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Und tschüß!

Kündigen oder gekündigt werden: Unsere Autor*innen erzählen von ihren absurdesten Erlebnissen.

12.07.21 > Arbeit

Die BH-Affäre
Es ist Hochsommer in Teheran, die Hitze unerträglich. Ich habe das Gefühl, ich schmelze. Mein Kopftuch drückt auf meinen Hals wie ein Seil. Ich denke, ich ersticke gleich. Meine Achseln und mein Rücken sind schweißgebadet. Ein schwarzer Mantel schmiegt sich an meinen Körper. Ich bin Redakteurin bei „Iran“, der offiziellen Tageszeitung der Regierung. Der Regierungschef ist Mahmoud Ahmadinejad. Und den hasse ich mit jeder einzelnen Zelle meines Körpers. Vorher arbeitete ich bei einer reformistischen Zeitung, die unter dem

Druck des Regimes schließlich nicht mehr veröffentlicht wurde. Aus finanzieller Not musste ich bei der Tageszeitung der Regierung anfangen. Eine Demütigung! Im Wirtschaftsressort, immerhin. Also halb so wild, dachte ich. Es ist Hochsommer, auch in der Redaktion. Mein Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung spricht der Sicherheitsbeamte des Hauses. Er lädt mich zu einem persönlichen Gespräch ein. Als ich bei ihm bin, vermeidet er, mir in die Augen zu schauen. Es scheint, als wolle er über etwas Peinliches mit mir reden. Nach einer langen Einleitung sagt er endlich: „Frau Behkam, Ihr – wie soll ich es sagen – Ihr BH ist sichtbar. Einige Kollegen haben sich beschwert.“ Das sei sehr unangenehm für sie. Ich werde wütend, schreie herum wie eine Bitch: „Und was ist mit euren beschissenen lüsternen Blicken?“ Ich verlasse die Redaktion. Am nächsten Tag erscheine ich gar nicht erst. Ich sage nichts, aber komme nie wieder. Sie schulden mir noch immer den Rest meines Gehalts und auch alle Sekunden, in denen ich un…