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Die Uhr, die tickt

Kinderwunsch-Sex hat einen schlechten Ruf. Aber warum eigentlich?

18.03.20 >

Von Anna Mayrhauser

Ich sitze auf dem Klo und versuche, das Ergebnis des Ovulationstests zu decodieren. Es ist nicht eindeutig. Ist das Symbol auf dem Test nun stärker als gestern? Und falls das „positiv“ sein soll, habe ich heute noch Zeit für Sex?

©ZorZor

Nach ein paar Monaten habe ich die Raterei satt und kaufe ein teureres Zyklus-Messgerät, mit noch mehr Teststreifen, für noch mehr Zeit auf dem Klo, das nach drei Monaten den Geist aufgibt. Konsequenz: Ich kaufe ein noch teureres Gerät, auf das ich aber immerhin nicht mehr pinkeln muss. All das kostet Geld – Geld, das hoffnungsfrohe Personen, die sich wünschen, schwanger zu werden, gerne

ausgeben, um scheinbare Kontrolle zu erlangen. Die Werbung für solche Geräte (schöne Frauen im Pyjama, aber mit Ehering) spart meistens das, was man als Heteropärchen so tun sollte, wenn der Test positiv ist, aus. Sex bleibt ein merkwürdiges, biederes Tabu beim Sprechen über den Kinderwunsch. In den heteronormativen Kinderwunschforen werden stattdessen Herzchen, Bienchen und Blümchen gesetzt. Meine Frauenärztin gibt sich pragmatischer: „Sie wissen ja, wie es geht.“

Tatsächlich hatten Sex und Kinderkriegen für mich lange nichts miteinander zu tun. Feministische Vorstellungen, die Schwangerschaft von jeder Körperlichkeit entbinden, fand ich nie dystopisch, sondern immer befreiend. Im Reagenzglas gezeugt, friedlich in der Roboter- Gebärmutter vor sich hinwachsen, bis man fit für das Leben da draußen ist, ohne jene Verletzlichkeiten, Abhängigkeiten und Lebensgefahren, die eine Schwangerschaft für alle Beteiligten mit sich bringt – das erschien mir ein wesentlich humanistischeres Konzept zu sein als das all…


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