Von Kathrin Glösel und Natascha Strobl

Wiederholt schlüsseln Wähler*innenstromanalysen auf, dass rechtsextreme Parteien überdurchschnittlich oft aus den sogenannten „unteren Schichten“ mobilisieren, also bei ehemals traditionellen Wähler*innen der Sozialdemokratie oder anderer linker Parteien. Zu diesen Analysen bedarf es einer Anmerkung: Zum einen müssen wir uns fragen, wer überhaupt wählen darf und ob nicht maßgebliche Teile dieser „unteren Schichten“ vom Wählen ausgeschlossen sind. Zum anderen müssen wir prüfen, wie viel Prozent von denen, die wählen dürfen, es auch tatsächlich tun. So hat der Reichtums- und Armutsbericht in Deutschland etwa erhoben, dass die Teilnahme an Wahlen bei jenen, die nur wenig verdienen, am geringsten ist – und noch dazu seit einigen Jahren stark sinkt. Das bedeutet, dass die Interessen ökonomisch benachteiligter Menschen am Ende weniger repräsentiert werden.

Doch wer wählt dann tatsächlich rechts? Sind es „die Arbeiter“, die „kleinen Männer“, die Prekären, die Jobsuchenden? Sind sie vielleicht einfach anfälliger für laute, autoritäre, rechte Propaganda und Hassgefühle?

Rassismus und Hass gegen (feministische) Frauen, gegen Arme und gegen LGBTIQ-Personen finden sich in allen Teilen der Gesellschaft. Das hat der Soziologe Wilhelm Heitmeyer für Deutschland mit seinem Team in der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ belegt, die von 2002 bis 2011 Ausmaß, Entwicklungen und Ursachen von Vorurteilen gegen gesellschaftliche Gruppen untersucht hat. Die Langzeitstudie zeigt, dass autoritäre Einstellungen keinesfalls nur in einer vermeintlich „unzivilisierten Unterschicht“ zu finden sind, sondern gerade dort, wo Manierlichkeit großgeschrieben wird: im bürgerlichen Mittelstand. Heitmeyer spricht von einer „rohen Bürgerlichkeit“, die sich durch eine rabiate Rhetorik und autoritäre Einstellung auszeichne. Das hei…