Seitennavigation Katze Welt
Seitennavigation Menu IconMENU
Seitennavigation Search Icon

Fake News: Rechte Übermacht im Netz

Die ­Expertin Ingrid Brodnig erklärt, was im Kampf gegen ­Falschmeldungen und rechte Hetze zu tun ist.

07.02.19 > Welt

Interview: Brigitte Theißl

Der Begriff „Fake News“ wird in den unterschiedlichsten Kontexten verwendet. Was sind Fake News genau und wie unterscheiden sie sich von einer bloßen Falschmeldung?
Es gibt zwei ganz wichtige Unterschiede. Falschmeldungen passieren uns im Journalismus immer wieder, z. B. durch mangelnde Recherche, vielleicht auch tatsächlich durch Voreingenommenheit. Es entstehen dann fehlerhafte oder falsche Nachrichten. Aber das passiert nicht gezielt, es ist ein Versehen. Fake News hingegen sind bewusst falsch, um damit Geld oder Politik zu machen. Der Begriff hat leider auch Schwächen. Viele falsche Geschichten sind nämlich nicht komplett erfunden, sondern sie sind halb falsch, es wurde etwas hinzugedichtet. Und hier liegt der zweite große Unterschied: Eine wirklich neue Erscheinung sind unseriöse Seiten, die sich journalistisch geben, aber mitnichten einen journalistischen Anspruch erfüllen. Auf diesen Seiten spielen grundlegende Dinge wie der Gegencheck von Fakten, das Nachfragen im Zweifel keine Rolle. Wir haben es mit meinungsgetriebenen Seiten zu tun, die sich nicht unbedingt darum kümmern, ob etwas stimmt oder nicht, sondern Stimmung machen wollen. Z. B. die Webseite „pi-news.net“, kurz für „Politically Incorrect“, die islamfeindliche Texte publiziert. Oder die österreichische Webseite unzensuriert.at, die ein deutliches Naheverhältnis zur FPÖ hat und offensichtlich Stimmung im rechtspopulistischen Sinn macht.

Wer sind die wichtigsten Gruppen, die Fake News verbreiten? Und wer hat ein besonderes Interesse daran, mit falschen oder zugespitzten Nachrichten Politik zu machen? Fake News werden in der Regel aus zwei Gründen gestreut. Wer Geld verdienen möchte, macht das in der Regel mitWerbung. Wenn eine Meldung besonders spektakulär ist, lockt das viele Menschen auf eine Seite – dort wird ihnen dann Werbung eingeblendet. In Europa ist aber der zweite Grund häufiger der Fall: Man will aus politischen Motiven Stimmung machen. Die Fake News betreffen meist besonders konfliktbehaftete Themen: Sehr häufig werden Flüchtlinge bzw. Flüchtlingspolitik angesprochen, es wird gehetzt, Emotionen werden geschürt. Bis heute kursiert die Falschmeldung, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge würde Statisten suchen, die gegen die Abschiebungen von Flüchtlingen demonstrieren sollen. Weil solche Meldungen zu bestehenden Feindbildern passen, werden sie enthusiastisch geteilt. Leider gibt es in Europa nicht viele Untersuchungen dazu, aber in den USA gab es eine interessante Analyse zur Wahl im Jahr 2016. „Buzzfeed“ hat Webseiten ausgewertet, die ganz klar rechts oder ganz klar links positioniert sind. Die Journalist*innen prüften, was diese Seiten auf Facebook teilen, welche Artikel sie verlinken. Dabei kam heraus, dass bei den rechten parteiischen Seiten 38 Prozent aller Beiträge nicht richtig waren. Bei den linken Pages waren es 19 Prozent, also nur die Hälfte. Diese linken Seiten haben weniger Falschmeldungen verbreitet, aber immerhin noch einige, eine von fünf Meldungen war falsch. Auch hier besteht also die Gefahr, dass man im Zweifelsfall nicht so genau darauf achtet, ob das, was man verbreitet, auch stimmt, solange es gut zur eigenen Erzählung passt.

2016 verbreitete sich unter dem Schlagwort #Pizzagate die rechte Verschwörungstheorie, Hillary Clinton stünde im Zentrum eines Kinderpornorings, der aus dem Keller einer Pizzeria heraus agiere. Warum sind Menschen für solche Geschichten empfänglich?
Das ist ein gutes Beispiel, weil es so grotesk ist, dass man sich denkt: Das kann doch keiner glauben. Aber Menschen glauben selbst groteske Dinge, wenn es zu ihren Feindbildern passt. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse: Falschmeldungen funktionieren dann gut, wenn sie Dinge behaupten, die Menschen gerne glauben würden. Ich halte eine krasse Behauptung eher für wahr, wenn sie den politischen Gegner betrifft. Wenn sie z. B. eine Politikerin betrifft, die ich verachte. Das nennt sich zielgerichtetes motiviertes Denken. Und dass Menschen so etwas über Hillary Clinton glauben oder zumindest in Erwägung ziehen konnten, liegt daran, dass ihnen die Meldung gerade recht kam. Ein junger Mann stürmte die Pizzer…

Wir schreiben ohne Rücksicht auf Verluste und das machen wir mit Absicht! Das bedeutet aber, dass wir kein fettes Anzeigengeschäft machen, denn leider gibt es nicht viele Firmen, die heute schon fortschrittlich genug sind, um auf ein queer-feministisches Heft zu setzen. Kein Wunder, dass kein anderer Verlag ein Heft wie Missy herausgibt. Jetzt unabhängige, feministische Berichterstattung unterstützen und ein Missy-Abo abschließen.

Beitragsnavigation