Waffe: Schwesternschaft

Drei DDR-Künstlerinnen suchen die Legitimation ihres Daseins – in einem Staat, der keinen Bock auf Kritik hat.

Von Laura May

Wir waren junge Frauen. Wir wollten leben und lachen“, so benennt Gabriele Stötzer ihre Beharrlichkeit. Ihr Engagement. Ihre Kunst. In einer Super-8-Nahaufnahme beschmiert sie ihr Gesicht langsam mit roter Farbe und fragt: „Hab ich euch nicht blendend amüsiert?“ Die Erfurterin weigert sich bis zuletzt, die DDR zu verlassen. Obwohl es ihr die Stasi nicht einfach macht. Stötzer wird eingesperrt und überwacht, ihre Fotos und Filme werden

zensiert. Genau deshalb macht sie weiter und nutzt ihre Verletzlichkeit als Schutzschild gegen Auslöschung und Angepasstheit. Wagt den Bruch mit Geschlechtergrenzen. „Das Bleiben ist auch eine Entscheidung“, schreibt sie unter eines ihrer Bilder. Es ist „die Weigerung zu gehen“.

Missy Magazine 04/22, Filmaufmacher
© Tina Bara / Salzgeber & Co. Medien GmbH

Pamela Meyer-Arndts Dokumentarfilm „Rebellinnen“ porträtiert drei Künstlerinnen, die in einer gleichgeschalteten Gesellschaft nach individuellem Ausdruck suchen. Ihre gemeinsame Frage: Wie werden wir Grenzen los? Aus der Gegenwart blicken sie zurück auf ihr Leben vor der Wende. In „Rebellinnen“ beschäftigt sich Meyer-Arndt bereits zum sechsten Mal filmisch mit Kunst und Zensur in der DDR.…