen. 

Ende November erklärte nun die Audiencia Nacional, das Oberste Gericht Spaniens, die Gewerkschaft für ungültig. Die Entscheidung basiert auf der Argumentation, dass Prostitution keine legal geregelte Aktivität sei. Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung stehen in Spanien zwar unter Strafe, Prostitution hingehen ist nicht illegal. Bordellbetreiber sind zudem seit langem in einem eigenen zugelassenen Verband organisiert, mit dem sie ihre Interessen vertreten.

Eine Sprecherin von OTRAS erklärte auf Anfrage des Missy Magazine, das Urteil sei noch nicht rechtskräftig und es sei Einspruch eingelegt worden. Man wolle sich mit allen Kräften darauf konzentrieren. Denn eine Illegalisierung der Gewerkschaft würde nicht nur Prostituierte betreffen, sondern auch die Rechte anderer Arbeiter*innen verletzen, die dort organisiert sind und Tätigkeiten im Zusammenhang mit „Sexarbeit“ nachgehen: Tänzer*innen, Erotik-Schauspieler*innen oder Mitarbeiter*innen telefonischer Hotlines.

Darüber hinaus würden mit einem Verbot gewerkschaftliche Rechte im Allgemeinen erschüttert. Es könnten Türen geöffnet werden, andere ähnliche Organisationen ebenfalls zu verbieten, etwa die Gewerkschaft der Straßenhändler (Sindicato de manteros), deren Tätigkeit ebenfalls nicht gesetzlich geregelt ist, da die meisten Mitglieder über keine gültige Aufenthaltserlaubnis verfügen.

Solidarität erfuhr OTRAS durch ein Manifest, das  300 bekannte Feministinnen unterschrieben haben. Sie erklären darin, unterschiedlicher Meinung zu Sexarbeit zu sein, aber einig darüber, dass Sexarbeiter*innen sich gewerkschaftlich organisieren dürfen sollen. Andere Gewerkschaften zeigten sich vorerst vorsichtig. Nur die den Sozialdemokraten nahestehende UGT (Unión General de los Trabajadores) trat entschlossen für ein Verbot ein, weil sie dies als „Kampf gegen den Menschenhandel“ verstehe. Die anarchosyndikalistische CGT in Katalonien dagegen sprach sich deutlich dafür aus, dass die Prostituiertengewerkschaft das Recht behält, „gegen die prekäre Situation in der diese Frauen – meist Migrant*innen – leben“, anzukämpfen.

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