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Ziemlich radikale Utopie

Gewalt gegen Frauen steigt in der Corona-Pandemie an, doch es mangelt an Unterstützungsangeboten.

14.03.22 > Aktivismus

Von Carolin Wiedemann
Illustration: Christina Gransow

Die Ampel-Koalition will die Istanbul-Konvention umsetzen. Und zwar „vorbehaltlos und wirksam“ – anders als die vorherigen Bundesregierungen, die beteuerten, sie hätten das Abkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen bereits realisiert. Dass das nicht stimmt, ist seit Jahren klar.
Jede Stunde üben in Deutschland laut der jüngsten Veröffentlichung des Bundeskriminalamts 13 cis Männer Gewalt gegenüber ihren Partnerinnen aus. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein, erst recht in Zeiten wiederkehrender Corona-Lockdowns, in denen Betroffene sich schlechter bei Notrufen melden können. Doch schon die offiziellen Zahlen bezeugen die gewaltvolle patriarchale Normalität: Jede dritte Frau wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer eines

gewaltvollen sexistischen oder sexualisierten Übergriffs. Jedes vierte Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren erlebt einen Vergewaltigungsversuch. Jede vierte Frau wird mindestens einmal von einem aktuellen oder früheren Partner bedroht, geschlagen, geschubst, zum Sex gedrängt, verletzt. Und alle zweieinhalb Tage wird dabei eine von ihnen getötet. Die Statistik verzeichnet eine Zunahme der Brutalität der Taten. Und auch Übergriffe gegen trans und queere Menschen häufen sich und werden gewaltvoller. In Folge von #MeToo stürzten ein paar Patriarchen, doch nicht das Patriarchat. Weiterhin unterteilt es die Menschen in zwei Sorten, in Männer und Frauen, und wertet Letztere dabei systematisch ab: Die Frau ist Objekt, sie hat verfügbar zu sein.

Es ist eine Ordnung, die brutal verteidigt wird, und zwar nicht nur von offensichtlichen Antifeminist*innen und Sexist*innen. Eine Ordnung, die in die Köpfe und Körper der Menschen eingeschrieben ist, genau wie in die Struktur des kapitalistischen Nationalstaats. So ist das Ziel de…