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Im Zweifel für den Widerspruch

Irgendwo zwischen linksradikal und rechtspopulistisch bewegen sich Antideutsche. Was steckt dahinter?

06.02.19 > Inland

Von Bahar Sheikh

Antideutsch sei fast schon eine Beleidigung, hört man in nicht-antideutschen linksradikalen Kreisen immer wieder. Auch in bürgerlichen Medien fragt man sich, was es mit dieser auf den ersten Blick skurril erscheinenden Strömung auf sich hat. Im „Zeit Magazin“ fragt Journalist Mohamed Amjahid nicht umsonst mit einer gewissen Naivität: „Was soll das sein, ‚Antideutsche‘? Deutsche, die gegen sich selber sind? Was soll das bedeuten?“

Wer heute an Antideutsche denkt, denkt an „Islamkritik“, Szene­kneipen, Israelfahnen und vielleicht an die Zeitschrift „Bahamas“, die immer wieder mit rassistischen und antifeministischen Inhalten auffällt. Für die meisten bleiben die vermeintlichen USA- und Israelliebhaber*innen eine ungreifbare Erscheinung. Doch was bedeutet „antideutsch“ für die radikale Linke und was macht die Strömung aus?

1989 stellte sich vor allem der antideutsche Teil der radikalen
Linken gegen die deutsche „Wiedervereinigung“ und die damit verbundene 
nationalistische Euphorie. Ihr bekanntester Slogan „Nie wieder Deutschland“ bezog sich auf die Angst vor einem „vierten Reich“, mit dem sie sich durch ein vereintes Deutschland konfrontiert sahen. Sie ernannten sich selbst zur „Kraft der Negation“ und organisierten 1990 im Bündnis „Radikale Linke“ Demos und Kongresse gegen den befürchteten nationalen Chauvinismus, Rassismus und Antisemitismus als Folge des Wiedervereinigungstaumels. Ihre Befürchtungen sollten durch die rassistischen Pogrome in Rostock-Lichtenhagen, Solingen und anderswo in den 1990ern und durch die Aushöhlung des Rechts auf Asyl bestätigt werden.

Während des Irakkriegs 1991 kam es zum Bruch, als ein Teil der Linken, insbesondere in der Zeitschrift „konkret“, den zweiten Golfkrieg befürwortete. Er s…

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