Von Rebecca Fuxen

„Die Leute“, sagte der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland in einem ZDF-Interview im September 2019, „haben Ängste im Osten. (…) Wenn es Probleme gibt, dann suchen sich Probleme ein Sprachrohr. Wir sind dieses Sprachrohr.“

In diesem Zitat erklärt Gauland sich und seine Partei zur multifunktionalen Bewältigungshilfe verschiedenster Ängste. So durchschaubar solche Versuche scheinen, politische Agenden mit bestimmten Emotionen zu rechtfertigen, so systematisch kommen sie vor und so gezielt wirken sie. Wenn wir über das Verhältnis von Emotionen und Politik sprechen, geht es häufig um eben diese Beeinflussung von Affekten als politisches Machtinstrument, um „gefühlte Wahrheiten“. Daran zeigt sich, dass Emotion und Politik einiges miteinander zu tun haben, auch wenn der vermeintliche Widerspruch von Politik und Emotion — hintergründlich der von ‚Vernunft’ und Gefühl — den Diskurs strukturiert.

©Sophie Stadler

Spannend sind die emotionalen Kategorien, die auftauchen, wenn über politische Themen gesprochen wird. An ihnen lässt sich viel über das Verhältnis von Politik und Emotion erfahren. In Gaulands Aussage wird ein Gefühl selbst als faktischer Grund genannt, um politische Agenden zu rechtfertigen. ‚Angst‘ bezeichnet hier nicht hauptsächlich einen bestehenden Emotionszustand, sondern dient als Label, das in seiner sprachlichen und medialen Zirkulation auch zur Ausprägung dieser emotionalen Realitäten beiträgt, die es zu benennen vorgibt. Es dient so mindestens als folgenreiche Unterstellung – und impliziert außerdem das Bild eines Staates auf der politischen Metaebene, der scheinbar dazu dient, sich um die Gefühle der Menschen zu kümmern. Jedenfalls für diejenigen, die sich davon angesprochen fühlen.

Feminist*innen kämpfen schon lange dafür, dass die vermeintliche Trennung zwischen Privatem und Politischem eine Öffnung erfährt. Und auch das Emotionale steckt noch im Privaten fest. Das Emotionsleben geh…