Rassismus als Infrastruktur

Krieg und Flucht verstärken Diskriminierung, Ungleichheit sowie gewaltvolle Grenzregime.

Moderation: Amina Aziz

Nachdem Russland den Krieg in der Ukraine ausweitete, sind viele Menschen nach Deutschland geflüchtet. Schnell wurden Fälle von Rassismus an den Grenzen bekannt und auch einige Politiker*innen und Medien äußerten sich rassistisch. Was hat das mit euch gemacht?
Sanaz Azimipour: Einerseits war ich natürlich sehr wütend und frustriert, vor allem, weil das kolonialrassistische Narrative sind, wie „zivilisiert“ und „unzivilisiert“ jemand ist. Es wurde nicht mal versucht, das nicht rassistisch zu formulieren. Ich war schockiert, dass das jetzt ausgesprochen wird, aber gleichzeitig auch nicht. Normalerweise muss man versuchen zu beweisen, dass Rassismus existiert. Wenn es z.B. um die Situation geflüchteter Menschen oder die europäische Migrations- und Fluchtpolitik ging, mussten wir beweisen, dass Rassismus dabei eine essenzielle Rolle spielt. Und jetzt wurde es

plötzlich einfach gesagt, wir haben uns das nicht ausgedacht.
Sasha Marianna Salzmann: Aber ich glaube, dass es uns auch nicht weiterhilft, dass der Rassismus jetzt so offen zutage tritt und die Leute zu ihren Aussagen stehen. Als die ersten Berichte über die rassistischen Vorfälle bekannt wurden, haben meine Frau und ich gerade Leute mit dem Auto aus Polen abgeholt, die aus der Ukraine geflohen sind. Es sind weiße Ukrainerinnen, und als sie diese Nachrichten gehört hatten, standen sie unter Schock. Ich saß daraufhin oft in Küchen von Ukrainer*innen, die immer wieder das Bedürfnis hatten, darüber zu sprechen, was es mit ihnen macht, dass sie fliehen konnten, während andere nicht über die Grenze gelassen wurden. Ein sich vervielfachender Albtraum. Ich habe wenig Hoffnung darin, dass etwas besser wird, nur weil die Lage so eindeutig ist. Aber zumindest haben wir nun sehr klare, einfache Bilder für das, was wir versuchen, schon so lange klarzumachen.
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