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Alltag Inc.

Kristina Engel ist Lektorin und gleichzeitig Chefin eines zehnköpfigen Teams, das ihr Assistenz bietet.

11.05.20 > Beruf

Von Kristina Engel
Illustration: El Boum

Aufgrund einer progressiven Muskelerkrankung brauche ich (54) bei fast allem Unterstüt- zung. Dass mein Leben trotzdem selbstbestimmt ist, liegt an Rollstuhl, spezieller PC-Tastatur, umgebautem Auto UND an meinem Assistent*innenteam. Rund um die Uhr werde ich von insgesamt zehn Menschen versorgt, die all das übernehmen, was ich selbst nicht tun kann. Wir sprechen von einem „kleinen Unternehmen“ mit mir als Chefin, die von Vorstellungsgesprächen bis zu Dienstplänen alles regelt.

Missy Magazine 03/20, Banden Bilden, ELBOUM
© ELBOUM

Einerseits bin ich also allein verantwortliche Vorgesetzte, die, was mein Leben betreffende Fragen angeht, das letzte Wort haben muss. Andererseits sprengt Assistenz aber jede

Grenze herkömmlicher Unternehmen, dafür gehen wir viel zu sehr auf Tuchfühlung. Genau deshalb ist bei Einstellungen einzig entscheidend, ob wir auf einer Wellenlänge sind. Dennoch ist meine Belegschaft keine homogene Gruppe, allein das Altersspektrum reicht von Mitte zwanzig bis fünfzig plus. Alle eint, dass sie zu mir passen. Und ich zu ihnen. Bei so verschiedenen Typen kann die Art des Umgangs nur individuell ausfallen. Und die definiert mein Gegenüber. Mit einigen lebe ich während der Schicht fast WG-mäßig zusammen, mit anderen familiär, mit noch anderen auf kollegialer Ebene. Wichtig ist, sich zwischenmenschlich auf Augenhöhe zu begegnen, Vibes zu registrieren und Unstimmigkeiten anzusprechen, bevor Probleme wachsen können. Und für Persönliches wie Trennung oder Tod muss mein Programm schon mal hintanstehen. Hohe soziale Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit sind bei Assistenz dringend erforderlich, auf beiden Seiten.

Problematisch ist, das Bedürfnis nach Privatsphäre artikulieren und Toleranz in Sachen…

Wir schreiben ohne Rücksicht auf Verluste und das machen wir mit Absicht! Das bedeutet aber, dass wir kein fettes Anzeigengeschäft machen, denn leider gibt es nicht viele Firmen, die heute schon fortschrittlich genug sind, um auf ein queer-feministisches Heft zu setzen. Kein Wunder, dass kein anderer Verlag ein Heft wie Missy herausgibt. Jetzt unabhängige, feministische Berichterstattung unterstützen und ein Missy-Abo abschließen.

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