Raus aus dem Mikrokosmos

Die initiative intersektionale Pädagogik setzt sich für ein diskriminierungsfreie Bildung im Schulsystem ein.

13.09.21 > Aktivismus, Inland,

Text: Peimaneh Yaghoobiefarah

Missy Magazine 05/21,Dossier:Raus aus dem Mikrokosmos
© Josephine Schubert, Rena Hannemann, Anni Schulz

Was macht i-Päd genau?
Tuğba Tanyılmaz: i-Päd gibt in erster Linie Workshops und Fortbildungen zu machtkriti-scher Erziehung und intersektionaler Pädagogik für Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten. Und dort vor allem für Menschen, die an Schulen arbeiten, also Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen und Erzieher*innen.

Und was sind konkrete Forderungen, die ihr an eine intersektionale Pädagogik habt? Senami Zodehougan: Wir haben viel Kritik an dem System Schule an sich. Oft kommen wir präventiv, um über Diskriminierung und das Zusammenlaufen verschiedener Diskriminierungen aufzuklären, damit Kinder und Jugendliche diskriminierungsfreie Bildung in Anspruch nehmen können. Eine Forderung auf dieser Stufe ist z. B., dass Lehrkräfte dazu in der Lage sind, diskriminierungssensibel Bildung zu vermitteln. TT: Die Schule ist auf eine Art ein Brennglas für das, was gesamtgesellschaftlich passiert. Bei den unterschiedlichen Erfahrungen, die die Kinder machen, geht es nicht darum, ob sie Spaghetti mögen oder nicht, sondern darum, dass sie Diskriminierung und Gewalt erfahren. Und das auf verschiedenen Ebenen, auch außerhalb der Schule. Auf Ämtern, auf der Straße, in der U-Bahn oder durch den klassistischen Umgang mit den Jobs der Eltern. Und das versuchen wir sichtbar zu machen. Eine ganzheitliche Erziehung funktioniert nur dann, wenn du das alles auf dem Schirm hast. Also alle Privilegien und Benachteiligungen, die Menschen so mit sich bringen können.

Und das wird nicht in der Schule umgesetzt?
Sven Woytek: Nicht wirklich. Ein Beispiel dafür ist das Berliner Schulgesetz. Darin steht, dass Kinder ein Recht auf diskriminierungsfreie Bildung haben. Sie sollen also nicht benachteiligt werden aufgrund von Diskriminierung wegen ihrer Herkunft, Religion, der sexuellen Orientierung usw. Doch wie will eine Institution wie die Schule, die auf der Tradition aufgebaut ist, bestimmte Menschen auszuschließen und zu bewerten, auf so eine Forderung überhaupt eingehen? In der Pädagogik und Erziehung ist oft der erste Ansatz, Kinder dazu erziehen zu wollen, mündig zu werden. Da frage ich mich: Sind Kinder denn keine mündigen Menschen? Genau diese Einstellung ist adultistisch. TT: Wir waren mal im Gespräch mit einer Rektorin in einem Berliner Bezirk mit einer sogenannten hohen Migrationsrate. Sie meinte, dass die Kinder alle kein Deutsch könnten, wenn sie auf die Schule kommen, und dass das ja so problematisch sei. Und dann hat Sven gesagt: Wenn du seit 25 Jahren …

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