Schule des Kommunismus

Enrico Ippolito erzählt die Geschichte einer Frauenfreundschaft in der Kommunistischen Partei Italiens.

Von Anna Mayrhauser

Cruci ist 18 Jahre alt, als sie Ende der 1970er- Jahre ihre Arbeiter*innenfamilie in Palermo verlässt, um die kommunistische Schule Frattocchie in der Nähe von Rom zu besuchen. Dort, wo sie auf eine Laufbahn in der Partei vorbereitet werden soll, trifft sie zwei Menschen, die ihr Leben prägen werden – ihren späteren Ehemann Antonio und ihre beste Freundin Lucia. Lucia, aus einer bürgerlichen Funktionärsfamilie stammend, und Cruci schließen einen Pakt: Gemeinsam wollen sie die Partei von innen heraus verändern und die „Sache der Frauen“ vorantreiben.

Diesen Pakt einzuhalten, erweist sich als schwieriger als gedacht. Cruci und Antonio gehen nach Köln, wo sie eine Familie gründen und Antonio einen Posten in der Gewerkschaft bekleidet, Lucia bleibt in Rom und macht zögerlich Karriere in der Partei – einer Partei, die es bald nicht mehr geben wird. Rocco, Crucis Sohn, wächst in Köln auf, ist zwar links und queer, weiß jedoch wenig über die kommunistischen Ideale seiner Eltern und ihren politischen Kampf. Und diese sprechen nicht darüber. Erst als Lucia stirbt und er gemeinsam mit seiner Mutter zur Beerdigung nach Rom reist, beginnt er, sich damit auseinanderzusetzen.

Missy Magazine 05/21, Typenparade
© Tobias Brust

Der Autor und Journalist Enrico Ippolito, geboren 1982, arbeitete für die „taz“ und ist heute Autor beim „Spiegel“. Meist schreibt er mit einem queeren Blick über Popkultur und Gesellschaft. Auch in seinem Debütroman wollte er keinen „klassischen Cis-Hetero-Boy-Meets-Girl-Plot“ erzählen, wie er in einer E-Mail an Missy schreibt. Vielmehr ging es ihm um die Geschichte einer Frauenfreundschaft. Außerdem nimmt er sich eines relativ unbeachteten Themas an: der Geschichte westlicher kommunistischer Parteihochschulen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dafür recherchierte er in Archiven in Rom und sprach mit Menschen, die die kommunistischen Schulen besucht haben.

Nebenbei erzählt er leichtfüßig und sehr mitreissend die Geschichte der Kommunistischen Partei Italiens, vom Verhältnis von Kommunismus und Feminismus, davon, was es heißt, sich von einer Partei verraten und enttäuscht zu fühlen. Und das in der Aufmachung eines sogenannten „Frauenromans“, der sich wegließt wie nichts.

Enrico Ippolito „Was rot war“ – Kindler Verlag, 288 S., 20 Euro

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