Filmrezis 06/20

Die neuesten Filmerscheinungen – von Missy rezensiert.

09.11.20 > Film & Serien,

Billie

Missy Magazine 06/20 - Filmrezis
(c) Prokino/Granger Historical Picture Archive / Alma Stock Photo / REP Documentary / Marina Amaral

„Das hatte ich noch nie gehört: eine Sängerin, die wie eine improvisierende Hornistin klang!“, schwärmt der weiße Musikproduzent John Hammond, der die 17-jährige Billie Holiday „entdeckte“ und ihr zur Karriere verhalf. So zu sehen in der Doku über die größte Jazzsängerin ever anhand von Videos, Fotos und Auszügen aus Interviews. Letztere hatte die Journalistin Linda Lipnack Kuehl für ein Buch zehn Jahre nach dem frühen Tod Holidays mit Künstler*innen wie Sarah Vaughan und Charles Mingus, aber auch mit Liebhaber*innen und Exzuhältern

der Jazzkönigin geführt. Lipnack Kuehl verstarb vor der Buchfertigstellung; ihr Leben wird als Parallelstrang in „Billie“ gezeigt, was wenig plausibel ist. Regisseur Erskine und sein Team gruben die Tapes aus, kombinierten Teile davon mit Sprachaufnahmen von Holiday und rollen so ein Leben auf, das zu Zeiten der Segregation in den USA null rosig war für die bisexuelle Schwarze, die sich zuerst nahm, was sie wollte, später jedoch einem Hang zu fiesen Ausbeutertypen und Drogen folgte, was die Doku fast genüsslich runterbetet. Aus ästhetischen Gründen ließ Erskine die Schwarz-Weiß-Aufnahmen nachkolorieren. Ob das Billie Holiday gefallen hätte, die anfangs auf Wunsch des Managements ihr Gesicht nachdunkeln musste, um nicht aus dem Count Basie Orchestra hervorzustechen? Hm. Klar ist die Doku trotz allem sehens- und hörenswert, kündet sie doch vom unsterblichen Charisma der großen Billie Holiday. Barbara Schulz 

Billie GB 2019. Regie: James Erskine. 96 Min., Start: 24.12.

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