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Schuften im Schweinestaat

Die Arbeitsbedingungen für Arbeitsmigrant*innen aus EU-Ländern sind in Deutschland durchweg schlecht.

10.08.20 > Inland

Von Hannah Schultes
Illustration: Judith Weber

Mitte März wurde der Busverkehr zwischen Deutschland und Polen eingestellt. Viele polnische Pflegerinnen in deutschen Privathaushalten stellte das vor Probleme. Eine Zeit lang habe es überhaupt keine Verbindungen nach Polen gegeben, dann nur überteuerte Bustickets, so Sylwia J., die derzeit eine ältere Person in Hamburg betreut. „Als wir mit dem Bus an der polnischen Grenze ankamen, musste man stundenlang dort warten, es wurde Temperatur gemessen und alle personenbezogenen Daten wurden aufgenommen. Dann musste ich 14 Tage in Quarantäne und war von meiner Familie getrennt.“ Viele polnische „Live-ins“ arbeiten in deutschen Privathaushalten nach einem Schichtsystem: Für einige Wochen sind sie in Deutschland, um dann nach der Ablösung durch eine andere Betreuungskraft nach Polen zurückzukehren.

Seit sechs Jahren pflegt Sylwia J. ältere Menschen in Deutschland. In der Corona-Zeit sei manches im Arbeitsalltag beschwerlicher geworden, sagt sie, doch das größte Problem

seien Familien, die sich nicht an die Regeln halten. „Ich verstehe, dass eine Person aus der Familie weiterhin zu Besuch kommt, aber ich kann nicht nachvollziehen, wenn Enkel, Urenkel oder weitere Familienmitglieder das tun.“ Vor einigen Jahren wandte sich Sylwia J. an Aldona Kucharczuk von der Hamburger Servicestelle Arbeitnehmerfreizügigkeit, weil sie bei ihrer damaligen Vermittlungsfirma illegale Praktiken vermutete. Kucharczuk berät polnische Pflegerinnen, die in Privathaushalten arbeiten, zu ihren Rechten. Unter vielen Betreuerinnen sei zu Anfang der Corona-Krise Panik ausgebrochen, sagt sie. „Einige sind schnell nach Polen zurückgekehrt. Ihnen war es in dem Moment wichtiger, bei der Familie und in Sicherheit zu sein, als Geld zu verdienen.“ Viel ist es nicht, was die Frauen in Deutschland an Lohn erhalten. Bei der Pflege in Privathaushalten wird in der Regel der Mindestlohn durch Arbeitszeitausweitung umgangen, die Angehörigen gehen oft selbstverständlich von „24-Stunden-Pflege“ aus. Auch 450-Euro-Jobs bei f…

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